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Art Basel Wie Galerien und Museen auf zerstörte Kunstwerke reagieren

Die zerbrochene Fliegen-Skulptur auf der Kunstmesse in Basel hat eine Debatte über die Haftpflicht und die Distanz zu den Kunstwerken ausgelöst.
18.06.2019 - 14:26 Uhr Kommentieren
Art Basel: Warum Museen zerstörte Kunstwerke oft herunterspielen  Quelle: Ron Cogswell via Flickr
Infinity Mirrors

Eine Besucherin kam ins Wanken und zertrampelte eine der typischen Kürbisskulpturen.

(Foto: Ron Cogswell via Flickr)

Düsseldorf Auf der weltbekannten Kunstmesse Art Basel reagierten die Veranstalter spontan offenbar mit großer Bestürzung, als ein dreijähriges Mädchen aus ihrem Buggy heraus eine 50.000 Euro teure Fliegen-Skulptur vom Sockel riss und weithin zerstörte.

Pechschwarz wie aus Asphalt und mit weißen Flügeln wie aus Porzellan stand die 26 Zentimeter große Skulptur der Düsseldorfer Künstlerin Katharina Fritsch zunächst eine ganze Weile unbeschadet am Stand der New Yorker Matthew Marks Gallery. Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, wurde das Plastikkunstwerk dann von einem Kind auf den Boden gestoßen, wobei die Flügel zerbrachen.

Ob sich die Skulptur restaurieren lässt und ihren zuvor auf 50.000 Euro geschätzten Wert wiedererlangen kann, scheint unter Experten mehr als fraglich. „So wie sich der Fall auf der Art Basel in den Medien darstellt, ist das ein klassischer Haftpflichtschaden“, sagt Markus Keller, Leiter der Abteilung Underwriter bei der Allianz in München. Je nach Deckungsvereinbarung des Vertrages trägt ein Versicherer Schäden auch im sieben- und achtstelligen Bereich. Und auch Galeristen sind in der Regel versichert. Für Schäden durch Besucher kommt meist der Versicherer auf.

Gleichwohl wollen Messe und Galeristen aber offenbar jede Öffentlichkeit bei solchen Fällen vermeiden, um potenzielle Käufer nicht zu verunsichern. Entsprechend knapp und irritierend fällt die Antwort der Pressestelle der Art Basel aus. Auf Anfrage schreibt die Messe per Email zurück: „Wir sind über diesen Vorfall informiert und wurden von der Galerie darüber in Kenntnis gesetzt, dass die Arbeit nicht beschädigt wurde.“ Seltsam nur, dass zuvor Beobachter von einem Totalschaden und bestürzten Reaktionen sprachen und auch die Wiederherstellung der Originalität in Zweifel gezogen wurde.

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    Die schwarze Fliege im XXL-Format entstand im Jahr 2000 als „Multiple“ in einer Auflage von zehn Stück. Ein einziges Exemplar mit einem Malus kann die Reinheit der ganzen Serie ins Wanken bringen. Im Bereich der zeitgenössischen Kunst ist die Restaurierung nicht der einzige Weg einer Schadensbeseitigung, führt Allianz-Mitarbeiter Keller im Gespräch weiter aus. Von Andreas Gursky wisse Keller beispielsweise, dass er stark verblichene Fotografien bedeutender Serien durch neue Abzüge ersetzt und mit entsprechendem Zertifikat ausgestattet hat.

    Mit der Faust ins Gemälde

    Welche Haltung bezieht die Künstlerin selbst? Die Bildhauerin Katharina Fritsch war für eine Handelsblatt-Anfrage nicht erreichbar.

    Die Zahl der Kunstdiebstähle auf Messen und in Museen sei immer noch höher als der Umfang der Beschädigungen durch Besucher, darauf weist der Kunstsachverständige Keller hin. Dennoch haben in letzter Zeit einige Fälle für Aufsehen gesorgt. Ein Video aus Taiwan ging 2015 um die Welt. Ein zwölfjähriger Junge mit einem Getränkepappbecher in den Händen stolperte über eine Sicherheitsabsperrung und rammte ein 1,3 Millionen Euro teures Altmeister-Gemälde von Paolo Porpora. Die Versicherung kam für den Schaden auf.

    Teure Tollpatschigkeit – Fünf Beispiele zerstörter Kunstwerke
    Chinesische Qing-Vasen: Die Schürsenkel-Falle
    1 von 5

    Das Fitzwilliam Museum im britischen Cambridge ist ein Weltklassehaus, das unter anderem auch wertvolle Vasen aus der Zeit der chinesischen Qing-Dynastie bewahrt. Ein 42-jähriger Besucher schaffte es, über seine gelösten Schnürsenkel zu stolpern, die Treppe hinunter zu fallen und drei Vasen aus der Barockzeit klirrend mit in den Abgrund zu ziehen. Das hat die Überwachungskamera festgehalten. Restauratoren setzten hunderte von Scherben wieder zusammen. Doch die Vasen haben durch den Eingriff in die Originalsubstanz für Wissenschaftler nicht mehr denselben Wert.

