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Alte Kunst bei Lempertz Immer mehr Sammler bieten online mit

Der Kölner Versteigerer setzt prächtige Humpen und Pokale überraschend gut ab. Internationale Bieter machen auch die Altmeisterauktion zum Erfolg.
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Um die großformatige Landschaft mit Wasser- und Watvögeln wurde an zwei Telefonen gerungen bis der Hammer zugunsten eines britischen Sammlers bei 322.400 Euro fiel. Quelle: Lempertz Katalog
Roelant-Savery

Um die großformatige Landschaft mit Wasser- und Watvögeln wurde an zwei Telefonen gerungen bis der Hammer zugunsten eines britischen Sammlers bei 322.400 Euro fiel.

(Foto: Lempertz Katalog)

KölnDie Herbstauktionen Alter Kunst bei Lempertz fanden breiten internationalen Zuspruch. Ihr Schwerpunkt lag bei den Gemälden und einer Sammlung von Elfenbein-Schnitzereien des 17. bis 19. Jahrhunderts aus einer niedersächsischen Privatsammlung, die in den 1970er-Jahren meist durch Auktionskäufe entstanden war.

Hervorzuheben ist, dass sich während der gesamten Auktionstage immer mehr Internetkunden am Bietgefecht beteiligten, und das nicht nur bei der Durchschnittsware, sondern auch bei Hochpreis-Objekten. Die Fülle konkurrierender Telefongebote sorgte schon prinzipiell dafür, dass die Mehrzahl der Lose flüssig abgesetzt wurde. An drei Tagen wurden brutto 8,6 Millionen Euro umgesetzt.

Kauflust trotz Handelshemmnis

Henrik Hanstein, der Patron des Hauses, betont: „Noch nie war das Kunstgewerbe so stark wie in diesem Herbst“, was sich auch auf die Porzellansammlung bezieht, die im November bei Lempertz in Berlin versteigert wurde. Die Elfenbein-Sammlung, zu der auch einige exzeptionelle Silberobjekte gehörten, hatte in Köln eine überraschend starke Resonanz, was nicht vorauszusehen war. Denn die angelsächsischen Länder haben mit ihrer Restriktion des Elfenbeinhandels auch die Lust auf historische Objekte erheblich gedämpft.

So war es schon fast ein Wunder, dass von den 85 Losen der Sammlung nur 15 unverkauft blieben. Darüber hinaus ist erstaunlich, wie stark die Gebote für die zum Teil überdimensionierten Humpen und Pokale des 19. Jahrhunderts waren, die mehrteilig mit antikisierenden Friesen und Reliefschnitzerei auftrumpften. Hier war ein Schweizer Sammler im Saal besonders aktiv. Im wurden nicht weniger als neun Objekte der Preiskategorie 6.200 bis 16.120 Euro zugeschlagen.

Den höchsten Preis der Sammlung erzielte eine wohl um 1700 entstandene, 30 cm hohe Statue, die Herkules im Kampf mit der Hydra zeigt. Dieses Starlos erzielte durch belgisches Privatgebot 173.000 Euro. In Sotheby's Mentmore-Auktion hatte es 1977 umgerechnet 80.000 DM eingespielt.

Eines der beiden belgischen Kirchenfenster aus der Zeit der Renaissance mit dem Heiligen Sulpicius. Allein dieses Paar erzielte 210.800 Euro. Die Schätzung belief sich auf 160.000 bis 200.000 Euro. Quelle: Lempertz Katalog
Ein Top-Los der Kunstgewerbe-Auktion

Eines der beiden belgischen Kirchenfenster aus der Zeit der Renaissance mit dem Heiligen Sulpicius. Allein dieses Paar erzielte 210.800 Euro. Die Schätzung belief sich auf 160.000 bis 200.000 Euro.

(Foto: Lempertz Katalog)

Die mit antiken Figuren und Fruchtgebinden getriebene Silbertazza eines Londoner Meisters um 1683 wurde telefonisch auf 90.520 Euro hochgeboten. Sie war 1978 bei Christie's in Genf für umgerechnet 18.500 DM versteigert worden. Eine englische Prunkschatulle des 18. Jahrhunderts aus Achatscheiben in Goldbronzemontur erreichte mit knapp 36.000 Euro mehr als das Dreifache der Schätzung.

In der anschließenden Kunstgewerbe-Auktion ausgewählter Objekte wurde die Hälfte der Lose abgesetzt. Hier wurden drei Glasfenster des frühen 16. Jahrhunderts aus dem Kollegium St. Sulpice et Denis der belgischen Stadt Diest für exemplarische 322.400 Euro von einem belgischen Bieter ersteigert. Einer der eminent seltenen großen Tafelleuchter aus dem Meißener Schwanenservice wurde für 74.400 Euro abgegeben.

