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Artur Walther Der Wallstreet-Banker als Museumsdirektor

Seine Karriere als Wall-Street-Banker hat Artur Walther gegen sein eigenes Museum getauscht. Mit 45 Jahren startete er ein neues Leben als Fotosammler, der seine Bilder auf Reisen kauft.
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Museumsgründer Artur Walther hängt die Bilder gern selbst. Quelle: Orla Conolly/Walther Collection

Museumsgründer Artur Walther hängt die Bilder gern selbst.

(Foto: Orla Conolly/Walther Collection)

New YorkEigentlich könnte sich Artur Walther wie so mancher andere amerikanische Multimillionär im Ruhestand auf Benefizauktionen tummeln oder seinen Namen in großen Lettern an Museumsflügeln oder Hospitälern bewundern. Aber der gebürtige Deutsche, der einst als Wall-Street-Banker Karriere machte, bevorzugt, weiterhin selbst Hand anzulegen.

Er sei müde, lächelt Walther, seit sieben Wochen habe er kein freies Wochenende mehr gehabt. Das ist dem drahtigen, kahlrasierten 62-Jährigen in Jeans und weißem Oberhemd nun überhaupt nicht anzusehen. Im Gegenteil, der prall gefüllte Terminkalender scheint den New Yorker Großsammler afrikanischer und chinesischer Fotografie eher anzufeuern.

Für sein Schlafdefizit ist der Anfang April in einem weitläufigen Studiogebäude in Chelsea eröffnete „Walther Collection Project Space“ mitverantwortlich. Keine Lauflage, hierher verirrt sich niemand. Trotzdem sorgt die erste amerikanische Soloshow der südafrikanischen Fotografin Jo Ractliffe „Die Lande am Ende der Welt“ (As Teras do Fim do Mundo) im kunstgesättigten New York für Schlagzeilen (bis 15. August).

Als ich Walther im „Project Space“ besuche, ist gerade auch Okwui Enwezor zugegen, künftiger Chef des Münchener Hauses der Kunst. „Wir sind befreundet“, erklärt Walther, zusammen seien sie durch Afrika gereist. Enwezor beriet ihn beim Aufbau der Sammlung. Enwezor ist sicher einer der besten Kenner der afrikanischen Fotoszene. Die von ihm 1996 im New Yorker Guggenheim Museum besorgte Show „In/Sight: African Photographers, 1940 to the Present“ trat eine ganze Lawine los.

Ractliffe sei eigentlich bekannt für ihre Aufnahmen mit simplen Spielzeugkameras, erklärt Enwezor. Aber in dieser neuesten Serie setzte sie eine traditionelle Großbildkamera ein und zog die Fotos in historischer Manier schwarz-weiß ab. „Schwarz-Weiß sorgt für eine gewisse Intimität und auch Distanz“, sagt Enwezor. Die auf den ersten Blick schönen Platinabzüge geben nur nach genauer Betrachtung das Grauen frei: Sie zeigen die über 20 Jahre vom Bürgerkrieg verwüstete Landschaft in Angola.

Gleichzeitig kümmert sich der gebürtige Schwabe Walther im kontinentalen Spagat auch um sein „Walther Collection“ genanntes Museum im dörflichen Neu-Ulmer Stadtteil Burlafingen. Dieser rundum ungewöhnliche Ausstellungsort wurde im letzten Juni eröffnet. Auf etwa 1.000 Quadratmetern bereitet Walther seine umfangreiche Sammlung in Langzeitausstellungen thematisch auf. Er kümmert sich um jedes Detail und findet: „Das ist doch der Spaß daran.“

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