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Ankauf für Düsseldorf Fotokollektion für acht Millionen Euro – War die Sammlung zu teuer?

Das städtische Museum „Kunstpalast“ in Düsseldorf erwarb eine Fotokollektion für acht Millionen Euro. Zu viel für den Restbestand einer Galerie, urteilen Kritiker. Gutachter und Museum widersprechen.
07.05.2020 - 16:55 Uhr Kommentieren
Der US-Fotograf gehört zu jenen zeitgenössischen amerikanischen Künstlern, die hierzulande erst noch entdeckt werden müssen (Ausschnitt). Quelle: Kunstpalast Düsseldorf
Jim Dow „Zummo’s Super Market, Airline, Highway, Metairie, Louisiana“

Der US-Fotograf gehört zu jenen zeitgenössischen amerikanischen Künstlern, die hierzulande erst noch entdeckt werden müssen (Ausschnitt).

(Foto: Kunstpalast Düsseldorf)

Düsseldorf Sechs Wochen waren die Museen in Deutschland infolge der Pandemie für den Publikumsverkehr geschlossen. Nun haben sie wieder aufgemacht und die Mitarbeiter wunderten sich. Besucherschlangen standen mancherorts gleich am ersten Tag vor den Türen, auch vor dem städtischen Museum „Kunstpalast“ in Düsseldorf.

Dort sorgen gleichzeitig drei Ausstellungen für Andrang: die berückende Bilderschau des Modefotografen Peter Lindbergh (bis 1. Juni), die Ausstellung über den historischen Malerstar Angelika Kauffmann (bis 24. Mai) und eine erste Übersicht über den jetzt anderthalb Jahre zurückliegenden spektakulären Ankauf eines über 3000 Bilder umfassenden Bestands aus der Fotogalerie „Kicken Berlin“. Sie wurde jetzt bis zum 13. September verlängert.

Die Landeshauptstadt, die sich gern als „Fotostadt“ tituliert, mag den Zeitpunkt verpasst haben, eine Fotosammlung aufzubauen, als das Medium noch günstig zu erwerben war. Doch mit diesem Ankauf hat sie das Ruder herumgerissen.

Über acht Millionen Euro nahm die Stadt 2018 in die Hand, die höchste Summe, die sie je in eine Kunstsammlung investierte. Damit machte sie aus einer rudimentären Foto-Ansammlung auf einen Schlag eine mehrere Tausend Abzüge umfassende Bildersammlung, die – mit Mut zur Lücke – rund 150 Jahre Fotogeschichte abdeckt.

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    Über die gewaltige Ankaufssumme hatte die Kunstwelt nicht schlecht gestaunt. Denn niemandem war entgangen, welche Klimmzüge gleich drei Museen im Jahr 2016 anstellen mussten, um den „nur“ mit 3,4 Millionen Euro bewerteten Nachlass des legendären Bauhaus-Fotografen Umbo gemeinsam zu sichern. Und nun machte Düsseldorf auf einen Streich gleich mehr als das Doppelte locker.

    Der in Kalifornien lebende Sammler und Fotohistoriker Manfred Heiting gehört zu den Kritikern des zu teuer erscheinenden Ankaufs. Für ihn macht das Sammeln von späteren Fotoabzügen, selbst bei bekannten Bildern, allenfalls für ein Bildarchiv oder eine Studiensammlung Sinn, nicht aber für ein Museum. Er bezweifelt die hohe Bewertung. Bei dieser Menge wäre doch ein Preis- oder sogenannter Konvolutabschlag von 50 Prozent des taxierten Gesamtwerts üblich.

    Tatsächlich handelt es sich bei der Sammlung Kicken nicht um eine gezielt aufgebaute Sammlung, sondern um den über 40 Jahre von permanenten Zu- und Abflüssen geprägten Warenstock einer Galerie. Der beinhaltete neben Originalabzügen aus dem zeitlichen Umfeld der Aufnahme auch auffällig viele spätere Abzüge, Mappenwerke sowie 413 anonyme Bilder und Schnappschüsse von nicht durchweg origineller Art.

    Das eindringliche Porträt stammt aus der 1967 bis 1969 aufgenommenen Serie „Gesichter“ und ist Teil eines von der Galerie Kicken herausgegebenen Portfolios mit zehn Fotografien. Quelle: VG Bild-Kunst 2020/Kunstpalast Düsseldorf
    Heinrich Riebesehl „Uwe, 13.6.1967“

    Das eindringliche Porträt stammt aus der 1967 bis 1969 aufgenommenen Serie „Gesichter“ und ist Teil eines von der Galerie Kicken herausgegebenen Portfolios mit zehn Fotografien.

