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Ai Weiwei Konfuzius in Plastikschlappen

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Das Tote wieder lebendig machen
Ai Weiwei findet Bilder für die Wandlungsprozesse seines Landes. Altes verschwindet im Handumdrehen und wird ersetzt durch das Neue. Die Pose angesichts seiner Installation
Symbolische Handlungen

Ai Weiwei findet Bilder für die Wandlungsprozesse seines Landes. Altes verschwindet im Handumdrehen und wird ersetzt durch das Neue. Die Pose angesichts seiner Installation "Coloured Vases" ist vieldeutig lesbar. Quelle: Neil Hall, Reuters

(Foto: Reuters)

Gelegentlich stößt man auf die kindischen Werke, die Ai Weiweis Ruf begründen, nur ein Folklorist im Künstlergewand zu sein. In Jade geschnittene Sex-Utensilien, die Stinkefinger-Tapete. Aber in seiner monumentalen Ritualität ist das meiste dieser Ausstellung von schlichter und klarer Emotionalität. Das beste Werk steht im Vorhof: ein wuchtiger Wald von Bäumen, die aus totem Holz zusammengedübelt wurden, jeder der Idee des Baumes näher als der andere.

Eine solche Kunst, die wie ein Ritual das Tote lebendig, das Zerstörte heil, das Vergessene erinnert machen will, kann nicht nur in Dissens verharren. China und Weiwei brauchen einander. Vielleicht hat die Annäherung zwischen Ai Weiwei und dem Regime ihre Richtigkeit. Wir, die wir dieses Regime mit wirtschaftlichem Handel und Wandel profitabel selbst unterstützen, sollten die letzten sein, die sich darüber entrüsten.

Stagnierende Preise

Als Marktphänomen hat Ai Weiwei nicht die Durchschlagskraft, die er als „Bürgerkünstler“ und Kommunikator hat; wobei es Ai Weiwei an kommerziellem Ehrgeiz keineswegs fehlt. Bei der Schmuck-Galerie Elisabetta Cipriani kann man, etwas geschmacklos, kleine Goldversionen der Sezuan-Armierstäbe, nun wieder gebogen, als Armreifen kaufen.

Aber oft sind seine Werke unhandlich, es fehlen verkaufsgeeignete Wandbilder, die den Umsatz treiben könnten. Auktionsrekorde gab es in diesem Jahr bereits zwei. Erst für eine goldene, dann für eine noch größere und teurere Bronzeversion der zwölf Zodiakfiguren, die an den von westlichen Truppen geplünderten Brunnen des alten Sommerpalastes erinnern sollen; wieder ein Heilungsversuch. Die Serien dieser Auflagenwerke brachten bei Phillips erst 2,8 Millionen und dann 3,4 Millionen Pfund für die größere Bronzereihe.

Aber das waren Ausnahmen. Sieht man genau hin, stagnieren die Preise auf dem Sekundärmarkt. Eine Holzskulptur aus altem Tempelholz, die eine aufgerollte Chinakarte darstellt, brachte im letzten Jahr in Hongkong bescheidene 1,2 Millionen US-Dollar. 100 Kilogramm der Porzellan-Sonnenblumenkerne, mit denen er 2010 den Turbinensaal der Londoner Tate Modern füllte, erzielten 2011 in London den Rekordpreis von 349.250 Pfund. Im Februar 2015 wurde die gleiche Menge für nur noch 220.000 Pfund versteigert.

"Ai Weiwei", Royal Academy of Arts, London, bis 13. Dezember 2015

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