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Weltkrebstag Wie Sport hilft, Krebs zu verhindern

Täglich mindestens 30 Minuten mit mittlerer Intensität: Dann ist Bewegung die beste Medizin. Selbst bei und gegen Krebs.
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Bei Krebserkrankungen wird zu den klassischen Ausdauersportarten geraten. Quelle: dpa
Eine junge Frau joggt in Berlin

Bei Krebserkrankungen wird zu den klassischen Ausdauersportarten geraten.

(Foto: dpa)

HamburgLeibesübung sagte man früher. Heute weiß fast jeder: Nicht nur in der Therapie von Krankheiten, sondern schon lange vorher gibt es kaum eine Diagnose im Kosmos der Zivilisationskrankheiten, die sich mit Bewegung – und einer bedarfsgerechten Ernährung – nicht verhindern, verzögern oder deren Verlauf sich nicht positiv beeinflussen ließe.

Wer kann, sollte sich auf täglich 60 Minuten moderat oder 30 Minuten anstrengend steigern. Das Ganze am besten outdoor, schweißtreibend, kombiniert mit gemäßigtem Krafttraining. Und lebenslang.

Seit 2006 nimmt die in Genf beheimatete Welt-Krebsorganisation (Union internationale contre le cancer, UICC) jeden 4. Februar zum Anlass, die Öffentlichkeit rund um das Thema Tumoren zu informieren, 2019 unter dem Motto „I am and I will“, was immer man darunter verstehen mag. Inzwischen wird sie von mehr als 800 Organisationen unterstützt, die an diesem Tag mit Kampagnen das Bewusstsein für Prävention, Früherkennung, Entwicklungen in der Diagnose, Behandlung, Nachsorge schärfen wollen.

Hierzulande sind die großen Gesellschaften wie die Deutsche Krebsgesellschaft (DKG), Deutsche Krebshilfe oder das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) dabei, letzteres beispielsweise richtet in diesem Jahr den 1. Deutschen KrebsForschungsKongress aus, der die Leistungsfähigkeit der onkologischen Forschung in Deutschland präsentiert. Die Schweizer Krebsliga wiederum sensibilisiert unter dem Hashtag #sportagainstcancer für regelmäßige Bewegung.

Das passt gut, denn „zahlreiche Studien zeigen, dass Sport das Risiko für Krebsarten wie Brust- und Dickdarmkrebs, Nieren- und Prostatakrebs senken kann – je nach Krebsart zwischen 20 und 40 Prozent“, hat Professor Karen Steindorf auf dem Internistenkongress 2016 in Mannheim gesagt. Der Schutz durch Sport soll sogar größer sein als durch Verzicht auf Alkohol. Steindorf leitet die Abteilung „Bewegung, Präventionsforschung und Krebs“ am DKFZ in Heidelberg.

Die passionierte Alpinistin gründete das Projekt „Outdoor against Cancer“. Die Idee ist auf einer Skitour entstanden. (Foto: Thaller)
Petra Thaller

Die passionierte Alpinistin gründete das Projekt „Outdoor against Cancer“. Die Idee ist auf einer Skitour entstanden.

(Foto: Thaller)

Bei anderen Tumoren kann Sport das Risiko zumindest indirekt verringern, weil alle, die sich viel bewegen, seltener übergewichtig sind und weniger bis gar nicht rauchen. In diese Gruppe gehören Lungen- und Blasenkrebs sowie Karzinome der Speiseröhre, der Leber, des Eierstocks.

Setzt man all das in Relation zu einer ebenfalls aus dem DKFZ kommenden Analyse, wonach sich in Deutschland für 2018 sechs Prozent (über 27.000) aller neuen Krebserkrankungen (über 440.000) bei den 35- bis 84-Jährigen auf mangelnde Bewegung zurückführen lassen, dann wird es Zeit zu handeln – nicht erst heilend, sondern zuvorderst hemmend.

Welche Sportart(en) individuell besonders geeignet sind, lässt sich nur durch Ausprobieren herausfinden. Allgemein wird in Verbindung mit Funktionsgymnastik (einschließlich „Faszientraining“) und neuerdings Yoga zu den klassischen Ausdauerarten geraten:
Laufen, schnelles Gehen (Walking, Power-Walking), langsames Gehen (Wandern, Bergwandern), Schwimmen, Aquafitness, Skilanglauf bzw. -wandern, Rudern, Kanusport, Radfahren, Ergometertraining, Gymnastik, Tanzen, Golf.

Warum eigentlich? Weil damit im aeroben Bereich trainiert wird: Während des Trainings herrscht ein Gleichgewicht zwischen dem Bedarf und Verbrauch von Sauerstoff. Alle Körpersysteme – Herz-Kreislauf, Gefäß-, Blut-, Hormon-, Immun-, Atmungs-,
Nervensystem – arbeiten ohne Überforderung. Optimal ist Bewegung an der aeroben Schwelle. Das ist sozusagen die Balance zwischen Herausforderung und Können. Jetzt sind auch mehrstündige Belastungen möglich.

Im Gegensatz dazu steht der anaerobe, der sauerstofflose Energiestoffwechsel, auf den der Organismus umschaltet, wenn die Belastung 85 bis 100 Prozent der maximalen Leistungsfähigkeit erreicht. Es besteht die Gefahr, dass das eine oder andere System
überfordert reagiert, allen voran das Immunsystem. Entsprechend spannend ist in der Forschung die Frage, wie gut dosierte aerobe Aktivitäten auf jene biologischen Vorgänge wirken, die das Krebsrisiko beeinflussen. Eine Übersicht:

Atmung

Die Sauerstoffversorgung, Leistungsfähigkeit und Selbstreinigungskraft der Lunge steigt.

