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Archäologie Ein Skandal erschüttert den Antikenhandel

Frankreich ermittelt in der Kunstszene wegen vermutlich illegalen Handels mit archäologischen Objekten aus dem Vorderen Orient.
02.07.2020 - 16:23 Uhr Kommentieren
Ungenügend bewacht wurde hier antike Kunst geraubt und außer Landes gebracht. Quelle: imago/robertharding
Ruinen von Kyrene, ein Weltkulturerbe in Libyen

Ungenügend bewacht wurde hier antike Kunst geraubt und außer Landes gebracht.

(Foto: imago/robertharding)

Paris Es ist ein Skandal mit Ansage: Anfang vergangener Woche nahm die Spezialeinheit der französischen Polizei, die illegalen Handel mit Kulturgut bekämpft, fünf anerkannte Personen aus der Kunstszene vier Tage lang zum Verhör in Polizeigewahrsam. Bereits im November 2015 hatte der damalige Leiter dieser Polizeieinheit, Oberst Ludovic Ehrhart, anlässlich eines Kolloquiums im Versteigerungszentrum „Hôtel Drouot“ vorhergesagt, dass archäologische Werke aus Raubgrabungen in zwei bis fünf Jahren auf den westlichen Kunstmarkt kämen.

Es ging um antike Kunst aus Syrien, Jemen, Libyen und Irak, die seit 2011 illegal ausgegraben, geraubt und verkauft wurde. Ehrharts Voraussage erwies sich 2017 als stichhaltig, als das berühmte Metropolitan Museum of Art (MET) aus New York bei einem Pariser Händler einen goldenen Sarkophag aus Altägypten ankaufte, dessen Provenienz sich aber bei Museumsrecherchen nicht überzeugend und lückenlos rekonstruieren ließ. Der golden glänzende Sarg ging nach Ägypten zurück – weil er dort vermutlich 2011 gestohlen wurde.

Polizeioberst Ehrhart zufolge soll ein Teil der betreffenden archäologischen Objekte von illegalen Ausgrabungen aus politisch fragilen Ländern stammen. Dort lasse die Terrororganisation IS, der sogenannte Islamische Staat, Plünderungen überwachen, Kunstwerke ankaufen und sie über Mittelsmänner an den westlichen Handel weiterleiten. „Für die großen, teuren Objekte gibt es nur wenige Zwischenhändler, die dort gut eingeführt sind. Nach der Einlagerung in Zollfreihäfen kommen die Kunstwerke mit einer erfundenen Provenienz auf den Markt“, sagte Ehrhart.

Welche Wege durch welche Länder diese Objekte nahmen, vielleicht gar über Deutschland, um ihre Herkunft zu verschleiern, untersucht nun die französische Justiz. Denn im Zuge der Ermittlungen und der Verhöre wurden am 26. Juni zwei der fünf festgenommenen Personen angeklagt: der Pariser Händler-Experte K. und sein Partner S.

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    K. und S. sollen angeblich den altägyptischen Gold-Sarkophag an das MET verkauft haben. Die Anklage lautet auf „Bandenbetrug, Zusammenschluss von Missetätern, um Verbrechen und Delikte vorzubereiten, die mit zehn Jahren Gefängnis bestraft werden, Geldwäsche als organisierte Bande sowie Fälschungen und Nutzung von Fälschungen“. Die Strafverteidiger der beiden Beklagten wollten kein Statement abgeben, die Händler reagierten nicht auf die Handelsblatt-Anfrage.

    In den politisch fragilen Ländern des Vorderen Orients ließ die Terrororganisation IS, der sogenannte Islamische Staat, Plünderungen überwachen, Kunstwerke ankaufen und sie über Mittelsmänner an den westlichen Handel weiterleiten. Quelle: Youssef Badawi/EPA/dpa
    Antike Oasenstadt Palmyra

    In den politisch fragilen Ländern des Vorderen Orients ließ die Terrororganisation IS, der sogenannte Islamische Staat, Plünderungen überwachen, Kunstwerke ankaufen und sie über Mittelsmänner an den westlichen Handel weiterleiten.

