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Art Basel – Art Unlimited Voluminöse Kunst mit kritischer Botschaft

Auf der Art Basel breitet die Abteilung für Arbeiten im XXL-Format viel Bekanntes aus. Daneben sind auch Werke weniger prominenter Künstler zu entdecken. Ein Rundgang.
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Das 2018 geschaffene Werk will gelesen werden. Thema sind die Anklagen wegen sexueller Nötigung im Zusammenhang der MeToo-Bewegung. Präsentiert wird die Künstlerin von den Galerien kaufmann repetto, Andrew Kreps Gallery und Susanne Vielmetter. Quelle: Stefan Pangritz für Handelsblatt
Andrea Bowers „Open Secret“

Das 2018 geschaffene Werk will gelesen werden. Thema sind die Anklagen wegen sexueller Nötigung im Zusammenhang der MeToo-Bewegung. Präsentiert wird die Künstlerin von den Galerien kaufmann repetto, Andrew Kreps Gallery und Susanne Vielmetter.

(Foto: Stefan Pangritz für Handelsblatt)

BaselKunstwerke im XXL-Format werden auf der Art Basel traditionell unter dem Label „Art Unlimited“ ausgestellt und vermarktet. Weil ihr Volumen jedoch die Kojen sprengen würde, bekommen sie eine eigene Halle.

In diesem Jahr glaubt der Besucher zunächst, ihm würden die klassischen, im Großformat arbeitenden Künstler des 20. Jahrhundert vorgeführt. Doch schnell stößt ihm auf, dass er das alles schon kennt. Welches Museum oder welche Privatstiftung braucht noch eine Rauminstallation von Jannis Kounellis (präsentiert von der Galerie Karsten Greve) oder einen goldenen, fünf Meter hohen Sonnenkreis von Ugo Rondinone (Gladstone Gallery und Galerie Eva Presenhuber)?

Auch Tom Wesselmanns „Still Life # 60“ von 1973 ist mit acht Metern Breite einfach nur groß und teuer (Gagosian Gallery). Weit von dem entfernt, was man sich von einer Entdeckungsreise in Dimensionen großer Kunst erhofft sind auch die Lampen von Jorge Pardo (neugerriemschneider, Berlin) oder die Sitzskulptur „Test“ von Franz West (1994), die Hauser & Wirth und David Zwirner für 3,8 Millionen US-Dollar verkauften.

Hier werden Autos nicht gewaschen, sondern mit Farbe besprüht. Dahinter steht die Galerie Meyer Riegger aus Karlsruhe. Quelle: Stefan Pangritz für Handelsblat; VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Daniel Knorr „Laundry“

Hier werden Autos nicht gewaschen, sondern mit Farbe besprüht. Dahinter steht die Galerie Meyer Riegger aus Karlsruhe.

(Foto: Stefan Pangritz für Handelsblat; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Trotzdem lässt sich auch im Bekannten Großartiges entdecken. So präsentiert David Zwirner etwa alle 55, zwischen 1987 und 1992 entstandenen Fotopuzzle-Bilder des Amerikaners Felix Gonzalez-Torres. Und die Buchmann Galerie (Berlin) zeigt in Zusammenarbeit mit Peter Freeman (New York) Anna & Bernhard Blumes 22-teilige Fotoserie „Im Wald“ (1886-1991). Das ist zwar nicht neu, aber dennoch ein Genuss.

Zurzeit gibt es keine Messe, die nicht von der Kunstgeschichte und vom Markt übersehene Künstler als das Neueste vom Neuen vorstellen würde. Das gilt vor allem für die boomende Kunst der 1970er-Jahre. Um von diesem Trend zu profitieren, haben einige Galerien ganze Werkkomplexe im Angebot. So zeigt etwa Michele Didier aus Paris in Zusammenarbeit mit PPOW aus New York feministische Filme, Collagen und Fotografien der New Yorkerin Martha Wilson, Jahrgang 1947.

Der Vater der kinetischen Kunst Estlands, Kaarel Kurismaa, überrascht die Sinne mit einer turmartigen Skulptur. „Steam Express and Halts“ (1993) lebt von der Vielschichtigkeit der Wahrnehmungen. Da sieht, hört und spürt man den Motor einer Maschine, die den Dampf nach oben bläst, wo er von einem Engel empfangen wird. Die aus Fundobjekten zusammengebastelte Skulptur wirkt gleichzeitig plakativ und poetisch und bringt einen leisen Humor in die großen Hallen. Vertreten wird Kurismaa von der gerade sehr angesagten Galerie Temnikova & Kasela aus Tallin.

Die mit Hilfe von Lasertechnologie geschaffene Installation der Londoner Künstlerin war zu ihrer Zeit bahnbrechend. Vertreten wird Lijn von der Galerie Rodeo aus London. Quelle: Stefan Pangritz für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Liliane Lijn „Conjunction of Opposites: Woman of War and Lady of Wild Things“

Die mit Hilfe von Lasertechnologie geschaffene Installation der Londoner Künstlerin war zu ihrer Zeit bahnbrechend. Vertreten wird Lijn von der Galerie Rodeo aus London.

