Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Art Cologne Köln im Steigflug

Die Art Cologne zeigt sich in diesem Jahr so stark wie schon lange nicht mehr. Der Kunstfreund schlendert in der Deutzer Halle 11 durch 100 Jahre Kunstgeschichte - auf hohem Niveau und in allen Preisklassen. Kunst zur Fliegerei und Vulkanen lässt sich auch finden.
Kommentieren
Islands Vulkane schleudern Dampf, Lava und Asche in die Luft. 1982 hat Bernd Koberling seine Eindrücke in

Islands Vulkane schleudern Dampf, Lava und Asche in die Luft. 1982 hat Bernd Koberling seine Eindrücke in "Vulkanischer Raum" geschildert. Die Galerie Gmyrek stellt das Gemälde auf der Art Cologne aus.

KÖLN. So aufgeräumt und so gut aufgestellt sah die Art Cologne schon lange nicht mehr aus. Die gestern Abend eröffnete Mutter aller Messen für zeitgenössische Kunst spielt ihre Trumpfkarten souverän aus. In Halle 11.2. hat der vor zwei Jahren berufene Direktor Daniel Hug die historisch und finanziell gut eingeführte Kunst der Klassischen Moderne, der Nachkriegszeit und der sechziger Jahre platziert. Da gibt es dieses Jahr eindeutige Schwerpunkte. Sie liegen bei den facettenreich präsentierten deutschen Künstlern des Action Painting (das hierzulande Informel heißt) und der Zero-Gruppe (Uecker, Piene, Mack). Eine Etage drüber kann sich die ganz junge, inzwischen wieder realistisch bewertete Kunst in Kojen wie in dem erfolgreichen "Open Space", einer offenen Ausstellungsplattform, ausbreiten. Die Art Cologne bietet somit einen Gang durch 100 Jahre Kunstgeschichte auf hohem Niveau und in allen Preisklassen. Dass Hug das gravierende Gefälle unter den Ausstellern beseitigt hat, danken ihm die renommierten Rückkehrer: darunter die Galerien von Johnen, Rüdiger Schöttle, Sprüth Magers, Karsten Greve sowie Eigen + Art.

Museumswürdige Klassiker

Die vor zwei Jahren ins Trudeln gekommene Messe braucht im zweiten Jahr ihrer Runderneuerung keinen internationalen Vergleich zu scheuen. Hier findet der Kunstfreund das, was er erwartet, aber auch das, was ihn überrascht, etwa bei den Sonderständen "New Positions" mit ganz junger Kunst. Zu den teuersten, musealen Werken zählen Edvard Munchs "Sitzende Frau" am Stand der Galerie Thomas, deren Messepreis mit 9,5 Mio. Euro angegeben wird. Die Kirchner-Experten und-Nachlassverwalter Henze & Ketterer warten mit einem faszinierenden Aktgemälde von Ernst Ludwig Kirchner auf. "Harem" hat er 1922 in Davos gemalt. Es soll 3,35 Mio. Euro kosten. Andy Warhols mit Diamantstaub überzogene "Cologne Cathedral" bietet Heinz Holtmann für einen siebenstelligen Preis an. Das atelierfrische Großformat "Kontrolle" von Neo Rauch kann der Liebhaber bei Eigen + Art für 600.000 Euro erwerben.

Bordwand wird Skulptur

Aber es lassen sich überall erstaunlich moderat bewertete Entdeckungen machen. So stellt Sprüth Magers den jungen Bildhauer Michail Prigelis aus, der Skulpturen aus Flugzeugteilen baut. Aus Ihrem Zusammenhang gelöst, verfremdet und zu räumlichen Gebilden montiert, erinnern Sitzbezüge und Außenwandteile, eine verkapselte Küche oder Ablagen an den Traum vom Fliegen und seine begrenzte Haltbarkeit. Gerade nach Tagen, an den der europäische Flugverkehr zum Erliegen gekommen ist, ein nachdrückliches Statement. Die Preise für Pirgelis? Skulpturen liegen bei 6.500 und 7.000 Euro.

Zeichnungen im Vormarsch

Dass man für junge Kunst nicht viel Geld in die Hand nehmen muss, zeigt die Berliner Galerie Kuttner und Siebert mit Zeichnungen und Skulpturen von Judith Schwinn, die bei 650 bis 850 Euro liegen. Die Spuren von ganz dünnen Gel-Pens und Kreideflocken führen zu abstrakten, stark farbigen Notaten, die poetisch, heiter und leicht sind. Genauso wie ihre fragilen Skulpturen, die in den Raum hineinragen, Schatten werfen und Assoziationsräume auftun durch kleine Gestalten, die aus Blüten und ähnlich Empfindlichem gebaut sind (600-800 Euro). Und noch eine Zeichnerin aus der "New Positions"-Reihe bleibt im Gedächtnis haften: Nina Annabelle Märkl verräumlicht ihre mit feiner Feder gezogenen Alltagsfiguren in Aktenschrank-Schubladen, die sie mit Glas verschließt. Bei Six Friedrich und ihrem Sohn Max Weber kosten diese attraktiven Kästen zwischen 2.300 und 4.200 Euro.

Kunst und Vukanlandschaften

Der vulkanaschebedingte Stillstand im Luftverkehr hat die internationale Messe in Köln kaum tangiert. Der Künstler Jeppe Hein konnte nicht zu einer Gesprächsrunde anreisen, das eine oder andere Werk hängt fest und wurde für die Standpräsentation durch ein anderes ersetzt. Das Sinnbild zu dieser geologisch-meteorologischen Sondersituation hängt bei Wolfgang Gmyrek am Stand. Der Berliner Maler Bernd Koberling hat Island immer wieder besucht und seine speienden Vulkane in rotglühende Bilder gepackt. "Vulkanischer Raum" aus dem Jahr 1982 wurde in vielen Ausstellungen gezeigt, u.a. in der "Zeitgeist"-Schau 1982. Jetzt soll es 90.000 Euro kosten.

www.artcologne.de

Startseite

0 Kommentare zu "Art Cologne: Köln im Steigflug"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote