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Sport und Gesundheit Die besten Sportarten für die neue Hüfte

Walking statt Wrestling, Rudern statt Rugby, Golf statt Hockey: Warum Low Impact oder Bewegung ohne Überlastung für ein langes Implantat-Leben sorgt.
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Schwimmen gehört zu den Sportarten, die für die Zeit nach der Hüftoperation empfohlen werden. Quelle: dpa
Bewegung erwünscht

Schwimmen gehört zu den Sportarten, die für die Zeit nach der Hüftoperation empfohlen werden.

(Foto: dpa)

Hamburg Mit der zweiten geht man besser. Nicht jeder Besitzer eines Hüftprothesen-Passes wird das jetzt uneingeschränkt bestätigen. Das ändert aber nichts daran, dass die mittlerweile fast hundertjährige Geschichte der Endoprothetik als eine Erfolgsstory gilt, vor allem in den letzten 20 Jahren.

Neue Hüftgelenke sind heute nahezu so belastbar wie das originäre Modell, und beim Sport ist „ob” längst nicht mehr die Frage, sondern „was” und „wie”. Die dazu passende Formel der Fachleute, vom Orthopäden bis zum Sportmediziner, lautet: Low Impact statt High Impact. Auf deutsch: Bewegung ohne Überlastung und zu hohe Ansprüche. Wandern statt Wrestling, Golf statt Hockey, Rudern statt Rugby.

Früher begannen mit dieser „Versuch´s mal mit mehr Gemütlichkeit”-Variante alle Probleme. Ärzte rieten ihren Patienten lieber, das künstliche Gelenk zu schonen, um vorzeitigem Verschleiß vorzubeugen. Das Gespenst der „Abriebpartikel” ging um, im
Wortsinne, es löste rund um die Prothese Entzündungen aus und schädigte die echte Substanz dermaßen, dass sich das Kunstgelenk lockerte. Eine aufwendige Wechseloperation wurde notwendig.

Inzwischen sind solche Risiken deutlich geringer. Die Entwicklung ist bei hoch widerstandsfähigen Materialien angekommen, die den echten Knochen idealerweise optimal nachahmen, sich mit dem umliegenden Gewebe prima vertragen und quasi in natürlichem Maß abreiben. Normal ist, dass im Lauf der Jahre Prothesenkomponenten verschleißen und/oder der Knochen abnutzt. Nicht normal ist, wenn sich ein künstliches Gelenk lockert. Auch nicht nach zig Millionen Mal drehen, beugen, kippen.

Bei der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE), die am 7. und 8. Dezember in Düsseldorf ihren Jahreskongress „Endoprothetik auf der Suche nach Perfektion” veranstaltet hat, legt man deshalb großen Wert auf die Feststellung: Nach derzeitigem Wissen ist ein qualitativ hochwertiges, stabil verankertes Hüftmodell mit verschleißresistenten Materialien wichtiger für ein gutes Langzeitergebnis als die Operationsmethode.

„Damit sind wesentliche Voraussetzungen für eine stärkere Belastung künstlicher Hüften erfüllt”, sagt Prof. Dr. med. Karl-Dieter Heller, der Generalsekretär der Gesellschaft. Heute sei körperliche Aktivität bei allen Patienten nicht nur möglich, sondern ausdrücklich gewünscht. „Es ist allerdings wichtig, dass sie verstehen, wo die Grenzen eines Kunstgelenks sind.”

Die sind ruckzuck erreicht, wenn jemand auf Leistungs-, Spiel- und Kampfsportarten mit hohem „Impact” bzw. hoher Stoßwirkung steht – weil er sich durch schnelle abrupte Richtungswechsel, Stoß-, Dreh- und Scherbelastungen zu viel zumutet. Da kann der Hüftkopf schon mal aus der Pfanne kugeln. Auch ein Sturz ist unangenehmer als für Menschen ohne Ersatzgelenk, es drohen komplizierte Knochenbrüche. Insgesamt wird der Verschleiß durch Sport wie diesen naturgemäß beschleunigt, das hässliche Wort der Abriebpartikel steht wieder im Raum.

Die „Ja, nein, vielleicht”-Empfehlungen der Fachgesellschaften (unter anderem Deutsche Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention) verweisen Fuß- und Handball, Hockey, Klettern, Mountainbiking, Snowboarding, Squash, Turnen, Volleyball, Boxen, Judo oder Karate somit in den roten Bereich. Dagegen wirken gut dosierte fließende Bewegungen der Abnutzung entgegen; sie kräftigen die Muskulatur, entlasten Gelenke und Bandscheiben und tragen dazu bei, dass das Kunstgelenk fest im Knochen liegt.

