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Art Basel & UBS Report Dem Kunsthandel stehen harte Zeiten bevor

Im Jahr 2018 haben die weltweiten Umsätze mit Kunst noch einmal zugelegt. Es profitieren jedoch nur die Unternehmen, die ganz oben mitspielen. Die Kleineren schrumpfen um bis zu 18 Prozent.
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Er droht die Gewinne der Galerien aufzufressen. Quelle: REUTERS/Bobby Yip/File Photo
Der Kostendruck durch Messebeteiligungen ist gewaltig gestiegen

Er droht die Gewinne der Galerien aufzufressen.

(Foto: REUTERS/Bobby Yip/File Photo)

BerlinDas größte Wachstum kann der Art Basel & UBS Report „The Art Market“ für sich selbst verbuchen. Auf 408 Seiten ist die dritte Ausgabe angeschwollen, die Clare McAndrew für die Schweizer verfasst hat, nach 348 und 287 Seiten in den Vorjahren. Für ihren Untersuchungsgegenstand, den Kunstmarkt, verzeichnet die Autorin ebenfalls einen Zuwachs. Die weltweiten Umsätze mit Kunst summieren sich demnach auf 67,4 Milliarden US-Dollar, eine Steigerung um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Damit liegt das Gesamtvolumen der Umsätze aber immer noch knapp unter dem Rekordjahr 2014, für das 68,24 Milliarden Dollar ausgewiesen wurden. Größter Markt sind demnach unangefochten immer noch die USA, die mit 29,9 Milliarden US-Dollar 44 Prozent Marktanteil innehaben. Dahinter haben Großbritannien und China die Plätze getauscht, weil der britische Markt um acht Prozent auf umgerechnet knapp 14 Milliarden Dollar zulegen konnte und jetzt auf einen Marktanteil von 21 Prozent kommt.

China schrumpfte demgegenüber um 3 Prozent auf 12,9 Milliarden Dollar und kommt nun auf 19 Prozent Anteil am Weltmarkt. Kunsthandel und Galerien konnten mit 35,9 Milliarden US-Dollar um 7 Prozent zulegen, während Auktionshäuser auf 29,1 Milliarden und einen Zuwachs um 3 Prozent kamen.

Was zunächst ungemein positiv klingt, hat allerdings Tücken im Detail. So dürfte eine Änderung bei der Besteuerung von Kunstverkäufen für einen kurzfristigen Anstieg bei den Transaktionen in den USA gesorgt haben. Ein großer internationaler Trend ist hingegen besorgniserregend: Zugelegt hat der Markt vor allem im Top-Segment der Kunstwerke jenseits der Millionengrenze und bei Unternehmen, die mehr als 10 Millionen Dollar im Jahr einnehmen.

Kleine Unternehmen mit weniger als 500.000 Dollar Umsatz haben dagegen einen Rückgang um 10 Prozent hinzunehmen und solche mit weniger als einer Viertelmillion sogar einen um 18 Umsatz Prozent. Zeitgenössische und gerade ganz junge Kunst hat hier ihre Heimat, und auch die allermeisten deutschen Galerien und Kunsthändler sind diesem Segment zuzurechnen. Der Branche stehen also harte Zeiten bevor, zumal in Deutschland die fiskalischen Bedingungen besonders nachteilig sind.

Aus diesem sogenannten Middle Market Squeeze, der längst nicht nur die Mitte des Marktes betrifft, sondern alle, die nicht ganz oben mitspielen, ergibt sich auch eine Bedrohung für die Kunstmessen, die sich in den letzten Jahrzehnten zur zentralen Schnittstelle entwickelt haben, auf denen 16,5 Milliarden Dollar oder 46 Prozent der Händlerumsätze erzielt werden. Allerdings haben sich die Teilnahmekosten 4,8 Milliarden Dollar auch zu einem gewaltigen Kostenblock entwickelt, der die Gewinne der Galerien aufzufressen droht.

Ein weiteres Ausweichen des Marktes ins Internet scheint in größerem Umfang wenig wahrscheinlich. Mit 6 Milliarden Dollar, einem Zuwachs von 11 Prozent gegenüber 2018, erreicht dieser Vertriebskanal einen Weltmarktanteil von 9 Prozent, der nur noch wenig unter dem des gesamten Online-Einzelhandels von 12 Prozent liegt.

Allerdings sind die Zahlen mit Vorsicht zu genießen, denn sie dürfen in großen Teilen ohnehin nur als Näherungswerte verstanden werden. Die Datenerhebung im notorisch undurchsichtigen und wenig regulierten Kunstmarkt gestaltet sich ausgesprochen schwierig. Das gilt schon für den transparentesten Teil, den Bereich der Auktionshäuser. Hier greift der Report auf die Zahlen zurück, die verschiedene Dienstleister aus den veröffentlichten Auktionsergebnissen der Auktionshäuser zusammenstellen, die wiederum jeweils nicht alle Unternehmen oder nicht alle Sparten erfassen.

Der chinesische Auktionsmarkt spielt ohnehin nach eigenen Regeln, da dort regelmäßig bis zur Hälfte der Auktionszuschläge von den Ersteigerern nicht bezahlt wird. Bei den Umsätzen von Galerien und Kunsthändlern ist die Lage wesentlich komplexer. Hier ist die Autorin auf eigene Umfragen und verschiedenste Quellen angewiesen. Dazu gehören eigene Umfragen, Ausfuhrstatisken, Daten von Online-Plattformen wie Artsy oder Artfacts sowie die Befragungen, die die UBS unter ihren vermögenden Kunden durchgeführt hat.

Offenlegung der Quellen

Sehr erfreulich ist die wachsende Transparenz der Autorin bei der Offenlegung ihrer Quellen. Auf immerhin neun Seiten erklärt sie im Anhang, woher die verwendeten Daten stammen und wie sie sie verwertet. Eine Idee von der Zuverlässigkeit der erhobenen Zahlen vermittelt der Umstand, dass von 6.500 befragten Händlern nur 17,5 Prozent überhaupt geantwortet haben. Das ist immerhin ein Viertel mehr als im Vorjahr, kann aber trotzdem kaum als repräsentativ gelten, da der Rücklauf gerade aus kleineren Märkten wie Deutschland überproportional hoch war, aus den USA und besonders aus China hingegen sehr niedrig.

Bei allen Schwächen ist der Art Basel UBS-Marktreport immer noch das Standardwerk, weil er praktisch konkurrenzlos ist. Banken, Fonds und Kunstberater brauchen jedoch Zahlen, um ihre (sehr) vermögenden Kunden bei ihrer Portfolio-Gestaltung zu beraten und um Finanzproduktre zu entwickeln, die auf Kunst beruhen. Für bare Münze nimmt die Zahlen des Reports wahrscheinlich kaum ein Profi, doch im Großen und Ganzen kommen die dort skizzierten Volumina, die Verteilung auf die einzelnen Segmente und Tendenzen der Realität recht nahe.

Man darf bei aller Medienträchtigkeit von Rekordzahlen nicht vergessen, dass der Kunstmarkt eine absolute Nische ist. Allein der Chemie-Konzern BASF nimmt mehr Geld ein als sämtliche Unternehmen auf dem Kunstmarkt zusammen. Das sollte man nie vergessen.

Der Art Basel & UBS Report „The Art Market“ kann auf der Webseite der Art Basel heruntergeladen werden: https://www.artbasel.com/about/initiatives/the-art-market

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