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58. Kunstbiennale von Venedig Großer Name sucht großen Ort

Die Biennale, die Zusatz-Ausstellungen und der Markt. Wie die Galerie Gagosian den passenden Rahmen für die Vermarktung der Malerin Helen Frankenthaler schafft.
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bespielte 1966 den amerikanischen Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig. Das Foto entstand 1973 an Bord einer Yacht nahe der Insel Ischia. Quelle: Frankenthaler Foundation Archives, New York
Helen Frankenthaler

bespielte 1966 den amerikanischen Pavillon auf der Kunstbiennale von Venedig. Das Foto entstand 1973 an Bord einer Yacht nahe der Insel Ischia.

(Foto: Frankenthaler Foundation Archives, New York)

Venedig Wer als lebender Künstler zur Biennale von Venedig geladen wird, hat im schnelllebigen Kunstgeschäft quasi einen Ritterschlag erhalten. Denn es sind vor allem die auf Künstler-Expansion ausgerichteten Großgalerien, die in den Giardini und im Arsenale nach neuen oder übersehenen Talenten Ausschau halten. Das tun auch Kuratoren und Direktoren von Museen aus aller Welt. Und so steigert sich der Wert der Kunst schön langsam, wenn nur ja ein Zahnrädchen im Wettrennen um Aufmerksamkeit ins andere greift.

Es gibt noch eine weitere Kategorie, die das Marketing von Kunst ermöglicht. Das sind die sogenannten „Eventi Collaterali“. Diese zusätzlichen Ausstellungen müssen einen wissenschaftlichen Anspruch haben, zum Konzept der Biennale passen und irgendwie gut für Venedig, respektive die Biennale sein. Dann bekommen rund ein Dutzend Begleit-Ausstellungen das Logo der Biennale. Das Markenzeichen wirkt wie ein Qualitätssiegel. Eine solche Collateral-Schau ist z.B. die Baselitz-Ausstellung in der altehrwürdigen Accademia.

Es geht aber auch ohne Biennale-Siegel. Die kleine Helen Frankenthaler-Schau haben die Frankenthaler Foundation und die Großgalerie Gagosian gestemmt. Das Prinzip ist einfach: Großer Name sucht großen Ort.

Das extreme Querformat zeigt, wie dünn die Farbe ist, mit der die Künstlerin zu Werke ging. Abgebildet ist
Helen Frankenthaler

Das extreme Querformat zeigt, wie dünn die Farbe ist, mit der die Künstlerin zu Werke ging. Abgebildet ist "Open Wall" von 1953.

(Foto: Helen Frankenthaler Foundation, Inc. / ARS, New York.R.McKeever, Gagosian, VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Die Scouts von Gagosian haben den prachtvollen Palazzo Grimani ausgekundschaftet. Hier im ersten Stock einer noblen Familienresidenz aus dem 16. Jahrhundert, werden 14 Gemälde aus 40 Jahren locker gehängt. Fast alles Querformate, oft in strahlend mediterranen Farben, aber nicht nur. Deren luftige Wirkung erzeugte die elegante Malerin durch verdünnte Farben, die sie auf die am Boden liegende Leinwand kippte. Mit Rakel und Schwämmen, aber auch mit der Hand oder einem Pinsel komponierte sie dann die Abstraktionen.

Helen Frankenthaler (1928-2011) hatte den Amerikanischen Pavillon auf der Biennale von 1966 bespielt. Doch die Frauen im Kreis der ellenbogenstarken Maler des Abstrakten Expressionismus hatten auf dem Kunstmarkt und in Museen immer die schlechteren Karten. Sie standen in der zweiten Reihe hinter den Malerheroen Jackson Pollock oder Robert Motherwell.

Das hat sich erst vor wenigen Jahren ein wenig geändert, als die Auktionshäuser begannen, Joan Mitchell als Wiederentdeckung zu versteigern. Im Nu war das Interesse geweckt. Kunsthändler sprangen auf und die Preise stiegen auf einstellige Millionenpreise und von dort auf zweistellige. Dieses Phänomen ist jetzt auch für Helen Frankenthalers duftige Leinwände zu erwarten. Denn die Verkäufer von Gagosian müssen nur die geneigte Klientel herführen, die sich zwischen den Partys auf den Luxusjachten vor den Giardini auch mal die Füße vertreten und der Kunst frönen will.

brachte 1963 dieses luzide abstrakte Gemälde auf die Leinwand. Quelle: Helen Frankenthaler Foundation, Inc. / ARS, New York.R.McKeever, Gagosian; VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Helen Frankenthaler

brachte 1963 dieses luzide abstrakte Gemälde auf die Leinwand.

(Foto: Helen Frankenthaler Foundation, Inc. / ARS, New York.R.McKeever, Gagosian; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Der Palazzo Grimani nahe der Kirche Santa Maria Formosa strahlt durch seine Architektur Macht, Einfluss und Reichtum aus. Die gebildeten Bauherren Vittore und Giovanni Grimani waren als Vermittler im Streit zwischen der Republik Venedig und dem Vatikan zu ihrem Vermögen gekommen. Sie sammelten Gemälde von Raphael oder Hieronymus Bosch, gaben viel Geld für eine Humanistenbibliothek aus und pflegten ihre Liebe zur antiken römischen und griechischen Skulptur.
Für ihre Skulpturen ließen die Grimanis eine sogenannte „Tribuna“ bauen, einen Saal mit Nischen und Podesten für möglichst viele Schätze aus der Antike. Kein Besucher, dem es in dem erst kürzlich wieder re-installierten Prachtraum der Renaissance nicht den Atem verschlägt. Venus verdeckt scheu ihre Blöße, Jupiter entführt Ganymed und Zeus schwängert Leda, indem er sie in Gestalt eines Schwans betört.

Gagosian hat das beste denkbare Setting für eine große Show gefunden. Eines, das immer zugleich Kultiviertheit und gesellschaftliche Macht ausstrahlt. Der richtige Kontext für eine noch nicht ausreichend gewürdigte Malerin. So weckt man durch eine aufwendige Inszenierung das Interesse an Helen Frankenthaler. Dann haben sich in Kürze Mietkosten, Spenden und ein luxuriöser Katalog gelohnt für den Nachlass und die Galerie. Sie werden durch höhere Preise für jedes einzelne Bild aufgefangen.
Helen Frankenthaler „Pittura/Panorama“ läuft bis 17. November 2019. Der Prachtraum im Palazzo Grimani bis 30. Mai 2021 unter dem Titel „Domus Grimani 1594-2019“, Venedig, Castello 4858.

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