Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Art Paris & Parcours des Mondes Pariser Kunstmessen trotzen Corona

Nach monatelanger Zwangspause: Die Kunstmesse „Art Paris“ und der Rundgang „Parcours des Mondes“ haben stattgefunden und tatsächlich auch verkauft.
17.09.2020 - 17:53 Uhr Kommentieren
Ein Messebesucher sieht sich auf der Art Paris um. Quelle: Xinhua / eyevine / laif
Strenge Maskenpflicht

Ein Messebesucher sieht sich auf der Art Paris um.

(Foto: Xinhua / eyevine / laif)

Paris Mit der Absage der zeitgenössischen Kunstmesse „Fiac“ am Montagabend bleibt die „Art Paris“ die einzige Gegenwartskunstmesse, die der Corona-Pandemie trotzte. Die Messe fand vom 10. bis 13. September im Grand Palais statt, zeitgleich mit dem „Parcours des Mondes“, dem außereuropäischen Kunst-Rundgang durch das Galerienviertel Saint-Germain-des-Près. Der europäische Kunstmarkt atmete auf, Händler. Sammler und Neugierige führten nach monatelanger Zwangspause endlich wieder Fachgespräche – und es wurde tatsächlich auch gekauft.

An der „Art Paris“ nahmen 112 Galeristen aus 15 Ländern teil, die – laut Berechnung der Organisatoren – von fast 57.000 Besuchern profitierten. Die zweitgrößte Pariser Messe verfügt seit 21 Jahren über eine solide lokale Basis, die etwa vergleichbar mit der der Art Cologne ist. Ihr 54-jähriger Generalkurator Guillaume Piens bezeichnet die Verankerung der „Art Paris“ seit seiner Nominierung vor acht Jahren als „kosmopolitischen Regionalismus“.

Piens lancierte diesmal das Wort „Widerstand“, den die Aussteller und Organisatoren der Messe seiner Meinung nach leisteten: Widerstand gegen die Angst vor der Virusansteckung und Teilnahme trotz des strengen Maskenzwangs, trotz Abstandsregelung und der Beschränkung auf maximal 3000 Besucher gleichzeitig, trotz der Sorge über eine drohende Quarantäne nach der Messe. Nicht zu unterschätzen ist auch der Mut, die Messe zu wagen – trotz des enormen finanziellen Risikos für alle Beteiligten.

Bei Standkosten von 585 Euro pro Quadratmeter (ohne Mehrwertsteuer), was in etwa einen Mindestaufwand von 30.000 Euro bedeutet (mit Ausnahme von 14 jungen Galerien, denen eine Ermäßigung zugesagt wurde), war der Einsatz für manche Galeristen ein Wagnis, das die Existenz ihrer Galerie im kommenden Jahr bedrohen könnte. Denn trotz insgesamt guter Verkäufe konnten viele nur gerade ihre Kosten decken. Aber nicht alle.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Um diese „Post-Lockdown-Messe“ überhaupt zu ermöglichen und den Glaskuppelbau des Grand Palais zu füllen, akzeptierte die „Art Paris“ diesmal auch viele unbekannte Galerien, was ebenso viele Entdeckungen wie Enttäuschungen garantierte. Typisch für die daraus resultierende Situation ist es, dass das vermutlich teuerste Werk der Messe, „Space Battle I“ von 1999, mit 1,2 Millionen Euro beziffert, von dem französischen Street-Artist Invader stammt, der weltweit seine charakteristischen Mosaikkeramiken auf Hauswände klebt. Sein Galerist Ange Basso, Paris, bedient vorwiegend Käufer in Asien und den USA.

    „Nkissi-Nkondo“ soll Böses abwehren (Ausschnitt). Quelle: Galerie Bernard Dulon
    Nagel-Fetisch aus dem Kongo

    „Nkissi-Nkondo“ soll Böses abwehren (Ausschnitt).

    (Foto: Galerie Bernard Dulon)

    Die meisten Transaktionen bewegten sich im Preisrahmen von 500 bis 20.000 Euro, wobei die internationalen Galeristen (Nathalie Obadia, Daniel Templon, Perrotin, Lahumière) auch Werke von bekannten französischen Künstlern bis oder über 100.000 Euro abgaben. Neben der gezielten Förderung der französischen Szene waren auch Positionen der Iberischen Halbinsel angesagt. Die beiden Pariser Traditionsgalerien Jeanne Bucher Jaeger und Claude Bernard setzten sich besonders für die jungen oder bereits anerkannten portugiesischen und spanischen Künstler ein.