Blut

Die roten Blutkörperchen werden elastischer, der Blutfluss im gesamten Körper wird besser. Das erschwert Krebszellen das Überleben.

Gewicht

Der Einfluss von Bewegung aufs Krebsrisiko ist eng verknüpft mit dem der Ernährung. Beides wirkt aufs Gewicht, beides hält den Energiehaushalt bzw. den Stoffwechsel und das Hormonsystem in Balance.

Hormonsystem

Es wird durch Bewegung sehr unterschiedlich und vielfältig beeinflusst. Das gilt für die Stresshormone ebenso wie für die Sexualhormone. Bei Menschen mit hormonabhängig wachsendem Krebs senkt Sport den Östrogenspiegel in Blut und Gewebe, zum Beispiel bei Brustkrebs.

Immunsystem

Krebszellen sind mehr oder weniger veränderte Körperzellen. Die Killerzellen des Immunsystems erkennen und eliminieren kranke Zellen bei Gesunden regelmäßig, ohne dass sie etwas davon merken. Das Ganze funktioniert noch nachhaltiger, wenn durch
Sport die Killerzellen auf Hochtouren patrouillieren.

Stoffwechsel

„Gib dem Tumor keinen Zucker“ heißt ein Merksatz in der Onkologie, denn Krebszellen verbrauchen einen Teil der über die Nahrung zugeführten Energie für das eigene Wachstum. Am liebsten eben Zucker. Der wiederum wird im Training ordentlich verbraucht. Entsprechend verkürzt ein in Schwung gebrachter Stoffwechsel die Kontaktzeit potenziell krebserregender Stoffe im Magen und Darm.

Mehr noch: Die Produktion von Insulin und anderer körpereigener Botenstoffe wird gedrosselt, so dass sie in entarteten Zellen nicht als Wachstumssignale wirken können. Eventuelle Folge: Eine Tumorbildung wird blockiert – besonders in Brust, Darm und Prostata. Die drei sind vom Stoffwechsel abhängig.

Nervensystem

Eher unspezifisch, aber mit beachtlichen Wirkungen aufs Immunsystem, ist die Fähigkeit zur tiefen Entspannung. Die wiederum drückt sich in mehr Vitalität, Selbstvertrauen und seelischer Stabillität aus. Nicht von ungefähr gilt Bewegung als Basistherapie vieler vegetativer Störungen, vor allem gegen Stress. Hier schließt sich ein Kreis zu einem deutlich besseren Lebensgefühl, von dem nicht nur Gesunde in Form von guter Laune und körperlichem Wohlbefinden profitieren, sondern auch Patienten.

DNA

Und dann sind da noch Effekte aufs Erbmaterial, die durch physische Aktivität (und Fasten) stimuliert werden. Autophagie, „Selbstfressen“, heißt das passende Wort. Gemeint sind Reparaturmechanismen, die wie eine Müllabfuhr funktionieren: Beschädigte und
schädliche Zellteile werden aussortiert, zerlegt und zu Zellnahrung recycelt. Diese notwendigen Prozesse sind wichtig für die Zellalterung und für das Altern allgemein.

Für diese Erkenntnisse hat der japanische Mediziner Ohsumi Yoshinori 2016 den Nobelpreis erhalten. Inzwischen konnte gezeigt werden, dass der Abtransport des Zellschrotts das Entstehen von Tumoren torpediert.

Also, durchstarten ist angesagt. „Ob in die Berge, ans Meer, in Wälder oder in den Stadtpark um die Ecke, gehen Sie ins Grüne und werden Sie sportlich aktiv“, appelliert Petra Thaller an alle, an Gesunde wie Kranke. Die Journalistin aus München und
passionierte Alpinistin weiß, wovon sie spricht. Vor drei Jahren selbst mit der Diagnose Brustkrebs konfrontiert, schöpfte sie an Tiefpunkten immer wieder draußen Kraft: „Bewegung in der Natur war während meiner Therapie unverzichtbar für Körper, Geist und Seele.“

Wichtige Studien der vergangenen Jahre unterstützen Thallers Erfahrung: Moderate bis anstrengende Bewegung mildert die Nebenwirkungen einer Tumortherapie. Mit Blick auf das chronische Erschöpfungssyndrom Fatigue, auf körperliche bzw. Muskelkraft kommen aktive Patienten besser durch die Therapie und durch Krankheitskrisen; sie sind widerstandsfähiger und selbstständiger, leistungsfähiger und mobiler – und so letztlich besser vor einem Rückfall geschützt.

Der wichtige Schritt vor die Haustür

Es ist die Zuversicht, die alles überstrahlt. Petra Thaller möchte mit ihrem Team Krebspatienten im Wortsinne „über den Berg“ und genau an dieses Ziel führen. Noch während der Chemotherapie hat sie das Projekt „Outdoor against Cancer – OaC“ gegründet. Die Idee ist auf einer Skitour entstanden. Heute, nach drei Jahren ist es europaweit so bedeutsam geworden, dass es von der EU gefördert wird.

Mit dem Geld und unter anderem in Kooperation mit der TU München werden Daten in fünf Ländern gesammelt und Veranstaltungen organisiert. Nicht zuletzt holt sie gerade Kliniken ins Boot. „Mir geht es sehr gut, ich bin ein vom Glück bestrahlter Mensch. Mein Leben war immer ausgefüllt und das soll es auch in Zukunft sein“, sagt die zweifache Mutter.

Sie glaubt fest daran, dass alle Krebspatienten von Ausdauer- und Krafttraining profitieren können. Ihr Leitsatz lautet: Der wichtigste Schritt ist der vor die Haustür.

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