Art Stage Singapore Knalliges bevorzugt

Eine Kunstmesse unter dem Slogan „We are Asia“ klingt mehr als gewagt – zu zerklüftet wirken die Nischenmärkte in Fernost. Doch die „Art Stage“ in Singapur darf selbstbewusst sein: Sie ist ein Geheimtipp unter Sammlern.
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Entang Wiharso: Das Großformat „Rejected Landscape“ wirkt wie im Traum geschaut. Quelle: Arndt Contemporary Art GmbH & Co Quelle: ARNDT Contemporary Art GmbH & Co

Entang Wiharso: Das Großformat „Rejected Landscape“ wirkt wie im Traum geschaut.

Quelle: Arndt Contemporary Art GmbH & Co

(Foto: ARNDT Contemporary Art GmbH & Co)

SingapurMit ihrer dritten Ausgabe ist die Kunstmesse "Art Stage Singapore" bereits die Drehscheibe für zeitgenössische Kunst aus Südostasien. Bis 27. Januar stellen 120 Galerien und 600 Künstler im Hotel Marina Bay Sands aus, wo Messeleiter Lorenzo Rudolf 35.000 Besucher erwartet. Zur Vernissage kam ein überwiegend junges, asiatisches Publikum, aber vereinzelt auch Sammler aus Europa und den USA.

Der Schweizer Lorenzo Rudolf will mit der Art Stage Singapore den südostasiatischen Künstlern und Sammlern ein Forum öffnen, "über die nationalen Kunstmärkte hinaus eine Gesamtübersicht bieten beziehungsweise erweitern", wie Rudolf erklärt. Trotz des griffigen Messeslogans "We are Asia", räumt Rudolf ein, dass es Asien gar nicht als künstlerische Einheit gebe, sondern immer nur Nischenmärkte.

Im Finanzzentrum Singapur treffen Sammler und Künstler auch direkt aufeinander. Die dritte Singapur-Messe stellt die indonesische Kunstszene besonders heraus und unterstützt die Initiative von mehr als 30 indonesischen Künstlern, indem sie ihnen eine ganze Zone des Messeraums für Großskulpturen, Installationen und Gemälde zur Verfügung stellt, die verkäuflich sind. Ohne die direkte Intervention von Galeristen.

Hochinteressante Arbeiten von relativ unbekannten Künstlern treffen hier auf andere, die bereits durch Ausstellungen in Galerien und Museen bekannt sind.

Matthias Arndt etwa zeigt an seinem großen Messestand nur Indonesier, während er in seiner soeben eröffneten Galerie im neuen Kulturareal von Singapur, den Gillman Barracks, Otto Piene, Heinz Mack und Zero bekannt macht. Entang Wiharso profitiert mit seinen Wandskulpturen vom Wiedererkennungseffekt, Arndt hängt auf der Messe aber auch eine Riesenleinwand des Indonesiers, die 85.000 Euro kosten soll. Arndt stärkt mit seiner neuen Galerie seine ganz persönliche Axe Berlin-Singapur-Melbourne. Der Berufsnomade ist überdies davon überzeugt, dass der Kunstmarkt in Hongkong, Singapurs Konkurrent in Asien, nicht weiter entwickelt sei als der des Stadtstaats. Die Hongkong Messe ist westlich orientiert, wogegen in Singapur 78 Galerien aus Südostasien kommen, davon 18 aus Singapur. Zwölf Galeristen reisten aus Australien an, der Rest aus China, Korea und Japan. Weiter findet man 27 Europäer, drei US Galerien und zwei aus Israel.

Die internationalen Großgalerien zeigen ihr Programm, meist ohne auf die lokale Szene einzugehen, wie White Cube (London), Emmanuel Perrotin (Paris-Hongkong), Pearl Lam (Schanghai-Hongkong), Jablonka (Zürich, nur mit Andy Warhol) oder Opera Gallery, die mit elf Niederlassungen und einem Auktionshaus in Dubai Künstler wie Marc Quinn, David Mack oder den Fotografen Gérard Rancinan anbietet. Nach dem Misserfolg der letzten Dubai-Auktion mit dem Pariser Auktionator Millon und der peinlichen Provenienz-Angabe eines Gemäldes von Moise Kisling mit "Sammlung Beltracchi" sucht Leiter Gilles Dyan derzeit einen anderen Auktionspartner "von internationalem Format".

Interessante Werke im unteren Preissegment

Suraji: „Don't Occupy My Ground“ ist ein Hingucker auf der Art Stage Singapur. Quelle: studionomaden.com Quelle: AKA Asia

Suraji: „Don't Occupy My Ground“ ist ein Hingucker auf der Art Stage Singapur.

Quelle: studionomaden.com

(Foto: AKA Asia)

Bei Perrotin kann sich der Messebesucher ein kleines, rundes Porträt beim japanischen Malerstar Takashi Murakami bestellen - ab 70.000 Euro. Robbie Antonio, ein smarter asiatischer Topsammler in den Dreißigern, ließ sich dort konterfeien. Aber jeder Mensch hat viele Gesichter, drum bestellte Antonio kurz entschlossen am Stand der Galerie Zemack (Tel Aviv), die Porträtgemälde des Franzosen Philippe Pasqua mit großer Geste vorstellt, ein weiteres Porträt von sich. Der Preis für das zweite Bildnis dürfte günstiger sein und bei rund 40.000 Euro liegen.

Yue Minyun ist der chinesische Meister des vielfach variierten Selbstporträts, der mit seinem hämischen Lachen zu Weltruhm gelangt ist. Der Berliner Michael Schultz hat Yue, der gerade in Paris eine Einzelausstellung hat, im Gepäck. Schultz stellt gemeinsam mit der norwegischen Galerie S.E. (Bergen) aus und erwartet für die Gemälde von Yue Minyun zwischen 400.000 bis eine Million US-Dollar. Schultz spricht ganz offen über die Übergangsphase des Chinesen, dessen aktuelle Experimente er für ziemlich misslungen hält. Auf den schnellen Wiedererkennungseffekt setzen auch die grellen Mao-Variationen nach Andy Warhol von Tom Sanford, die Schultz und S.E. für je 5.000 US Dollar anbieten.

Selbstverständlich ist nicht alles Gezeigte dieser Art Stage Singapore ästhetisch, erfreulich, sozialpolitisch interessant oder geistig anregend. Epigonentum, Wiedererkennungswerte und Varianten sind zwar die Ingredienzien der Kunstgeschichte, auf dieser Messe zählen sie jedoch häufig zu den schrägen Produktionen, die unser europäisches Empfinden gern als schlechten Geschmack einstuft. Zwar will Lorenzo Rudolf geschmackbildend und erzieherisch wirken, meinen einige Galeristen, doch mit Glitzereffekten und greller Farbgebung könnte man eben Geschäfte machen.

Apropos: Gleich zur Vernissage liefen die Verkäufe erstaunlich gut - dank der Kauflust vieler Sammler und Kunstberater.

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