Abschied von "Wetten, dass...?" Gottschalks Wagnis nach dem Klassiker

Mit der letzten Sommerausgabe von "Wetten, dass ...?" startet Thomas Gottschalks Abschiedscountdown. Seine Entscheidung, nach dem ZDF-Klassiker im öffentlich-rechtlichen Fernsehen weiterzumachen, ist ein Wagnis.
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Die Ära Thomas Gottschalk
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Unter Thomas Gottschalk kamen die meisten der bis heute über 1000 Wetten innerhalb der 212 Ausgaben von „Wetten, dass..?“ zusammen: Er moderierte 147 Mal. Unter den Wetten waren sportliche Höchstleistungen und viele skurrile Wetten. So wie in dieser Sendung vom 3. Juli 2004 in Berlin, als Kandidat Walter Daurer vier Gläser Bier auf zwei Trompeten balanciert, auf denen er zweistimmig musiziert. Den Zuschauern gefiel es - der Österreicher wurde Wettkönig.

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Das Ende von Gottschalks Höhenflug mit „Wetten, dass“ wurde durch den Unfall von Samuel Koch besiegelt. Der 23-Jährige wollte in der 192. Sendung am 4. Dezember 2010 in Düsseldorf mit Sprungstelzen über fahrende Autos springen. Koch stürzte beim Salto und verletzte sich so schwer, dass er heute gelähmt im Rollstuhl sitzt. Die Live-Show wurde erstmals in ihrer Geschichte abgebrochen. Stars wie Cher, Justin Bieber, Christoph Waltz oder Take That flogen ohne Auftritt wieder ab, die Fernsehnation war schockiert.

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Das ZDF verzichtete nach dem Unfall auf hoch riskante Wetten. Der Sender führte ein Kategoriensystem ein, das die Wetten auf einer Skala von 0 bis 3 bewertet. „Extrem sportive Wetten wie die von Samuel Koch gehören in die Kategorie 3. Sie werden künftig nicht mehr gespielt", sagte ZDF-Unterhaltungschef Manfred Teubner.

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Dennoch gilt: Thomas Gottschalk konnte sich in der vollkommen auf ihn zugeschnittenen Sendung weit besser präsentieren als der Südtiroler Markus Lanz – und durfte sich auch mal ungestraft zum Affen machen. Etwa hier im Oktober 2008, als seine traditionell sehr eigenwillige Kleidung einiges mitmachen musste: Nach einer verlorenen Saalwette tauchte Gottschalk in einen Senftopf.

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Nur Gottschalk bekam wirkliche Stars, ob national oder international, ins deutsche Fernsehen - das sehen auch die schärfsten Kritiker ein. Mit 91 Jahren besuchte Schauspieler Heinz Rühmann im Januar 1994 als Stargast die Show im österreichischen Linz. Bundeskanzler Gerhard Schröder schaute 1999 bei der Sendung in Münster vorbei. Als Wetteinsatz bot Schröder an, die älteste Zuschauerin im Saal in seinem Dienstwagen nach Hause zu fahren. Als ein Höhepunkt gilt der Auftritt von Michael Jackson am 4. November 1995. Mit wehenden Haaren und offenem Hemd sang der US-Star den „Earth Song“. Auf einer Hebebühne wurde er über die Zuschauer in Duisburg gefahren.

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Peter Maffay ist übrigens der Rekordhalter unter den Gästen. 17 Mal kam der deutsche Rocksänger in die Sendung, gefolgt von Udo Jürgens (14 Mal) und Herbert Grönemeyer (elf Mal). Zum weiteren Beweis für sein Durchhaltevermögen hat Maffay im Januar 2007 eine 20-Kilogramm-Hantel über mehrere Minuten in die Höhe gestemmt.

