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Art Brussels Plattform für neue Galerie-Konzepte

Brüssels traditionsreiche Messe für zeitgenössische Kunst steht in hartem Wettbewerb und leistet sich Experimente. Gesucht werden alternative Geschäftsmodelle für die Zukunft.
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beschwört mit viel Farbe und wüstem Strich eine wilde Jugend. Für das Bild
Jannis Varelas

beschwört mit viel Farbe und wüstem Strich eine wilde Jugend. Für das Bild "Boy in his Room" kamen Öl, Ölkreide, Acryl, Pastell, Gouache und Marker auf Leinwand zum Einsatz.

(Foto: Galerie Krinzinger, Wien)

BrüsselAls ganz achtbar, aber nicht besonders spannend gilt die Art Brussels bei ihren deutschen Nachbarn; schließlich hat man am Rhein die Art Cologne, die 1967 und damit ein Jahr vorher gegründet wurde. Doch während die Kölner die gesamte Kunst ab der Klassischen Moderne abdecken, sind die Belgier schon immer strikt zeitgenössisch.

Als kleinere unter den traditionsreichen Messen - in diesem Jahr nehmen 157 Galerien teil - kann und muss sich die Art Brussels Experimente leisten. Meist spielt sich diese immerwährende Neuerfindung unter dem Radar ab, sieht man einmal von dem Umzug in den ehemaligen Postbahnhof Thurn & Taxis vor drei Jahren ab. Für dieses Jahr hat sich die Messe an ein eine Neuerung gewagt, für die sich etwa die Frieze New York vor einigen Jahren noch die Schelte der gesamten Branche eingefangen hat. Allerdings gehen die Brüsseler die Sache auch etwas durchdachter an und haben dabei nicht nur den Umsatz im Blick.

Des Konkurrenzdrucks ist sich Messedirektorin Anne Vierstraete natürlich bewusst. Gerade die kleineren Veranstalter drohen zwischen der Vielzahl an regionalen Messen und den Global Playern zerrieben zu werden. Daher muss sie immer einen Weg finden, Avantgarde zu bleiben. „Wir haben unseren Sammlern sehr genau zugehört“, erklärt sie, „und festgestellt, dass die Präsentationen in den letzten Jahren nicht so edgy waren. Darum haben wir uns jetzt mehr gekümmert.“ Die Zahl der „Discovery“-Galerien mit junger Kunst wurde erhöht. Selbst Aussteller ohne vergünstigten „Solo“-Stand bringen oft nur eine oder zwei Positionen mit.

In der Sektion „Invited“ hat die Messeleitung (nicht das Zulassungskomitee) neun alternativen Galerieformaten Carte Blanche gegeben. Die Idee dahinter ist, den tiefgreifenden Wandel der Branche aufzugreifen und den verschiedenen Formaten ein Forum zu geben, die versuchen, das unter Druck geratene Geschäftsmodell der Kunstgalerie in das globalisierte Post Internet-Zeitalter zu führen.

Als Ergebnis sind die unterschiedlichsten Herangehensweisen zu sehen, von kooperativen Ausstellungsräumen mehrerer klassischer Galerien, über nomadische Galerien bis hin zu nicht einmal zu benennbaren Formaten, die selber als Konzeptkunst durchgehen könnten.

erweckt eine alte, insbesondere in Belgien beheimatete Handwerkskunst zum neuen Leben. Ihre Tapisserie, ausgeführt von Flanders Tapestries aus dem belgischen Wielsbeke ist über 4 Meter breit. Quelle: Galerie Nathalie Obadia, Brüssel, VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Laure Prouvost

erweckt eine alte, insbesondere in Belgien beheimatete Handwerkskunst zum neuen Leben. Ihre Tapisserie, ausgeführt von Flanders Tapestries aus dem belgischen Wielsbeke ist über 4 Meter breit.

(Foto: Galerie Nathalie Obadia, Brüssel, VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Als „La Maison de Rendez-Vous“ haben sich Anfang des Jahres zunächst vier Protagonisten aus vier Kontinenten in Brüssel zusammengefunden, die gar nicht einmal Emerging Artists ausstellen, sondern Positionen, denen sie mehr Aufmerksamkeit verschaffen wollen. Der umtriebige Kurator und Berater Chris Sharp etwa zeigt Arbeiten des New Yorkers Michael Berryhill, der zwar schon Ende 40 ist, aber in seiner Heimat noch immer als Artists' Artist gilt, also als Künstler, der vor allem unter Kollegen Bedeutung und Einfluss besitzt und weniger auf dem Markt. Die zum Teil winzigen Pastelle und Gemälde sind denn auch zu Preisen zwischen 800 und 6.500 Dollar zu haben. Gerade in New York wird schon für Werke von Akademieabgängern in der Regel ein Vielfaches aufgerufen.

Mit dem Kunstmarkt und dem Galeriesystem spielt „Paid by the Artist“. Der Antwerpener Simon Delobel hatte seine letzte Galerie gerade geschlossen, als die Messe ihm einen „Invited“-Stand für 4.000 Euro anbot. Kurzerhand fragte Delobel den Künstler Yannick Gansemann, der zum Zeitpunkt des Anrufs gerade zu Besuch war, ob er nicht eine Idee habe. So entstand die imaginäre Galerie, deren Name Programm ist und die auf der Messe das Atelier des Künstlers nachbildet. Nach der Messe soll die Galerie wieder schließen, da jede neue Galerie zunächst jeweils nur für eine Ausstellung existiert. Der (Ex)-Galerist vergleicht seine Spielstätten mit Blumen, die einmal aufblühen. Für Mai ist schon die Sysiphos Gallery am alten Ort geplant.

Ein Stockwerk mehr oder weniger (Köln), Mietpreisbremse für junge Galerien (Basel) und andere Retuschen mögen das etablierte Betriebssystem und die Messen noch ein wenig über die Zeit retten. Modelle für die Zukunft werden eher an Orten entwickelt, an die man vielleicht nicht zuerst denkt - wie eben in Brüssel.

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