Die Altmeister-Auktion mit 118 Losen war dank internationaler Beteiligung ein Selbstläufer. Das reiche Angebot an flämischer Malerei wurde mit wenigen Abstrichen (Stillleben) in Schätzpreishöhe abgesetzt. Selbst die durch Ertz-Gutachten veredelten mittelmäßigen Landschaften der Jan Brueghel-Schule fanden diesmal ihre Abnehmer. Angemessene 409.200 Euro erzielte durch britisches Internetgebot eine der seltenen musealen Landschaften des Antwerpener Meisters der weiblichen Halbfiguren, die mit 80.000 Euro ausgerufen wurde. Vier Tafeln mit den Jahreszeiten des Antwerpeners Abel Grimmer stiegen von 90.000 auf 285.200 Euro durch ein Gebot aus dem belgischen Handel.

Die mit antiken Figuren und Fruchtgebinden getriebene Silbertazza gestaltete ein Londoner Meister um 1683. Sie wurde telefonisch auf 90.520 Euro hochgeboten. Quelle: Lempertz Katalog
Silbertazza

Die mit antiken Figuren und Fruchtgebinden getriebene Silbertazza gestaltete ein Londoner Meister um 1683. Sie wurde telefonisch auf 90.520 Euro hochgeboten.

(Foto: Lempertz Katalog)

Ein Großformat des Tiermalers Roelant Savery aus süddeutscher Privatsammlung (Landschaft mit Wasser- und Watvögeln) war an zwei Telefonen von belgischen und französischen Kunden so begehrt, dass der Hammer zugunsten eines britischen Sammlers erst bei 322.400 Euro fiel.

Schon gleich zu Beginn der stringenten Sitzung war das spätgotische Tafelbild des Meisters der Heiligen Sippe mit den Heiligen Simon Zilotes und Jakobus dem Jüngeren aus einer Schweizer Privatsammlung für moderate 173.600 Euro konkurrenzlos an ein deutsches Museum gefallen. Die Lucas Cranach nachempfundene „Salome“ eines böhmischen Monogrammisten I.W. erreichte mit 186.000 Euro die untere Schätzung (Schweizer Handel).

Die holländische Landschaftsmalerei verkaufte sich flüssiger als sonst. Eine Baumlandschaft mit Anglern und Schäfern von Jacob van Ruisdael war mit 111.600 Euro geradezu ein „Schnäppchen“. Und auch der „Pferdemarkt“ von Philips Wouwerman, der mit seiner imposanten Provenienzliste schon bessere Markttage gesehen hat, wurde mit 155.000 Euro weit unter seinem einstigen Wert an einen Pariser Sammler abgegeben. Es ist immerhin beruhigend, dass solche nicht alltäglichen Bilder wieder Käufer finden.

Eine der vier Tafeln mit Jahreszeiten-Darstellungen des Antwerpeners Malers. Das Frühlingsbild stieg von 90.000 auf 285.200 Euro durch ein Gebot aus dem belgischen Handel. Quelle: Lempertz Katalog
Abel-Grimmer

Eine der vier Tafeln mit Jahreszeiten-Darstellungen des Antwerpeners Malers. Das Frühlingsbild stieg von 90.000 auf 285.200 Euro durch ein Gebot aus dem belgischen Handel.

(Foto: Lempertz Katalog)

Eines der interessantesten Bilder der Auktion, ein Blumenstück des Madrider Stillebenmalers Juan de Arellano, ging zurück und eine „Salome“ im der barocken Hell-Dunkel des Florentiners Onorio Marinari, blieb mit 148.800 Euro im Rahmen der Schätzung (deutscher Privatsammler).

Herausragendes Werk der mit Zeichnungen gestreckten 88-teiligen Auktion mit Kunst des 19. Jahrhunderts war eine römische Architekturlandschaft mit Ansicht der Cloaca Maxima von Leo von Clenze. Sie kam wie so viele markante Einlieferungen des Kölner Traditionshauses aus belgischem Privatbesitz. Der Hammer fiel gegen zwei Telefonbieter für den schriftlichen Auftrag eines rheinischen Sammlers bei 372.000 Euro. Hier waren mehrere Architekten Unterbieter.

In der Preiskategorie zwischen 30.000 und 40.000 Euro wurden Gemälde des J.H. Tischbein-Schülers Ludwig Philipp Strack, des Düsseldorfer Historienmalers Franz Ittenbach und des Münchners Michael Neher zugeschlagen. Saal- und Telefongebote hielten sich hier die Waage.

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