Standzeit von rund 20 Jahren

Das wiederum verlängert die Haltbarkeit, Experten sprechen von einer Standzeit, die heute bei rund 20 Jahren liegt. Und es verringern sich die Verletzungsgefahren im Alltag. Entsprechend gilt ein niedriger Impact auf die neue Hüfte als das Beste, was ihr passieren kann.

Nie also hat Knochenarbeit mehr Spaß gemacht als mit den klassischen Ausdauersportarten wie Aquafitness und Aquajogging, (Rücken-)Schwimmen und Kraulen, Golf (ohne Spikes), Walking, Radfahren, Wandern, Rudern, Tanzen. Mit kleinen Einheiten aus diesem Spektrum lassen sich vielleicht sogar Couchpotatoes motivieren, für die nun erst recht gilt: mitmachen erwünscht. „Letztlich ist es eine sehr individuelle Entscheidung, wer postoperativ was macht”, sagt Orthopäde Heller, der Chefarzt der Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig ist.

Zumal, je sportlicher die künftigen Träger einer neuen Hüfte sind, umso besser werden sie nach der OP regenerieren. Wer vorher eine Sportart gut beherrscht hat, kann in aller Regel wieder und vor allem schneller wieder einsteigen. Drei Monate sollten mindestens vergehen, besser sind sechs. Dann könnte es sogar mit dem Lieblingssport von höherem Impact-Wert klappen, sei es Reiten, Alpin-Ski, Bowling oder Pilates. Über Sinnhaftigkeit und mögliche Folgen fürs Gelenk sollte man mit dem Arzt seines Vertrauens reden.

Und dann ist da noch der Chirurg. Er sollte ein ausgewiesener Fachmann sein, der die Krankengeschichte seiner Patienten kennt. Das betrifft auch den richtigen Zeitpunkt, die Entscheidung für ein künstliches Hüftgelenk trifft man schließlich nicht mal eben so. Sie ist häufig mit Unsicherheiten und Ängsten verbunden. Erfahrene Ärzte berücksichtigen das und nehmen sich vor der Operation genug Zeit, um mit ihren Kandidaten zu besprechen, welcher Sport sich für ihr Alter, ihre Lebenssituation und ihre Ansprüche eignen. Danach wird der Prothesentyp einschließlich Material und Art der Verankerung bestimmt.

Je gewissenhafter und detaillierter die Vorbereitungen sind, umso seltener kommt es später zu Fehlpositionen und Reibungsverlusten. Einerseits. Andererseits können eventuell auftretende Komplikationen sicher bewältigt werden. In diesem Sinne kann es sich lohnen, die Operation in einer der 525 Kliniken (Stand: 31.12.2017) durchführen zu lassen, die mit einem EndoCert-Zertifikat der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie zertifiziert sind.

Diese Expertise soll hierzulande die Patientensicherheit und Behandlungsqualität beim Gelenkersatz steigern. Seit Ende 2012 können sich Kliniken als EndoProthetikZentrum zertifizieren lassen. Das System gilt als das weltweit erste in der Endoprothetik.

Wer sich in einem derart ausgezeichneten Haus behandeln lässt, kann sicher sein, dass man sich dort intensiv mit dem Thema des Gelenksersatzes für Hüften (oder auch Knie) auseinandersetzt und die Qualitätsanforderungen der Fachgesellschaften erfüllt. Zu dem Zweck müssen mindestens 100 endoprothetische Eingriffe jährlich durchgeführt werden, heißt es im EndoCert® -Jahresbericht 2018. Jeder einzelne Hauptoperateur muss wenigstens 50 Mal im Jahr operieren.

Nicht zuletzt haben sich die Häuser verpflichtet, alle Behandlungsergebnisse konsequent zu überprüfen, Komplikationen zu erfassen und sich am Endoprothesenregister Deutschland zu beteiligen. Das beruhigt, immerhin ist eine Hüftprothese, total oder teilweise, doch eine große Sache für den Organismus.

Und eine der lukrativsten fürs Krankenhaus. Mit mehr als 440.000 Gelenkoperationen pro Jahr (Hüfte und Knie) allein in Deutschland gehört der Einbau des einen oder anderen Gelenks längst zum Standard. Bei aller Routine sind Erfahrung und Können gefragt. Trotzdem sind die qualitativen Unterschiede enorm.

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