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Art Basel Satelliten Innovationsfreude macht Off-Messen stark

Auf den Nebenmessen rund um die Art Basel bekommen junge Kunst und neue Galerien eine Chance. Schon etablierten Veranstaltungen wie der Liste wurden alte Zöpfe abgeschnitten.
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Die Sinne ansprechende Materialien wie Glas, Kunstfell und Leder charakterisieren die Hängeskulptur
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Die Sinne ansprechende Materialien wie Glas, Kunstfell und Leder charakterisieren die Hängeskulptur "Extrakorporal" (2019). Gesehen auf dem Stand von Polansky auf der Liste Art Fair in Basel für 10.000 Euro.

(Foto: Liste Art Fair; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Basel Aufmerksamkeitswettbewerb ist unerbittlich. Wer letztes Jahr noch neu und Tagesgespräch war, gehört heute zum Inventar. Dieses Mal hat die aus Berlin stammende „Paper Positions“ die Nase vorn, die „Volta“ muss sich in ihrer zweiten Ausgabe am neuen Ort behaupten. Nächstes Jahr ist es vielleicht andersherum.

Ganz hip ist die kleine von Galeristen selbst aufgesetzte Off-Messe „June“ mit gerade einmal 14 Teilnehmern. Direkt neben dem Areal der Basel in einem bunkerartig ausgebauten Keller gelegen, versammelt sie einen heterogenen Mix junger und etablierter Galerien, die jeweils nur eine oder zwei Positionen zeigen.

Francois Ghebaly aus Los Angeles etwa präsentiert die Frauenportraits von Marius Bercea, in denen die rumänische Vergangenheitsbewältigung des Künstlers mit den Stilmitteln seiner kalifornischen Wahlheimat ein stimmiges Amalgam bilden (16.000 bis 45.000 US-Dollar).

Die wichtigste Neuerung am Messeplatz Basel betrifft jedoch die „Liste“. 1997 als „The Young Art Fair“ gegründet, zeigte der quasi-offizielle Satellit der Art Basel zuletzt doch deutliche Etablierungserscheinungen. Die neue Direktorin Joanna Kamm, Ex-Galeristin aus Berlin, hat der Messe eine Verjüngungskur verschrieben und einige alte Zöpfe abgeschnitten.

Die Galerie Madragora aus Lissabon gehört da fast schon zum Establishment. Mit dezidiert (identitäts)-politischen und feministischen Auftritten hatte es die erst 2016 gegründete Galerie bereits im vorletzten Jahr auf die Liste geschafft. Letztes Jahr war sie mit einem Statement-Stand auf der Art Basel und ist jetzt wieder auf der Liste, um hier zwei Künstlerinnen aus Spanien und Südafrika zu präsentieren. Deren Arbeiten sind zwar durchaus politisch, allerdings eher auf eine poetische Art.

Siwani Buhlebezwes (*1986) großformatige Papierarbeiten etwa sind formal abstrakte Aquarelle mit monochromen organischen Formen. Erst Hintergrundwissen erschließt den Inhalt: Das Malmittel ist in Südafrika populäre Allzweckseife, die sowohl für den Haushalt, als auch zur Körperhygiene benutzt wird. Der in vielen Kulturen gepflegte Kult um die Reinheit des weiblichen Körpers wird so unaufdringlich thematisiert.

Mit 6.000 Euro sind die Arbeiten praktisch noch auf Einsteigerniveau, zumindest in Basel. Zu den teuersten Werken der Messe dürfte mit 65.000 Euro die Installation „Refractions of the Originary“ von Benji Boyadgian gehören, die durch acht Luken den Blick auf eine steinerne Sphäre im Inneren einer zylinderartigen Messingkonstruktion erlaubt.

Jüngster Zugang der Liste dürfte die Berliner Galerie Sweetwater sein, die erst im letzten September geründet wurde. Der Galerist Lucas Casso stammt aus New York und möchte in Deutschland vor allem seinen Landsleuten eine Ausstellungsmöglichkeit bieten.

Unter den neuen Ausstellern ist er damit beinahe ein Exot, denn Kamm legt großen Wert auf Diversität: „Entscheidend finde ich, dass man auf der Liste immer was Neues entdecken kann. Und dazu gehört eben auch, dass man neue Galerien zeigt. In diesem Jahr sind das 21. Sie stellen zum ersten Mal bei uns aus und sie kommen zum Teil aus Ländern, die bisher noch nicht auf der Liste vertreten waren.“

Schauplatz der paper positions basel in diesem Jahr. Quelle: C. Wenzel-Theiler für paper positions basel 2019
Der Ackermannshof in Basel

Schauplatz der paper positions basel in diesem Jahr.

(Foto: C. Wenzel-Theiler für paper positions basel 2019)

In die häufig angestimmte Klage über mangelnden Galerienachwuchs möchte Kamm nicht einfallen: „Es gibt sehr wohl sehr viele und sehr gute neue Galerien, aber die kommen eben nicht mehr unbedingt aus den gewohnten Kunstmetropolen.“ Gerade durch die zunehmende Globalisierung oder Fragmentierung, sei es jedoch wichtig, dass es bestimmte Orte gebe, an denen Austausch dann auch real stattfinde. Idealerweise eben Basel.

Von entscheidender Bedeutung ist für die Messemacherin dabei der Innovationscharakter ihrer eigenen Veranstaltung: „Es ist für uns ganz wichtig, dass wir Galerien haben, für die die Liste die erste Messe überhaupt ist, dass man eben nicht wartet, wie die sich entwickelt, sondern dass man als Messe auch ein Risiko eingeht“, ergänzt Joanna Kamm.

Von den Änderungen in der Messearchitektur bis zur Verjüngung und globaleren Aufstellung der Aussteller trifft Kamms Ansatz bei Galeristen und Besuchern auf breite Zustimmung. Zu Recht.

Mehr: Art Basel: Ein Rundgang über die Art Unlimited auf der Art Basel. Lesen Sie hier über voluminöse Kunst mit kritischer Botschaft.

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