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Art Basel Auf dem Marktplatz der Superlative

Auf der Art Basel profilieren sich alle Galerien: die ganz großen mit millionenschwerer Kunst, die mittleren mit gut eingeführten Namen. So gibt es nur wenig zu entdecken.
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Die Skulptur
Jeff Koons

Die Skulptur "Sacred Heart (Magenta/Gold)", zu sehen auf dem Stand von Larry Gagosian, setzt mit fast vier Metern Höhe die Akzente.

(Foto: AFP/ Foto: Fabrice Coffrini)

BaselWen immer man fragt, was die Art Basel so besonders macht, die Antwort lautet stets: „Die Qualität“. Sowohl der Kunstwerke wie auch der Art der Präsentation. Einig sind sich alle: Die Art Basel in Basel ist die mit Abstand weltbeste Messe für moderne und zeitgenössische Kunst. Eine Pflichtveranstaltung für alle, die dazugehören wollen. Mit den besten Galerien, Sammlern, Museumsdirektoren, mit Kuratoren, Beratern, Versicherern und Auktionatoren. Denn Qualität färbt ab. Nur die Künstler bleiben dem Marktplatz der Superlative fern.

Die interessantere Frage ist, wie und wer diese Qualität im Kunstbereich bestimmt. Auf der Art Basel gibt es 2019 je nach Ortslage zwei verschiedene Qualitätsstempel: Im Erdgeschoss, das traditionell den Galerien für moderne und Bluechip-Kunst vorbehalten ist, bestimmen Auktionsrekorde das Angebot, im Obergeschoss der Galerien für zeitgenössische Kunst ist es das Gütesiegel der Biennale in Venedig. Wer kann, zeigt als Galerist einen Biennale-Teilnehmer.

Vor allem im Bereich der Kunst des 20. Jahrhunderts sieht man vorrangig Arbeiten von Künstlern, die im Augenblick auf den Auktionen dominieren und deren Preise markant angestiegen sind. Das gilt für Klassiker wie Alexander Calder – dessen hängende Mobiles etwa die Galerie Thomas aus München erfolgreich verkaufen konnte – über Jean-Michael Basquiat, Lucio Fontana, Alfredo Burri bis hin zu Joan Mitchell und Kerry James Marshall.

Simon Lee aus London bietet sogar dreist eine Arbeit von George Condo an, die erst im letzten Herbst von Christie’s London versteigert worden war. „Red and Black Diagonal Portrait“ von 2016 wurde für 2,3 Millionen Dollar unter den Hammer gebracht und soll nun 2,85 Millionen kosten. Nur Gerhard Richter sieht man wenig, aber der hat ja auch jüngst bei den Auktionen nicht so ganz gut abgeschnitten. Eine Ausnahme macht allerdings David Zwirner. Er konnte das frühe Fotobild „Versammlung“ aus einer Mailänder Privatsammlung am Eröffnungstag für 20 Millionen Dollar verkaufen.

Auch im Preisniveau wird hier die Nähe zum Auktionsmarkt deutlich. Im Topsegment auf der Art Basel geht es nur noch um Millionenbeträge. Da verschicken Megagalerien wie Hauser & Wirth und David Zwirner am Abend des ersten Messetags Verkaufsergebnisse an die Presse. Wer die addiert, kommt auf Umsätze von je 40 bis 50 Millionen Dollar. Die Zugkraft dieser Galerien ist so groß, dass man am exklusiven Previewtag gar nicht auf deren Stände kommt, während zwei Gänge weiter fast Leere herrscht.

Thaddäus Ropac proklamiert euphorisch: „Es geht nonstop!“ Dazu kommt, dass nur ein Teil an Arbeiten am Stand verkauft wird. Hauser & Wirth verschickte vor der Messe einen aufwendig gestalteten Previewkatalog an Sammler. Das bezeichnet Iwan Wirth als vollen Erfolg, da es ihm zahlreiche Vorverkäufe ermöglichte. Erwähnenswert sind hier vor allem Arbeiten von John Chamberlain wie auch Arbeiten des Schweizers Max Bill, der im Jubiläumsjahr des Bauhauses stark gefragt ist. Ein Sammler zahlte für „horizontal-vertikal-rhythmus“ (1943) 1,5 Millionen Schweizer Franken. Neben Vorverkäufen werden virtuelle Showrooms immer beliebter, zum Beispiel „www.davidzwirner.com/viewing-room“.

Zu sehen nur mit der Virtual Reality-Brille:
Paul McCarthy

Zu sehen nur mit der Virtual Reality-Brille: "Coach Stage Stage Coach VR experiment Mary and Eve" (2017) auf dem Stand von Hauser & Wirth.