    (Foto: VG Bild-Kunst 2020/Kunstpalast Düsseldorf)

    Der Kurator Thomas Weski, einer der beiden Gutachter, die das Konvolut bewerteten, wehrt auf Nachfrage ab: „Einen heterogen zusammengesetzten Warenstock kann ich nicht entdecken, sondern einen Bestand mit Schwerpunkten in den bedeutenden Entwicklungsphasen des Mediums wie im 19. Jahrhundert, im Neuen Sehen, in der Bauhausfotografie, in der Subjektiven Fotografie und in der zeitgenössischen deutschen und amerikanischen Fotografie.“

    Die früher als Fotoexpertin im Auktionshandel tätige Zweitgutachterin Simone Klein, die zunächst dementierte, an der Bewertung des Konvoluts beteiligt gewesen zu sein, betont auf Nachfrage die „über 40 Jahre mit höchstem Qualitätsanspruch, Kennerschaft und Fachwissen konzipierte Sammlung“. Die späteren Abzüge in der Sammlung seien „entsprechend ihrem aktuellen Marktwert in das Gutachten eingeflossen und spiegelten die Rezeptions- und Marktgeschichte wichtiger fotografischer Positionen des 20. Jahrhunderts“.

    Bewertung der anonymen Fotografie

    Außerdem verteidigt Klein den hohen Anteil an anonymer Fotografie. Dieser „vernacular photography“ genannte Bereich sei ein weit gefächertes Feld, das seit einigen Jahren verstärkt in musealen Ausstellungen, prominenten Sammlungen und auf dem Markt präsent und entsprechend zu bewerten sei.

    Eingefädelt hatte den Deal mit Kicken der damals neue Generaldirektor des Kunstpalasts, Felix Krämer. Erneut schien ihm ein Coup gelungen. Bereits 2013 hatte er als Kurator am Frankfurter Städel den Ankauf der privaten Sammlung von Annette und Rudolf Kicken für das Museum lanciert – und darüber nicht vergessen, dass es noch einen Galeriebestand gab.

    Aufgenommen wurde das bekannte Motiv 1933, abgezogen 1990 von Pierre Gassmann. Quelle: VG Bildkunst 2020/Kunstpalast Düsseldorf
    Man Ray „Les Larmes“

    Aufgenommen wurde das bekannte Motiv 1933, abgezogen 1990 von Pierre Gassmann.

    (Foto: VG Bildkunst 2020/Kunstpalast Düsseldorf)

    Von Anfang an musste Krämer allerdings auf die hinter vorgehaltener Hand laut gewordenen Zweifel über den Schätzwert der Erwerbung reagieren. Wenn man sich die Gesamtsumme des Ankaufs anschaue und die acht Millionen Euro auf 3039 Bilder herunterrechne, kämen für das einzelne Foto rund 2600 Euro heraus, rechnete er in der Zeitschrift „Photonews“ vor. „Bei so einer Summe pro Aufnahme kann unmöglich ein Vintage Print von Moholy-Nagy von 1929 dabei sein, wenn man bedenkt, dass diese Abzüge allein für einen Millionenbetrag gehandelt werden“, argumentierte er.

    „Das finanzielle Engagement der Stadt Düsseldorf lag bei 8.359.619 Euro (inklusive Mehrwertsteuer)“, präzisiert Krämer auf Nachfrage. Einen durchschnittlichen Wert pro Werk zu ermitteln könne irreführend sein, da die einzelnen Abzüge sehr unterschiedlich zu bewerten seien. Sollte man aber einen Mittelwert angeben wollen, läge dieser bei den insgesamt 3039 Werken bei 2 750,78 pro Werk (mit Mehrwertsteuer).

    Eine enzyklopädische Sammlung

    Im Übrigen sieht der Museumsleiter den Ankauf im Einklang mit denen großer internationaler Museen, die gerade in den letzten Jahren Konvolute von posthumen Abzügen von Fotografen des 20. Jahrhunderts erworben haben. „Für unsere Ausgangssituation machte genau dieser Ankauf Sinn, da wir nun über eine enzyklopädische Fotosammlung verfügen, die wir systematisch durch weitere Erwerbungen ausbauen können“, ergänzt Krämer.

    Streng genommen erwarb Düsseldorf für die 8,3 Millionen Euro nur 1823 Fotografien des kompletten, mit zwölf Millionen Euro bewerteten Konvoluts. 1216 Fotos kamen als Schenkung ins Haus, auch die Mittel für eine Kuratorenstelle über fünf Jahre.

    Die Schönheit einer geröntgten Lilie

    Nur rund 200 Bilder wurden für die aktuelle Ausstellung ausgewählt. Wer wissen will, wie sich der Ankauf insgesamt zusammensetzt, muss sich mit einem Blick auf die schwer zu handhabende Datenbank www.dkult.de begnügen, die unzureichend bebildert ist.
    Die sehr ästhetisch gehängte Ausstellung zeigt allerdings, welche Chancen eine Fotosammlung eröffnet, die alles abbildet, was Fotografie sein kann. Sie spinnt ein Netz von Bezügen und öffnet die Augen für die Schönheit auch einer geröntgten Lilie. Manche Zusammenstellung erscheint zwar gewollt, aber im Großen und Ganzen staunt man, wie schön so ein Sammelsurium gehängt werden kann.

    Und vielleicht provoziert die Sammlung am Ende tatsächlich die im Ausstellungstitel beschworenen neuen „Sichtweisen“. Zu erahnen ist jedenfalls, was es mit dem großen historischen Kontext auf sich hat, in dem Düsseldorf zukünftig das betrachten soll, auf das es stolz ist: die unterschiedlichen, hier entwickelten Facetten zeitgenössischer Fotokunst und speziell die „Düsseldorfer Fotoschule“.

    Mehr: Galerie Kicken: Düsseldorf investiert Millionen in Fotokunst

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