(Foto: Stefan Pangritz für Handelsblatt; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Am meisten fasziniert die Installation der 80-jährigen Liliane Lijn. Hier zieht weniger der Humor in den Bann als das Unheimliche. Aus dem Dunkel eines mit Nebel gefüllten Raums lässt die Londoner Künstlerin mit Hilfe von Lasertechnologie zwei Figuren hervortreten, die fast abstrakt und roboterartig eine Beziehung zueinander aufbauen. Eher Kampf als Liebesspiel jagt deren Bewegung nicht wenigen Besuchern eine Gänsehaut über den Rücken. Programmatisch lautet der Titel „Conjunction of Opposites: Woman of War and Lady of Wild Things“. Lijn schuf die bahnbrechende Arbeit 1983 bis 1986 (Rodeo, London).

Schreiend laut und erfrischend jung erscheint dagegen Daniel Knorrs Waschanlage „Laundry“ (2019). Hier werden Autos nicht gewaschen, sondern mit Farbe besprüht. (Meyer Riegger, Karlsruhe, Galerie nächst St. Stephan, Wien). Mit einer ähnlich trendigen Botschaft versucht sich – allerdings weit weniger geglückt – Olaf Nicolai mit einem aufgeblasenen Nike-Turnschuh von 2001 einzubringen. Derartiges wirkt 2019 abgestanden (Eigen + Art, Berlin).

Besonders starke Arbeiten entstanden, wenn sich die Künstler mit den Spannungen und Krisen unserer Gegenwart auseinandersetzten. Am heftigsten diskutiert wird dabei Andrea Bowers Textarbeit „Open Secret“, die in langen, roten Bahnen von der Wand hängt. Die amerikanische Künstlerin und Aktivistin recherchierte die Anklagen wegen sexueller Nötigung im Zusammenhang mit der MeToo-Kampagne (kaufmann repetto, Mailand, Andrew Kreps Gallery, New York, Susanne Vielmetter, Los Angeles).

Das Kunstwerk funktioniert wie ein lebendes Bild. Im Mittelpunkt der kubanische Eierverkäufer Raúl Portillo Samá. Vertreten wird Xhafa von der Galeria Continua aus San Gimignano. Quelle: Stefan Pangritz für Handelsblatt
Sislej Xhafa „ovoid solitude“

Das Kunstwerk funktioniert wie ein lebendes Bild. Im Mittelpunkt der kubanische Eierverkäufer Raúl Portillo Samá. Vertreten wird Xhafa von der Galeria Continua aus San Gimignano.

(Foto: Stefan Pangritz für Handelsblatt)

In Mircea Cantors Videofilm „Aquila Non Capit Muscas“ (2018, Auflage 7) greift ein Adler eine Drohne an. Die elegant manipulierte Endlosschleife, die Maggazino aus Rom im Programm hat, bereitet ebenso Unbehagen wie die weißen, aufblasbaren Kleider der Schaufensterpuppen von Alicia Framis. Sie sollen die Trägerinnen davor bewahren, dass ihnen jemand zu nahe kommt (Galeria Juana de Aizpuro Madrid).

Auf Paul Celans Gedicht „Todesfuge“ und das darin enthaltene Konzept des Nichts bezieht sich die Rauminstallation „Rose of Nothingness“ (2015). Die Arbeit des rumänisch-israelischen Bildhauers Belu-Simion Fainarus war bereits im MAK Museum in Wien zu sehen. Schwarzes Wasser (im Gedicht schwarze Milch) tropft synchronisiert in ein schwarzes Wasserbecken, in ein Nichts, das Fragen nach dem Wesen das Seins aufwirft (Galeria Plan B Berlin).

Dabei sind nicht alle politischen Positionen gelungen. Unbehagen bereitet das von der Galerie Continua aus San Gimignano vorgestellte Werk von Sislej Xhafa. „Ovoid solitude“ ist direkt am Eingang prominent installiert. Hier sitzt der kubanische Eierverkäufer Raúl Portillo Samá auf einem Stuhl vor einem kleinen, dunklen Raum mit Eierkartons. Will er Eier verkaufen? Gianni Jetzter, Kurator der Art Unlimited, betont die Faszination der aufeinander treffenden unterschiedlichen Wertsysteme auf der Messe. Es stellt sich jedoch die Frage, ob da nicht ein armer Arbeiter der elitären Kunstwelt wie im Zirkus vorgeführt wird. Als Hintergrund für die Selfie-Generation?

Mehr: Auf dieser Kunstmesse ist der VIP-Status jetzt käuflich. Lesen Sie hier, warum sich die Art Basel den frühen Zutritt zur Messe teuer bezahlen lässt.

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