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Antiquitätenmesse Die Londoner Messe Masterpiece wird von Branchenfremden überrannt

Bei der Masterpiece in London weichen bewährte Galerien und Antiquitätenhändler Branchenfremden. Selbst Häusermakler und Bootsbauer stellen aus.
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Die 14 Unikate hängen am Eingang der „Masterpiece“-Messe. Gezeigt werden sie von der Galerie Hauser & Wirth. Quelle: Masterpiece/Alex Delfanne
Phyllida Barlow „GIG“

Die 14 Unikate hängen am Eingang der „Masterpiece“-Messe. Gezeigt werden sie von der Galerie Hauser & Wirth.

(Foto: Masterpiece/Alex Delfanne)

LondonKlassische Antiquitätenmessen haben ihren Reiz. Die seit Jahrzehnten strikte Trennung zwischen Messen moderner und zeitgenössischer Kunst und solchen, die ältere Kunst und auch Kunsthandwerk zeigen, erlaubt es dem Besucher, sich zu orientieren.

Seit einiger Zeit jedoch versuchen Messen wie „Frieze Masters“, dieses Muster zu durchbrechen. Mit dem Argument, dass Sammler eklektisch kaufen wollen und gerne Altes und Neues mischen. Das hat zu einem neuen Typus der multidisziplinären Messe geführt. Der soll angeblich jüngere Sammler an Alte Kunst heranführen und den schwächelnden Markt aktivieren und stärken. Das Konzept hört sich attraktiv an, aber es gibt Fallgruben, wie an der am Mittwoch zu Ende gegangenen „Masterpiece“ in London zu sehen ist.

Was heißt das konkret? Die Messe hat zum einen mehr Aussteller im Bereich der bildenden Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts als je zuvor. Das reicht von Blue-Chip-Werken aus dem Sekundärmarkt bis zu Editionen junger Kunst. Die Qualität der neuen Aussteller ist allerdings durchaus gemischt.

Am oberen Ende besticht die Galerie Hauser & Wirth nicht nur mit einem Stand zum Thema des Fadens, sondern auch mit einer in Kollaboration mit der Messe präsentierten Installation der Grand Old Lady Phyllida Barlow. Die britische Bildhauerin lässt im Eingangsbereich weiche, pomponartige Textilbälle herabhängen. Der Messebesucher flaniert beiläufig durch die sanfte, gefällige Szenerie in die Verkaufsmesse hinein. Die Installation ist im Ganzen oder einzeln zu erwerben. Der Preis liegt pro Kugel zwischen 35.000 bis 65.000 Pfund. Ob man der Künstlerin mit diesem kommerziellen Kontext einen Gefallen tut?

Schnellboote am Stand

Auch Richard Saltoun, eine kleinere Programmgalerie, scheut die Kosten für einen aufwendigen Stand nicht. Er zeigt die italienische Künstlerin Bice Lazzari (1900-1981). Ihre Preise liegen zwischen 7.000 und 125.000 Pfund. Im Gespräch hält sich der Galerist über den Erfolg seines Messedebüts bedeckt. Zwischen den Zeilen lässt sich aber herauslesen, dass seine ambitionierte Präsentation finanziell weniger erfolgreich war und er wohl eher nicht wieder zur Masterpiece zurückkehrt.

Lifestyle, Design und Dekoratives stehen im Mittelpunkt. Ben Fisher, Courtesy Masterpiece London Quelle: Masterpiece London; Foto: Ben Fisher
Blick in den Stand von R & Company

Lifestyle, Design und Dekoratives stehen im Mittelpunkt.

Ben Fisher, Courtesy Masterpiece London

(Foto: Masterpiece London; Foto: Ben Fisher)

Die Messebesucher scheinen weniger auf abstrakten Minimalismus anzuspringen als auf die hochdekorativen Lichtskulpturen mit LED-Lichtern von Anthony James, die die Opera Galerie für 126.400 Pfund gezeigt und auch verkauft hat. Die kommerziell orientierte Galerie mit Dependancen in 13 internationalen Städten nimmt an keiner anderen angesehenen Kunstmesse teil. Sie hat einen der größten Stände der Masterpiece. Hier sind neben Galerien und Händlern erstaunlicherweise auch die Lounge eines Londoner Häusermaklers zu finden und ein Stand, auf dem der gut betuchte Besucher Schnellboote kaufen kann.