    (Foto: Youssef Badawi/EPA/dpa)

    Bei den drei anderen festgenommenen Personen, die derzeit nicht angeklagt sind, handelt es sich um den CEO des Versteigerungshauses Pierre Bergé & Associés, Antoine G., der dem Handelsblatt telefonisch mitteilte, dass weder er noch sein Anwalt sich äußern möchten: „Ich habe Sie bloß zurückgerufen, um Ihnen das zu sagen“, fügte der Auktionator korrekterweise hinzu.

    Auch Antoine G. wählte einen Pariser Star-Strafverteidiger; im Gegensatz zu dem jungen Pariser Händler G., der auch auf der angesehenen und durch Jurys streng kontrollierten Tefaf-Messe in Maastricht ausstellt und eines der wenigen Mitglieder der exklusiven Vereinigung IADAA (International Association of Dealers in Ancien Art) ist.

    Als deren Mitglied regte Händler G. 2015 das eingangs erwähnte Kolloquium an. G. nahm einen belgischen Rechtsanwalt. Dieser Anwalt schrieb dem Handelsblatt, dass er wegen des Untersuchungsgeheimnisses keine Auskünfte über seinen Mandanten geben könne.

    Ohne dazu befragt zu sein, fügte der Anwalt aber hinzu: „Alle seriösen Studien haben bewiesen, dass es keinen umfangreichen strukturierten internationalen Handel gibt, der darauf ausgerichtet ist, illegalerweise Objekte aus Konfliktzonen auszuführen, um sie im westlichen Handel weiterzuverkaufen (…) um diese Werke ‚weißzuwaschen‘ und ihnen eine Provenienz zu erfinden. Und ganz bestimmt nicht mit dem Ziel, den Terrorismus zu finanzieren.“

    Vernehmung durch die Polizei

    Die fünfte von der Polizei vernommene Person ist eine pensionierte Kuratorin des Louvre. C. ist eine bedeutende Archäologin. Sie nahm seit den 1970er-Jahren an Ausgrabungen teil. Sie kann auf zahlreiche Veröffentlichungen und Ausstellungsorganisationen zurückblicken.

    Die Polizei vermutet, der Louvre Abu Dhabi hätte ebenfalls Werke mit vermutlich gefälschter Provenienz erworben. Dabei stand die „Agence France-Muséums“ dem Louvre Abu Dhabi bei Ankäufen beratend bei. Deshalb fragte das Handelsblatt bei dieser wichtigen Organisation nach, ob die Archäologin C. eine offizielle oder inoffizielle Funktion in der „Agence France-Muséums“ eingenommen habe. Eine Sprecherin verneinte beide Funktionen.

    Traumatisierte Händler

    Der Antikenhandel in Frankreich, Deutschland, Belgien und der Schweiz, der angeblich involviert sei, ist traumatisiert. Der Vorstand des Versteigererzusammenschlusses Drouot, Alexandre Giquello – hier versteigert das Auktionshaus Pierre Bergé & Associés gelegentlich – bezeichnet die Situation als „katastrophal“.

    Interessanterweise wies der Händler G. bereits 2015 beim Kolloquium darauf hin, dass die Auktionatoren nicht verpflichtet seien, in den Auktionskatalogen die Provenienz der Stücke anzugeben. Der Jurist des französischen Versteigerungsrates Pierre Taugourdeau bestätigt dies zögernd, weist jedoch darauf hin, dass die Versteigerer selbstverständlich die Herkunft jedes Objekts überprüfen müssen.

    Ob der beklagte Experte K., der jahrelang für das Auktionshaus Pierre Bergé & Associés und für andere französische Versteigerer arbeitete, diese Sorgfaltspflicht erfüllte, muss die gerichtliche Untersuchung ergeben.

    Mehr: Raubkunst: Verschärfte Maßnahmen in Frankreich

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