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Armory Show New Yorks legendäre Kunstmesse inspiriert wieder

New Yorks legendäre Kunstmesse feiert mit Wiederentdeckungen ihre Gründung vor 25 Jahren. Im Trend liegt Kunst von Feministinnen und von Afrikanern.
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Afrika ist ein Thema auf der „Armory Show“ wie hier am Stand der Sean Kelly Gallery. Quelle: Foto: BFA; Courtesy The Armory Show
Kehinde Wiley

Afrika ist ein Thema auf der „Armory Show“ wie hier am Stand der Sean Kelly Gallery.

(Foto: Foto: BFA; Courtesy The Armory Show)

New YorkDie „Armory Show“ legt in ihrer 25. Ausgabe einen soliden Auftritt hin, mit so viel Neuem und Inspirierendem wie schon lange nicht mehr. Nach den Höhen und Tiefen der vergangenen Jahre scheint sich die Messe unter der Direktion von Nicole Berry erholt zu haben.

Und zur Feier des silbernen Jubiläums der bescheiden als „Gramercy International Art Fair“ gestarteten Hotelmesse hat man sich einiges einfallen lassen. Wie etwa den schönen Tribut an zwei ihrer visionären Gründer, Colin de Land und Pat Hearn, bei der Galerie Nagel Draxler (Berlin, Köln). „Wir wollten nicht einfach die alten Fotos aufhängen“, so Christian Nagel, Mann der ersten Stunde und enger Freund der beiden. So wurde kurzerhand Mark Dions Performance „Lemonade Stand“ von 1996, eine von drei hier ausgestellten gemeinsamen Positionen, reaktiviert.

Einführung in den Kapitalismus

Dions Performance stellt das beliebte kindliche Sommerritual als Einführung in den Kapitalismus bloß. In den ersten VIP-Stunden schenkte der heute 57-jährige Künstler am roh gezimmerten Stand selbst aus, wie damals auf Wunsch mit einem Schuss Wodka und auch immer noch für zwei Dollar. Die humorvollen und auch kritischen Aspekte haben die Jahrzehnte spielend überdauert (60.000 Dollar).

Gleich nebenan zeigt sich die Zukunft des Gewerbes. Mit einem neu eingerichteten „Gramercy International Prize“ will man junge experimentelle Galerien durch freie Teilnahme fördern. In diesem ersten Jahr fiel die Wahl der Jury auf Michael Egans Ramiken Gallery, die Werke von Darja Bajagic und Andra Ursuta zeigt. Egans Ausstellungen sind nur nach Vereinbarung irgendwo auf der Upper East Side zugänglich, „viele meiner Künstler sind superkontrovers“, erklärt er. Aber spätestens Ende des Jahres will er sich wieder im Künstlerstadtteil Bushwick niederlassen.

Von bescheidensten Anfängen ist Armory Show heute auf 198 Galeristen aus 33 Ländern explodiert. In diesem Jahr ist unter den 56 Neuzugängen auch ein Teilnehmer aus Tunesien, ebenso kamen einige New Yorker Galerien der ersten Stunde wieder, wie Tanya Bonakdar und 303 Gallery. In den ersten VIP-Stunden wurde offenbar recht gut verkauft, Preise übersteigen jedoch selten eine Million Dollar. Dafür gibt es viel zu entdecken. Wie etwa Einzelpräsentationen weiblicher Künstler.

Eine neue Arbeit zur weiblichen Identität – mit Tusche und Polymerwachs auf Pappelsperrholz gebracht. Quelle: Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin/ VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Birgit Brenner

Eine neue Arbeit zur weiblichen Identität – mit Tusche und Polymerwachs auf Pappelsperrholz gebracht.

(Foto: Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin/ VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Eric Firestone (New York) zeigt Miriam Shapiros auch in Europa gesuchte Collagen aus Stoffen und gemalten Teilen der 1970er-Jahre (bis zu 250.000 Dollar). Neuzugang ShanghART (Schanghai, Peking, Singapur) überrascht mit 32 Fotos der heute fast 80-jährigen amerikanischen Medienkünstlerin Lynn Hershman. Sie verdankt ihren jüngsten Karriereaufwind der Retrospektive „Civic Radar“ im ZKM Karlsruhe vor fünf Jahren. Fotos, die Hershmans Performance als Alter Ego „Roberta Breitmore“ (1973 – 1978) dokumentieren, kosten 35.000 bis 45.000 Dollar.

Alison Jacques (London) punktet mit späten Gemälden und Zeichnungen der vom Surrealismus angeregten Amerikanerin Dorothea Tanning, die auch noch bis zum Juni von der Tate Modern gefeiert wird. Hier hängt ihre letzte Arbeit: das poetische Werk „Victory“ (2005), ein auf schwarzes Papier geklebtes ebenso schwarz gekohltes Toastbrot, alles von einem goldenen Rähmchen eingefasst.

Künstler aus Afrika

Gut bedient wird auch der stark angeheizte Markt für Künstler aus Afrika und der Diaspora. „Museen bemühen sich nun, ihre Sammlungen auszutarieren, angeführt von amerikanischen Institutionen, aber auch von der Tate“, so der Londoner Galerist Paul Hedge von Hales. Er scheute schon seit 1992 vor Fragen von Rasse, Geschlecht und Klasse nicht zurück. Tafeta (London) bietet Historisches: Deckfarbenarbeiten und Bronzen des 1994 verstorbenen Nigerianers Ben Enwonwu (20.000 bis 30.000 Dollar). Laut Direktor Ayo Adeyinka ist er „der wichtigste Vertreter der Moderne in Afrika“.

Bei Erstteilnehmer A Gentil Carioca (Rio de Janeiro) setzt sich der bekannte Maler Arjan Martins mit gutem Erfolg mit der Kolonialzeit Brasiliens auseinander (bis zu 37.000 Dollar). Schnell vergriffen waren auch neun Collagen aus Mylarfolie, Tinte und Glitter von der Haitianerin Florine Demosthene bei Mariane Ibrahim (Seattle, demnächst Chicago) zu je 7.000 Dollar.

Aber neben Studiofrischem behaupten sich auch Klassiker: etwa Fontana, Burri und Pistoletto bei Mazzoleni. Die Galerie Von Bartha (Basel, S-chanf) kombiniert Moderne mit Zeitgenossen, László Moholy-Nagy mit Imi Knoebel und dem wunderbaren Werk von Jesús Rafael Soto „Double Andalou“ (1968, 850.000 Dollar) mit seltenem sattem Rotgrund (bis 10.3.).

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