Es geht um Lifestyle. Die Gäste füllen eher die längste Champagnerbar Londons als die Galeriekojen. Der Messebesuch wird für Kontakte genutzt, nicht aber zum Kaufen. Eine deutsche Kunstberaterin, die anonym bleiben möchte, war vom Angebot abgeschreckt. Benedikt Tomlinson, Direktor bei Robilant & Voena, die Alte Meister und Klassiker des 20. Jahrhunderts anbieten, spricht zwar von der Qualität der Besucher, aber auch davon, dass sie nicht kaufen. Die Galerie hatte bei Messeende erst eine Arbeit veräußert – eine kleine Ölstudie eines Künstlerateliers von Giovanni Boldini für rund 220.000 Euro.

Die Ausweitung des Kunstangebots führt bei geringerer Ausstellerzahl insgesamt zu einer Schrumpfung der Vielfalt. Natürlich gibt es auch Schmuckstücke früherer Epochen, die nur entdeckt, wer genauer hinsieht. Antikenhändler Charles Ede etwa bringt ein Trinkgefäß der Amlash-Kultur aus dem Gebiet des heutigen Irans mit. Das faszinierende Objekt in Gestalt eines Bullen soll 98.000 Pfund kosten. Die Galerie, die nach zwei Jahren Abwesenheit erstmals wieder auf der Messe vertreten ist, hatte bis Redaktionsschluss nur niedrigpreisige Objekt verkauft.

Unguter Kompromiss

Auch der Londoner Silberhändler Koopmann wartete am Montag noch auf einen Käufer der exquisiten Kaffeekanne des Silberschmieds Paul de Lamerie. Dieses bedeutende Rokoko-Silberobjekt steht für 3,5 Millionen Pfund zum Verkauf. Der britische Möbelhändler Godson, der auch mit Kunst der britischen Moderne handelt, verkaufte nur am Previewtag der Messe. Agnews, traditioneller Altmeisterhändler, bietet für 1,2 Millionen Pfund ein exquisites kleines Porträt der schottischen Königin Madelaine von Valois aus dem 16. Jahrhundert an. Ein junger Mitarbeiter des Hauses bemerkt, dass das seriöse Interesse auf der Messe nachlässt.

Vielleicht stirbt der engagierte Sammler-Connaisseur aus? Passt sich die Messe zukunftsorientiert neuen Marktgegebenheiten an? Vielleicht ist die Ausdifferenzierung der überfüllten Messelandschaft in einige wenige Qualitäts- und viele Lifestyle-Messen eine gute Entwicklung? Dennoch bleibt nach dem Besuch ein ungutes Gefühl. Nicht nur wegen eines Übermaßes an Wohnzimmerkunst und Gartenskulptur. Im Gewühl geht vieles, das den zweiten Blick braucht, unter. Die Messe geht in der Ausstellerauswahl Kompromisse ein. Das steht ihr nicht gut zu Gesicht.

Expansion im unsicheren Markt

Die Masterpiece feiert in diesem Jahr als Nachfolgemesse der angesehenen Antiquitätenmesse „Grovenor House Art & Antiques Fair“ (1934-2009) ihr zehnjähriges Jubiläum. Seit Dezember 2017 gehört die Messe, gegründet von Händlern, zu 67,5 Prozent der MCH, der Messe Schweiz, der Muttergesellschaft der Art Basel. Sie ist die einzige Messebeteiligung, deren Anteile das Schweizer Unternehmen in diesem Jahr nicht im Zuge von Konsolidierungsmaßnahmen abgestoßen hat. Damit ist sie die einzige Messe, die als Kunst-, Antiquitäten- und Designmesse im MCH-Portfolio verbleibt.

Trotz oder gerade wegen des instabilen Markts setzt die Masterpiece auf Expansion. Im Oktober stellen rund 20 Aussteller aus dem Westen in Hongkong in einem Pavillon in der „Fine Art Asia“ aus. Da bleibt nur zu hoffen, dass Macher der Masterpiece von dort im Gegenzug interessante Händler mit nach London bringen, um ihre nächste Ausgabe zu bereichern.

Mehr: Betriebswirtschaft im Kunstmarkt: Lesen Sie hier wie Galeristen die Teilnahme an Messen kalkulieren.

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