    (Foto: Telegraph.co.uk)
    Pablo Picassos „The Dream“: Vom Albtraum zum Happy End
    2 von 5

    2006 machte Steve Wynn weltweit Schlagzeilen, weil er quasi in sein eigenes Picasso-Gemälde fiel und einen hässlichen Riss hinterließ. Der Kasinobesitzer und Sammler hatte vorgehabt, es wenig später für 139 Millionen Dollar in einem Privatverkauf weiterzugeben. Der Deal platzte, der Traum wurde zum Albtraum. Das Bild von Picassos träumender Geliebter wurde aber restauriert und 2013 sogar für 155 Millionen Dollar versteigert. Mehr als der Schaden in der Leinwand wiegt die Geschichte, die der neue Besitzer nun erzählen kann.

    (Foto: Christie's)
    Andy Warhol „Triple Elvis”: Ein Ausrutscher
    3 von 5

    Im Museum of Modern Art in San Francisco rutschte ein Besucher so unglücklich aus, dass er in den „Dreifachen Elvis“ schlitterte. Das Großformat ist ein berühmtes Bild von Andy Warhol, das um die 80 Millionen Dollar wert ist. Es stammt aus der Sammlung von Doris und Donald Fischer. Der Schaden war wohl nicht so groß wie bei Steve Wynns Picasso und konnte gleichfalls restauriert werden.

    (Foto: sfmoma)
    Mr.Zhao „Nick Wilde“: Kindliche Zerstörungskraft
    4 von 5

    Viel Aufmerksamkeit bekam der chinesische Lego-Künstler in den Sozialen Medien. Der Mann mit dem Künstlernamen Mr. Zhao hatte die Disney-Figur Nick Wilde aus tausenden von Legosteinen nachgebaut. In einer Ausstellung in Ningbo, China gelangte ein Vierjähriger hinter die Absperrung. Der kleine Junge zerstörte die Fuchs-Skulptur, die der Künstler in drei Tagen und Nächten mühevoll aufgebaut hatte. Mr. Zhao begann also wieder von vorne.

    (Foto: WEIBO/ALIU)
    Yayoi Kusama „Infinity Mirrors“: Spiegelnde Gefahr
    5 von 5

    Die japanische Künstlerin Yayoi Kusama ist berühmt für ihre fetten Punkte, mit denen sie Alltagsgestände und besonders gerne Kürbisse überzieht. Das Hirshhorn Museum in Washington DC zeigte 2017 die Rauminstallation „Infinity Mirrors“. Ein Besucher zertrat einen Kürbis – beim Selfie-Schießen. Museum und Künstlerin zeigten sich großzügig und ersetzten den Kürbis. Wie angenehm für den Zerstörer.

    (Foto: Ron Cogswell via Flickr)

    Auch in deutschen Museen bringen Besucher Kunstwerke mitunter in Gefahr. Aus Unachtsamkeit wurde einst eine afrikanische Stammesfigur von einem Sockel gestoßen. Laut Markus Keller konnte damals der Schaden mit relativ wenig Aufwand restauriert werden. Die Distanz zu den Kunstwerken sei mit der Zeit auf einigen Messen geringer geworden, beklagen einige Galeristen.

    Mit dem Fingernagel zerkratzt

    Im Getümmel von Vernissagen wird auf Bildern mit mehreren Farbschichten auch schon mal mit dem Fingernagel gekratzt, perfekte Oberflächen werden durch Fingerabdrücke ruiniert. Geredet wird meist nicht darüber. Schließlich will man weder seine Hauskünstler noch seine Kunden vergraulen. Auch aus der aktuellen Ai Weiwei-Ausstellung „Alles ist Kunst – alles ist Politik“ in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf ist bekannt geworden, dass Kinder die Installation „Sunflower Seeds“ als Spielwiese missverstanden haben. Dementiert hat das Museum den Vorfall nicht. Aber die Anmerkung dazu war schmallippig. Eine Sprecherin sagte dazu bloß: „Wir haben die Absperrung verändert.“

    Mehr: Auf der Art Basel breitet die Abteilung für Arbeiten im XXL-Format viel Bekanntes aus. Daneben sind auch Werke weniger prominenter Künstler zu entdecken. Ein Rundgang.

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