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Doch natürlich war auch unter Thomas Gottschalk schon nicht mehr alles Friede, Freude, Eierkuchen im Samstagsabend-Sendungs-Universum. Seit Jahren kämpft die Show mit Quotenschwund. Auch die letzten Sendungen unter Gottschalk lagen mit der Zuschauerzahl stets unter der Zehn-Millionen-Grenze. In den 80-er Jahren erreichte die Sendung ihren Rekordwert von 23,4 Millionen Zuschauern allein in Deutschland (9. Februar 1985). Damals gab es aber auch weniger TV-Sender und keine private Konkurrenz wie die RTL-Castingshows „Deutschland sucht den Superstar“ oder „Das Supertalent“, deren Oberjuror Dieter Bohlen dem ewigen Lockenkopf Gottschalk regelmäßig Kampfansagen macht.

Palma de MallorcaNach seinem Abschied von „Wetten, dass..?“ wird für immer gelten: Thomas Gottschalk ist einer der begnadetsten Entertainer, die das deutsche Fernsehen je hervor gebracht hat. Der nunmehr 61-Jährige wird jedoch nicht daran denken, sich auf seinen Lorbeeren auszuruhen, denn die konkurrierenden Sendersysteme ARD und ZDF haben schon deutlich über verschiedene Verbreitungswege klargemacht, dass sie Gottschalk unbedingt für ihre Zwecke einsetzen wollen.

Ein wenig aus dem Fenster gelehnt hat sich der scheidende Intendant des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Udo Reiter, der Gottschalk vorgeschlagen hat, eine tägliche Vorabendshow im Werberahmenprogramm zu präsentieren. Werktags gegen 19.20 oder 19.25 Uhr, möglicherweise mit tagesaktuellen Themen. „Wenn er zu uns in die ARD heimkehrt, wäre das auch für mich ein großes Vergnügen“, sagte Reiter der Illustrierten „Bunte“. Nach seiner Darstellung hat die ARD-Vorsitzende Monika Piel das Projekt zur „Chefsache“ gemacht. Doch die möchte sich nicht öffentlich zu den ambitionierten Plänen äußern.

Auch das ZDF hat seinem freien Mitarbeiter Ideen unterbreitet. So soll der Blondschopf eine wöchentliche Sendung bekommen, die nicht näher beschrieben wird (vielleicht ein Late Night Talk?) und einige Hauptabendshows moderieren. Das macht er ja schon, wie zum Beispiel das alljährliche Event „Ein Herz für Kinder“ - die Verleihung der Goldenen Kamera oblag zuletzt jedoch seinem Kollegen Hape Kerkeling, einem der Favoriten auf die „Wetten, dass..?“-Nachfolge. Wen sich Gottschalk selbst als Nachfolger vorstellen könne? „Ich habe meine Frau auch nie gefragt: 'Wen hättest du am liebsten geheiratet?'“, sagt er.

Programmdirektor Thomas Bellut, der im März 2012 die Nachfolge von Intendat Markus Schächter antritt, sagte auch in der „Bunten“, er würde einen Wechsel Gottschalks sehr bedauern, könne Angebote aber nur „im Rahmen des Gesamtkonzepts“ machen.

„Es gibt ein großzügiges Angebot vom ZDF, und es gibt ein Angebot von der ARD, das eine große Herausforderung darstellt, aber das Risiko ist größer“, sagte Gottschalk vor der „Wetten, dass..?“-Sommerausgabe auf Mallorca. 9000 Zuschauer werden in der Stierkampfarena erwartet. In welche Richtung er tendiert, lässt er offen - Spielraum zum Pokern.

Ohne "Wetten, dass...?" knickten Gottschalks Quoten ab
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1 Kommentar zu "Abschied von "Wetten, dass...?": Gottschalks Wagnis nach dem Klassiker"

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  • Schade das Thomas Gottschalk, wie so viele andere, den richtigen Zeitpunkt zum Aufhören wohl wieder verpaßt.
    Bleib doch in den USA Thommy, Kies hast Du über die Jahre doch genug verdient, oder gehts dir doch nur um dein Ego und deine Eitelkeit, welche du öffentlich weiter ausleben und befriedigen musst?
    Wenn ich Dich wohl fragen würde, warum Du jetzt nach dem „WD-Unfall“ nicht einfach aufhörst, würdest Du mir wohl antworten: „Ich kann nicht aufhören.“

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