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Afrikanische Kunst Hoffnungszeichen in schwierigen Zeiten

Die Messe für zeitgenössische afrikanische Kunst „1–54“ findet erstmals in Paris statt. Eingeladen hat das Auktionshaus Christie’s. Besucher müssen sich anmelden.
21.01.2021 - 15:32 Uhr Kommentieren
Die rätselhaften Frauenporträts der Fotografin aus dem Maghreb verkaufen sich gut (Ausschnitt). Quelle: Galerie 127; VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Fatima Mazmouz „Le Corps Magique, Esoter Poulet“

Die rätselhaften Frauenporträts der Fotografin aus dem Maghreb verkaufen sich gut (Ausschnitt).

(Foto: Galerie 127; VG Bild-Kunst, Bonn 2021)

Paris Die Bewegung „Black Lives Matter“ zwang die westliche Bevölkerung zum Nachdenken über Rassismus und zum Umdenken hinsichtlich der ehemaligen Kolonien. Die in Afrika und der Diaspora lebenden Künstler profitieren nun davon, wie die bis 23. Januar in den Räumen des Auktionshauses Christie’s Paris stattfindende Kunstmesse „1–54 Paris“ beweist. Der Name der Messe reflektiert die 54 Staaten des Kontinents.

Es war vorauszusehen, dass die Ausgabe der „1–54“ in Marrakesch pandemiebedingt in diesem Jahr unmöglich ist. Daher bot Christie’s Vorstandsvorsitzender, Guillaume Cerutti, der Gründerin und Leiterin der Messe, Touria El Glaoui gratis nicht nur die Ausstellungssäle von Christie’s Paris an. Auch die digitale Infrastruktur von Christie’s durfte für eine online laufende Parallelmesse genutzt werden, erzählt die charismatische Franko-Marokkanerin El Glaoui dem Handelsblatt. Nach dem Flop der Online-Auktion der „Biennale Paris“ 2020 setzt Christie’s einen Fuß ins Messegeschäft.

Um die Messeinfrastruktur zu finanzieren, mieten die 18 Aussteller Stände zwischen 18 und 23 Quadratmetern für 10.000 bis 15.000 Pfund an. Besucher dürfen nach Reservierung per Internet kommen, Qualität und Preise vergleichen und kaufen.

Gleich zur Eröffnung am Mittwochvormittag verzeichnete man kommerzielle Erfolge. Touria El Glaoui hatte mit der Kundenkartei von Christie’s gerechnet, das Auktionshaus mit den Adressen der internationalen Sammlergemeinde von 1–54. Die Verkäufe sichern das Überleben einiger Aussteller, deren Existenz durch die Pandemie bedroht ist.

Die in London 2013 gegründete Kunstmesse 1–54, die seit 2015 in New York und seit 2018 in Marrakesch stattfindet, fördert den Markt für zeitgenössische Kunst aus Afrika. Dieses Sammelgebiet wuchs in den letzten Jahrzehnten in der westlichen Welt und etabliert sich neuerdings in mehreren afrikanischen Städten.

„Le Grelot à quatre Mains“ fand sofort einen Käufer (Ausschnitt). Quelle: VG Bild-Kunst 2021/Galerie 127
Sara Imloul & Nicolas Lefebvre

„Le Grelot à quatre Mains“ fand sofort einen Käufer (Ausschnitt).

(Foto: VG Bild-Kunst 2021/Galerie 127)

Es begann 1989 mit der Ausstellung „Magier der Erde“ in Paris, gefolgt von Schauen in der Pariser Fondation Cartier oder dem Kunstpalast Düsseldorf, die der inzwischen zum Galeristen umgesattelte André Magnin beziehungsweise der Museumsdirektor und Kurator Jean-Hubert Martin ausrichteten. „Die afrikanische Kunst gefiel nicht unbedingt auf den ersten Blick, weil sie unseren visuellen Gewohnheiten nicht entsprach“, erläutert André Magnin dem Handelsblatt.

