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Antiquariatsmessen Auf den Spuren von Verschwörungstheorien vergangener Zeiten

Die „Antiquaria“ in Ludwigsburg und die „Stuttgarter Antiquariatsmesse“ bieten einen Einblick in die obskure Sammlerstücke der Kunstgeschichte.
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Mit 62 Original-Lithografien ein Hauptwerk der Pop-Art. Quelle:  Kunstpresse.de
„1 cent life“

Mit 62 Original-Lithografien ein Hauptwerk der Pop-Art.

(Foto:  Kunstpresse.de)

BerlinWenn die Welt zu komplex erscheint, werden Menschen anfällig für Verschwörungstheorien und Obskurantismus. Das ist heute nicht anders als gestern. Die „Antiquaria“ in Ludwigsburg (bis 26.1.) aus dem bewährten Messeduo mit der „Stuttgarter Antiquariatsmesse“ (bis 27.1.) hat sich für ihre aktuelle Ausgabe das Motto „obscura. Gefahr und Faszination“ gegeben. Die 55 Aussteller kennzeichnen im Katalog passende Objekte mit einem kleinen Symbol.

Schon die Auswahl wirkt bisweilen obskur. Wilhelm Zimmermanns „Naturheilkunde“ beim Bocholter Antiquariat carpe diem aus dem Jahr 1846 (280 Euro) erinnert zwar nicht in der Wortwahl, so doch im Anliegen an aktuelle messianische Bewegungen im Zusammenhang mit Ernährung: „Der Weg zum Paradies. Eine Beleuchtung der Hauptursachen des physisch-moralischen Verfalls der Culturvölker, so wie Vorschläge, diesen Verfall zu sühnen.“

Einen Einblick in die kollektive Psyche der ländlichen Teile der heutigen USA vermag vielleicht der nicht etwa im Mittelalter, sondern 1847 erschienene „lange verborgene Schatz und Haus=Freund, oder getreuer und christlicher Unterricht fuer Jedermann“ von J. G. Hohmann zu vermitteln, den das Münchener Antiquariat Lorych für 250 Euro anbietet.

Das sogenannte Pow-Pow-Buch war bei den überwiegend deutschen Einwanderern Pennsylvanias weitverbreitet und bot Zaubersprüche gegen Krankheit, Schusswaffen, Diebe und anderes Ungemach. Auf den ersten Blick etwas ferner wirkt der Zusammenhang mit dem Motto bei zwei Wahlplakaten aus den 1950er-Jahren, die vor der roten Gefahr aus dem Osten warnen und als Gegenmittel die CDU empfehlen (bei Petra Bewer, Stuttgart, 280 und 200 Euro).

Dass Wissenschaft ein Weg der Erkenntnis ist und nicht eine Meinung, die man teilen kann oder auch nicht, scheint heute wieder infrage zu stehen. In der Frühen Neuzeit suchten Herrscher noch den Rat von Wissenschaftlern. So war Simon Stevin ein Vertrauter des Prinzen Moritz von Nassau. Stevins „L’Arithmetique“ gilt als bahnbrechendes Grundlagenwerk. Die Erstausgabe kostet 28000 Euro (bei Michael Solder, Münster).

Das Jubiläumsjahr des Bauhauses feiert das Antiquariat KaraJahn aus Berlin. Sämtliche Ausgaben der legendären Lifestyle-Zeitschrift „die neue linie“, die sich der revolutionären Ästethik der Bewegung widmete, werden jahrgangsweise für Preise zwischen 200 Euro (1943) und 3000 Euro (1929/30) angeboten.

Auf der mit 71 Ausstellern etwas größeren Antiquariatsmesse Stuttgart feiert das ebenfalls aus Berlin stammende Antiquariat Günter Linke 100 Jahre Bauhaus, unter anderem mit Paul Klees aquarellierter Einladungskarte zum Laternenfest der Hochschule im Jahr 1922 (38.000 Euro). Das Preisniveau ist in Stuttgart höher.

So lassen sich bei der Galerie Valentien für Max Ernsts Collage „Paysagiste III“ 55.000 Euro ausgeben. Museal und entsprechend teuer sind jedoch vor allem Handschriften. Heribert Tenscherts Antiquariat Bibermühle aus Ramsen in der Schweiz wartet mit dem einzigen Manuskript von Ludwig Sterners „Schwabenkriegs-Chronik“ aus dem Jahr 1501 auf. Das soll 980.000 Euro kosten.

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