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19. Jahrhundert Provokation mit religiöser Malerei

Fritz von Uhdes religiöse Malerei ist massenhaft reproduziert worden. Mit seinem Namen verbinden aber nur Kunstkenner eine Vorstellung. Es gibt von ihm einige Spitzenwerke, aber auch viel Mittelmaß. Das spiegelt sich auch in seiner Bewertung auf dem Auktionsmarkt wider.
  • Johannes Wendland
06.10.2011 - 10:45 Uhr Kommentieren
Fritz von Uhde:

Fritz von Uhde: "Selbstbildnis", 1898, Öl auf Leinwand. (Ausschnitt)

(Foto: Staatliche Kunstsammlungen Dresden)

Zwickau. Fritz von Uhde (1848-1911) gehört wohl zu den bekanntesten Unbekannten der deutschen Kunst des 19. Jahrhunderts. Der in Sachsen geborene Maler hinterließ nämlich vor allem einige vielfach reproduzierte und kopierte religiöse Motive. Das bekannteste unter ihnen verwahrt das Museum der bildenden Künste in Leipzig. „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ (1884) zeigt eine Christusdarstellung in einer einfachen Wohnstube des 19. Jahrhunderts vor einer großen Schar Kindern. Uhdes realistischer Malstil und seine sehr pointierte, bewusst an Rembrandt geschulte Lichtführung weisen den Maler als typischen Zeitgenossen der Epoche zwischen Realismus, Naturalismus und Impressionismus aus.

Arbeit als Schlachtenmaler

Uhdes 100. Todestag nehmen die Kunstsammlungen Zwickau nun zum Anlass für eine große Werkschau, bei der die Werke des Künstlers in einen größeren stadt- und zeithistorischen Kontext eingebettet werden. Fritz von Uhde wurde im Revolutionsjahr 1848 auf Schloss Wolkenburg in Limbach-Oberfrohna geboren und wuchs in Zwickau auf. Schon früh fiel sein zeichnerisches Talent auf; ein Studium an der Dresdner Kunstakademie schmiss von Uhde aber, um sich dem sächsischen Militär anzuschließen. Hier profilierte er sich nicht nur als Offizier, sondern auch als Schlachtenmaler. Von 1877 an lebte und arbeitete er als Maler in München.

Fritz von Uhde:

Fritz von Uhde: "Matthäus 18.2: 'Und Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es mitten unter sie'", um 1904 (Ausschnitt).

(Foto: Kunstsammlungen Chemnitz)

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    Uhdes Malerei polarisierte zeitlebens. Nachdem er sich in den 1880er-Jahren zunehmend religiösen Themen zuwandte, versuchte er, nach dem Vorbild der niederländischen Malerei eine Brücke zwischen den christlichen Motiven zu sozialen Anliegen der Gegenwart zu schlagen. Im Ölbild „Heilige Familie in der Werkstatt“ (um 1892) sieht man im Hintergrund den Zimmermann Josef bei der Arbeit, während sich vorn eine in eine einfache Kluft gewandete Maria dem im strahlenden Licht stehenden, in einem weißen Kleidchen gekleideten Jesus mütterlich zuwendet. Eine so realistische Darstellung der „heiligen Familie“ konnte die wilhelminische, auf Pomp und Gloria gepolte Öffentlichkeit nicht begeistern, wohl aber einen Zeitgenossen wie Max Liebermann. Er hielt große Stücke auf von Uhde.

    Impressionistisches Spätwerk

    Die Zwickauer Ausstellung, die von einer weiteren Schau auf Schloss Wolkenburg begleitet wird, zeigt eine konzentrierte Auswahl an Malerei und Zeichnungen. Einige wunderbare Bilder sind dabei, wobei das ausgereift impressionistische Spätwerk heute wohl am meisten beeindruckt. Das Flirren und Leuchten einer Tafel wie „Drei Mädchen im Garten“ (1907), eine Leihgabe aus dem Von der Heydt-Museum in Wuppertal, oder die „Rast im Walde“ (1894/95) aus den Kunstsammlungen Chemnitz, die einen starken Ausdruck von der Erschöpfung Marias auf der Flucht gibt, lassen manch schwächeres Bild in dieser Zusammenstellung rasch vergessen.

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