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Architekt Jean Nouvel im Interview Was die Sandrose zur Inspirationsquelle für das Nationalmuseum von Katar machte

In Katar eröffnet ein neues Nationalmuseum. Der französische Architekt Jean Nouvel erklärt, wie ein Kristallgebilde ihn zum Entwurf inspirierte.
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„Die Sandrose besitzt etwas Mythisches“, sagt der Architekt. Quelle: ddp/abaca press
Jean Nouvel

„Die Sandrose besitzt etwas Mythisches“, sagt der Architekt.

(Foto: ddp/abaca press)

Monsieur Nouvel, nach dem Louvre in Abu Dhabi 2017 haben Sie nun das zweite spektakuläre Museum im Mittleren Osten eröffnet: das Nationalmuseum von Katar. Erklären Sie uns, was es mit Ihrem Entwurf auf sich hat.
Katar ist eine Wüstenhalbinsel, die vom Meer umgeben ist. Es ist das Aufeinandertreffen von Sand und Wasser, das sich auch in diesem Projekt ausdrücken soll. Ich habe nach einem Symbol gesucht, das respektgebietend, würdevoll und einzigartig ist. Genau das habe ich in der Sandrose gefunden.

Die mineralischen Gebilde entstehen in extremer Trockenheit, wenn Wasser durch große Hitze aus tiefer gelegenen Schichten nach oben steigt und dort verdunstet. Die im Wasser enthaltenen Salze kristallisieren und verbinden sich mit dem Sand zu eindrucksvollen Strukturen.
Die Sandrose besitzt etwas Mythisches. Etwas, das man nicht sofort begreift. Sie steht für das Archaische und die Ewigkeit der Wüste. Doch wenn sie übermäßig stark vergrößert wird wie im Falle dieses Museums, dann wird die Sandrose auch zum Symbol für den Modernisierungsprozess dieses Landes: von der Epoche des Nomadentums und der Wüste zum Streben in die Zukunft.

Den rechten Winkel sucht man in Ihrem 52.000-Quadratmeter-Bau vergebens, der Gerüchten zufolge 380 Millionen Euro gekostet haben soll.

Aus architektonischer Sicht ist die Sandrose eine außergewöhnliche Typologie. Natürlich haben wir sie nicht wortwörtlich übersetzt. Stattdessen haben wir ein System entwickelt, bei dem sich Scheiben von 15, 20 oder 30 Meter Durchmesser scheinbar zufällig überschneiden und eine hohe Komplexität erzeugen. Indem diese Formen in den Maßstab der Architektur übertragen werden, entsteht etwas Erstaunliches, Aufschlussreiches und Sympathisches: ein Gebäude, das es in dieser Art noch nicht gab.

Die Scheiben sorgen für starke Vor- und Rücksprünge, die im Zusammenspiel mit der prallen Wüstensonne unzählige Schatten werfen. Sind die Schatten Teil des Architektur-Erlebnisses?
In einem Land wie diesem ist es gut, wenn die Sonnenstrahlen die Fenster nicht direkt berühren. Das Innere des Museums würde sich sonst zu stark aufheizen. Die Idee der Sandrose haben wir so weit getrieben, dass die großen Scheiben als wirklicher Sonnenschutz dienen. Weil sich das Gebäude in alle Richtungen orientiert, entstehen je nach Uhrzeit neue Schatten, während andere wieder verschwinden. Alles ist in Bewegung.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N°3/2019. Das komplette Handelsblatt Magazin als PDF downloaden – oder gedruckt mit dem Handelsblatt vom 26. April 2019 am Kiosk erwerben.

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