(Foto: Stefan Pangritz für Handelsblatt)

Die Großgalerie Gagosian übertrumpft mal wieder die Konkurrenz. Am Eingang ihres Messestands prangt die fast vier Meter hohe Jeff-Koons-Skulptur „Sacred Heart (Red/Gold)“, deren Protzerei als Leitmotiv der Messe gelten könnte. Die Galerie verkauft neben dem Messestand zusätzlich in einer eigens eingerichteten neuen Galerie in der Stadt aus der Ausstellung „Continuing Abstraction“ Spitzenwerke. Darüber hinaus operiert Gagosian noch auf der Messe mit einer Anzahl von gemieteten Showrooms, in denen Kunden unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskret bedient werden.

Die Auswirkungen der erweiterten Operationsmodi der Topgalerien sollten nicht unterschätzt werden, auch wenn sie bisher schwer zu bemessen sind. Dass sich die Art Basel an vielen Orten ruhig anfühlte und man kaum noch Sammler mit Messeplänen von einer Ecke zur anderen wandern sah, ist allerdings ein erster Indikator.

Wie kann man bei dieser auch medialen Überflutung überhaupt noch Künstler und Werke entdecken, vor allem wenn im Hauptsegment von 233 Galerien nur sieben neue dabei sind? Agnes Husslein-Arco, die die Heidi-Horten-Sammlung betreut, betont, dass sie sich keine Vorabangebote schicken lässt und auf der Messe loszieht, um Überraschungen zu finden, die sich assoziativ in die bereits existierende Sammlung einfügen.

Entdeckungen finden sich am einfachsten in der „Statement“-Sektion, wo junge Galerien Soloprojekte zeigen. Hier finden sich auch die meisten Skulpturen und Installationen der ansonsten malereilastigen Messe. Hier gehen Galerien ein Risiko ein, um überhaupt ausstellen zu können. SpazioA etwa präsentiert ein Habitat aus hängenden Skulpturen von Giulia Cenci. Man kann die Werke zwar einzeln kaufen, aber zusammen wirken sie so stimmig, dass die Galerie aus Pistoia den Baloise-Preis der Messe erhielt.

Von den Biennale-Künstlern ist vor allem die Französin Laure Provoust präsent. Unter anderen konnte Lisson Gallery mehrere Objekte für 35.000 bis 75.000 Euro verkaufen. Esther Schipper aus Berlin bezieht sich auf ihrem Stand auch auf Venedig durch Werke von Hito Steyerl, Thomas Saraceno und Dominique Gonzalez-Foerster. Den beliebten Vorabangeboten hält sie entgegen, dass man die Arbeiten ihrer Künstler „vor Ort erleben muss, bevor man sich entscheidet“.

Auch die poetisch-humorvollen Arbeiten von Enrico David für 50.000 bis 150.000 Dollar bei Michael Werner, von denen fast alle verkauft sind, muss man erfahren. David, wie auch die bei Wentrup Berlin vertretene deutsch-türkische Künstlerin Nevin Aladağ, arbeitet dabei mit Wandteppichen. Geometrisch-abstrakte Textilcollagen nehmen bei ihr auf verschiedene kulturelle Traditionen Bezug und stellen unter dem Serientitel „Social Fabric“ Fragen zu kulturellen Grenzen. Jan Wentrup hatte alle drei Arbeiten für jeweils um die 35.000 Euro bereits verkauft.

Was hat die auf sperrige Installationen spezialisierte „Art Unlimited“ zu bieten? Vor allem Bekanntes wie ein Riesenbild von Tom Wesselmann. Interessanter ist schon das Archiv, das Andrea Bowers auf roten Postern angelegt hat, zu Anklagen wegen sexueller Gewalt.

Künstlerische Trends sind auf der Art Basel wenig zu finden. Die Zwänge der Ökonomie erlauben wenig Spielraum für das Experimentelle oder auch nur das Leise und Zarte. Hier ist das Laute und Bekannte Trumpf. Schon die ganz jungen Galerien sind auf Absatz bedacht, um die Standkosten zu decken. Der Großteil des Kapitals kommt internationalen Großgalerien zugute. Wie geht der Besucher damit um?

Viele Sammler fühlen sich von den millionenschweren Verkaufszahlen der Topgalerien ausgeschlossen. Es ist aber wichtig zu betonen, dass die Mehrzahl der Galerien auch Arbeiten im Segment von 100.000 bis 500.000 Euro anbietet. Diese muss man nur finden.

Da hilft es, nicht zur Eröffnung zu kommen, sondern dann, wenn die Galerien umgehängt haben. Dann kommen auch kleinere Formate und Papierarbeiten zum Vorschein, wie zum Beispiel eine faszinierende Studie von Ellsworth Kelly bei Matthew Marks für 300.000 Euro. Und auch ein Blick auf die klassische Moderne lohnt sich immer wieder. Ein frühes Ölbild von Paula Modersohn-Becker bei St. Etienne aus New York fühlt sich für unter 500.000 Dollar fast erschwinglich an. Und für Fans der jungen Kunst bietet die Essex Street Galerie aus New York eine ganz andere Alternative an: Hier kann man Kunstwerke nur mieten und nicht mehr kaufen.

Mehr: Art Basel Satelliten: Lesen Sie hier wie Innovationsfreude Off-Messen stark macht.

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