In Paris offeriert die Galerie Magnin-A das ironische grüne Gemälde von Chéri Samba „Danke, ich bin in der grünen Zone“ für 80.000 Euro. Die Preisentwicklung des beninischen Bildhauers Romuald Hazoumé, dessen Masken aus Erdölkanistern vor vier Jahren 15.000 Euro kosteten, liegen heute bei bis zu 35.000 Euro. André Magnin erklärt dazu: „Erstens nahm Hazoumé an vielen Ausstellungen in der ganzen Welt teil. Zweitens ist er ein extrem engagierter Mann, sowohl mit seiner konzessionslosen Arbeit wie als Mensch.“

Afrikanische Glaspuppen

Die Pariser Galerie Lelong stellt ebenfalls einen anerkannten Afrikaner, Barthélémy Toguo, mit einer monografischen Schau heraus. Darunter die Serie „Partage“. Die mit blau-violetter Tinte auf Leinwand gemalten Riesengestalten – halb Mensch, halb Tier – kosten jeweils 60.000 Euro.

Pünktlich zur Messe eröffnet die ursprünglich italienische Galerie Continua eine riesige Niederlassung in Paris. Auf der 1–54 Paris präsentiert sie, neben den stimmigen Fotos der jung verstorbenen Marokkanerin Leila Alaoui, zwei Serien von Pascale Marthine Tayou, „Poupées Pascale“ für je rund 45.000 Euro. Ästhetisch zweifelhafte afrikanische Glaspuppen mit bunter Dekoration sind vor Spiegeln postiert, über denen Glastafeln mit kurzen Sätzen in bunter Neonschrift hängen.

Ein Shootingstar beherrscht selbst die abgelegenen Räume von Christie’s: der in Benin und Frankreich lebende Roméo Mivekannin. Er vermittelt seine Kritik am Kolonialismus in der Manier historischer Fotografien. Gruppenbilder oder Einzelporträts von Afrikanern malt er auf fein gewebte Stoffbahnen.

Visuell leicht einprägsam, meist in Riesenformaten, sind die Werke noch erschwinglich. Der Pariser Galerist Eric Dupont setzt die kleinen Bilder mit 5000 Euro an, die großen verkauft er für Preise bis 12.000 Euro. Die Galeristin Cécile Fakhoury vertritt den boomenden Mivekannin in Afrika und zeigt ihn ebenfalls auf der 1–54 Paris.

Zwei Galerien teilen sich einen Künstler

Auch die Pariser Galerie Dominique Fiat und 50 Golborne aus London teilen sich den beninischen Künstler Emo De Medeiros, allerdings mit völlig unterschiedlichen Arbeiten. Bei Fiat gibt sich der Künstler technisch versiert, mit LED-Schriften in Totem-Skulpturen oder einem Video in einem Motorradhelm, bei 50 Golborne zeigt er dagegen poetische Wandskulpturen aus goldenen Deckeln von Konservendosen – in der afrikanischen Tradition von Kunst aus Abfall.

Zur Begrüßung der Besucher hängen im Treppenhaus des Auktionshauses acht schreiend bunte Gemälde des 26-jährigen Epheas Maposa. Von ihnen konnte die Pariser Galerie 31 Project schon vor der Eröffnung sechs Stück zwischen 3000 bis 11.000 Euro online nach Afrika verkaufen. „Als Einstieg braucht man Großformate und kräftige Farbgebung“, meint Galerist Charles-Wesley Hourdé von 31 Project.

Spagat zwischen Marrakesch und Paris

Viel mutiger wagt die Französin Nathalie Locatelli mit ihrer marokkanischen Galerie 127 wegen des Lockdowns den Spagat zwischen Marrakesch und dem Pariser Vorort Montreuil. Ihr Galerieprogramm dominieren seit 2006 Fotografinnen, was auf der 1–54 Paris zum doppelten Statement wird. Erstens ist die afrikanische Kunst eine absolute Männerdomäne. Künstlerinnen sind rar. Zweitens stammt das Hauptkontingent der auf der 1–54 Paris angebotenen Künstler aus Schwarzafrika.

Dennoch verkaufen sich die maghrebinischen Fotografinnen der Galerie 127 gut: Zwei Abzüge einer Dreierauflage des rätselhaften Frauenporträts von Fatima Mazmouz gab Locatelli für Preise bis 4600 Euro ab. Das Großformat von Sara Imloul und Nicolas Lefebvre, „Le grelot à quatre mains“ ging für nur 3900 Euro weg.

Mehr: Jahresumsatz: Covid-19 verhagelt den französischen Auktionshäusern die Bilanz

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