    Véronique Jaeger, die in dritter Generation die 1925 gegründete Galerie Jeanne Bucher Jaeger leitet, konnte fünfzehn Werke von Miguel Branco zu Einsteigerpreisen abgeben. Während der 93-jährige Claude Bernard unter anderem bestechend schlichte Gemälde und Gouachen des Spaniers Luis Fernández zeigte – die nicht alle verkäuflich waren, was ein Besucher besonders goutierte: „Ein Galerist, der nicht nur ans Geschäftemachen denkt“, lautete der Kommentar. Wie ein Museumsvorgeschmack war auch die Nachbarkoje von Marc Domènech (Barcelona) mit Meistern der Moderne.

    Galeristin fühlt sich übergangen

    Weniger glücklich war die der geometrischen Abstraktion gewidmete Galerie Oniris aus Rennes, die Werke der 1924 geborenen Vera Molnar (bis 36.500 Euro) auffuhr. Dagegen setzte die ähnlich ausgerichtete Pariser Galerie Lahumière auf historische Gemälde von August Herbin und Alberto Magnelli (bis 320.000 Euro), die ein finanzstarker Käufer übernahm.

    Ihre Kollegin Florence Wagner (Le Touquet und Paris), die zwar knapp kostendeckend arbeitete, war persönlich betroffen, weil man Brigitte Macron, die Gattin des französischen Staatspräsidenten, begleitet von Kulturministerin Roselyne Bachelot, nicht an ihren Stand führte, obwohl die Familie der „ersten Dame Frankreichs“ seit Jahren ein Haus in Le Touquet besitzt. So, wie auf der „Abu Dhabi Art“ die Königsfamilie nur wenige Messestände beehrt, führte der Pariser Generalkurator der Messe seine hohen Gäste lediglich zu den sechs bekanntesten Galerien.

    Spaziergang durch die Welt

    Der Kurator umging auch den großen, stimmigen Stand von Robyn Kelch (Galerie Artkelch, Freiburg im Breisgau), die bestens ausgewählte australische Aborigines-Kunst ausschließlich in selbst verwalteten Künstlerzentren erwirbt. Ihr Pariser Kollege Stéphane Jacob stellt gleichzeitig auf der „Art Paris“ und im Rahmen des „Parcours des Mondes“ aus.

    Die vom Herausgeber der Zeitschrift „Tribal Art“, Pierre Moos, geleitete 19. Ausgabe des „Spaziergangs durch die Welt“ vereinte 42 Galeristen aus Frankreich, Italien, Belgien und Spanien, mit einem wie üblich qualitativ und preislich weitgespannten Angebot.

    Das Spektrum reichte von Bernard Dulon, Paris, der einen kongolesischen Fetisch Nkissi-Nkondo mit vielen Metallteilen im Torso für 280.000 Euro ausstellte, bis zu Stücken ab 200 Euro. Das Hauptkontingent stellte die afrikanische Kunst, gefolgt von Ozeanien (Anthony Meyer, Franck Marcelin) sowie Ägypten (Antonia Eberwein, Galerie Cybele) bis Alaska (Galerie Flak) und Asien.

    Leichte, mit farbigem Lack getönte Bambuskörbe offerierte die Galerie Mingei Japanese Arts. Didier Claes aus Brüssel hatte eine besonders kostbare Maske der Ethnie Dan (Elfenbeinküste) bereits vor Messebeginn verkauft. Ebenso Charles-Wesley Hourdé, der seine Pariser Galerie mit Dan-Objekten (Masken, Löffel) bestückte und dank eines Spezialkatalogs bereits vor der Eröffnung die beste Maske abgeben konnte.

    In den engen Straßen von Saint-Germain-des-Près gingen die Interessenten zwar nicht dicht an dicht nebeneinander, aber alle Händler äußerten sich zufrieden über das Wiedersehen mit den Sammlern und die getätigten Verkäufe. Pierre Moos, Eigentümer und Betreiber des „Parcours des Mondes“ , sagte dem Handelsblatt: „Ich habe bewiesen, dass die Franzosen kamen, schauten und kauften. Niemals wird man den physischen Kontakt, das Riechen und Berühren eines Sammelstücks ersetzen können!“

    Mehr: Halbjahresbilanz: Für die Pariser Auktionshäuser ist die Saison nicht gut gelaufen

    Startseite
    Mehr zu: Art Paris & Parcours des Mondes - Pariser Kunstmessen trotzen Corona
    0 Kommentare zu "Art Paris & Parcours des Mondes: Pariser Kunstmessen trotzen Corona"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%