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Alte Kunst und 19. Jahrhundert Naturstudien heben ab

Im Münchener Auktionshaus Ketterer hat eine kleine Capri-Ansicht für Aufsehen gesorgt. Sie stand mit nur 800 Euro im Katalog, wechselte am Ende aber für 58.000 Euro den Besitzer. Unsicher ist, ob sie wirklich von Carl Blechen gemalt wurde.
25.11.2014 - 16:13 Uhr Kommentieren
Von alter Beschriftung als Carl Blechen ausgewiesen, von Ketterer als deutsch bezeichnet: der mit Ölfarbe auf Papier skizzierte Blick von Capri auf die Bucht von Neapel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

Von alter Beschriftung als Carl Blechen ausgewiesen, von Ketterer als deutsch bezeichnet: der mit Ölfarbe auf Papier skizzierte Blick von Capri auf die Bucht von Neapel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

München Carl Blechen steht auf der Rückseite einer kleinen Capri-Ansicht mit Blick auf den entfernten Vesuv. Und das hat offenbar vielen gereicht, sich für die reizvoll ausgeleuchtete Ruine auf dem Hochplateau der Insel kühn zu engagieren. Zahlreiche Telefonbieter trieben in Ketterers Auktion „Alte Meister und Kunst des 19. Jahrhunderts“ den Erlös von geschätzten 800 auf sagenhafte 58.500 Euro (alle Zuschläge inkl. Aufgeld). So stark war die Gewissheit auf Seiten der Bieter, so hoch werden vermeintliche Arbeiten Blechens momentan geschätzt. Überschwänglich war die Einsatzbereitschaft eines deutschen Sammlers und seines Konkurrenten. Dabei konnte sich das Auktionshaus selber nicht dazu durchringen, Blechen das Bild sicher zuzuschreiben. Nach Auskunft von Robert Ketterer waren selbst die Gutachten von Experten abwägend.

Der Fall Blechen macht klar, dass in Zeiten der verschleierten Geldentwertung Begehrlichkeit auf dem Kunstmarkt keine rationalen Grenzen kennt. Auch die kleinen Wolken-, Natur- und Landschaftsstudien des 19. Jahrhunderts hatten es den Sammlern angetan. 8.750 Euro setzte ein Sammler für eine nächtliche, wolkenverhangene Skizze einer fernen Rom-Silhouette ein, deren Taxe nicht einmal ein Zehntel des Erlöses betrug.

Die Wolkenstudie von Gustav Friedrich Papperitz wurde für 15.000 Euro dem englischen Handel zugeschlagen.

Die Wolkenstudie von Gustav Friedrich Papperitz wurde für 15.000 Euro dem englischen Handel zugeschlagen.

Freiraum für Illusionen

9.400 Euro musste der Käufer von Gustav Friedrich Papperitz´ „Landschaftsstudie in der Abenddämmerung“ aus den 1850er-Jahren bieten. Die Taxe lag bei 1.500 bis 2.500 Euro. Papperitz´ „Wolkenstudie“ aus derselben Zeit kostete letztlich sogar 15.000 Euro. Ein englischer Händler setzte sich gegen viel deutsche Konkurrenz durch. Er hatte sich ein paar Lose zuvor schon eine Pflanzenstudie des Dresdner Malers für fast 14.000 Euro gesichert. Die Resultate übersteigen fast alle Preise, die die spätromantischen Landschaften Papperitz´ bislang auf Auktionen erzielten. Aber nicht der Maler zieht an, sondern ein Genre. Ketterers Erlöse untermauern die neue Lust auf skizzenhafte Natur- und Landschaftsstudien, die zwischen Realität und Illusion gedankliche Freiräume öffnet.

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