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Asia Week Rückblick Ein göttlicher Glücksgriff: 2,1 Millionen Dollar für ein Bronzefigürchen

Bei der Asiatikawoche in New York hat Sotheby’s mehrere Millionen Dollar für eine Bronzegottheit erzielt. Der Einlieferer hatte dafür 100 Dollar bezahlt.
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Die abstrahierten Bäume des indischen Malers, Dichters und Kommunisten spielten 112.500 Dollar ein. Quelle: c. Sotheby’s
Jagdish Swaminathan

Die abstrahierten Bäume des indischen Malers, Dichters und Kommunisten spielten 112.500 Dollar ein.

(Foto: c. Sotheby’s)

New YorkEine schwächelnde Wirtschaft und auch neue verschärfte Einfuhrbestimmungen in China machten hier und da der New Yorker Asiatikawoche zu schaffen. Einige der fast 50 internationalen Händler, die sich zum zehnten Mal im März unter dem Schirm „Asia Week New York“ zusammenfanden, beklagten das Fehlen asiatischer Käufer, die in den vergangenen Jahren stets durch die Galerien schwärmten. Dafür sprangen bei einigen ihrer Kollegen US-Institutionen in die Bresche.

Zum Kaufen oder Bestaunen gab es über elf Tage lang viel: neben einem ungewöhnlich großen Angebot an Japonika und zeitgenössischer chinesischer Kunst auch etwa antike indische Waffen (Runjeet Singh, Warwickshire) oder islamische Antiquitäten (Alexis Renard, Paris).

In den Auktionen dominierte dagegen wie gewohnt Altchinesisches, gestützt von Sammlern und Händlern aus dem Großraum China, mit überraschend soliden Ergebnissen, Christie’s erzielte in acht Live-Auktionen sehr starke 79,3 Millionen Dollar mit einer hervorragenden durchschnittlichen Absatzquote von 87 Prozent. Sotheby’s nahm für ebenfalls acht Auktionen 45,7 Millionen Dollar ein, das magerste Ergebnis der letzten Jahre.

Entdeckt bei einer Haushaltsauflösung

„Es ist ein sehr gut informierter Markt“, befand der Londoner Tophändler Giuseppe Eskenazi gegenüber dem Handelsblatt. Überteuertes oder vorher bereits dem Handel Angebotenes hatte da wenig Chancen. Wenn aber günstig taxierte Lose an die Reihe kamen, gab es kein Halten mehr. In Sotheby’s „Important Chinese Art“ am 20. März bewarben sich mindestens zehn Bieter im Saal und an den Telefonen um ein seltenes 17 Zentimeter hohes vergoldetes Bronzefigürchen der beliebten chinesischen Gottheit Cintamanicakra Avalokitshvara der späteren Tang-Dynastie.

Die Taxe lag bei 60.000 bis 80.000 Dollar, nach Händlermeinung lächerlich niedrig, aber offenbar hoch genug für den Einlieferer aus Missouri, der das Stück vor fast 20 Jahren für noch nicht einmal 100 Dollar bei einer Haushaltsauflösung entdeckt hatte. Der Hammer fiel erst bei 2,1 Millionen Dollar brutto.

Ansonsten punkteten „Werke von Topqualität mit wichtigen Provenienzen“, so Bonhams US Head Asian Art, Dessa Goddard. Bonhams bot da 26 marktfrische Objekte aus der Sammlung von Virginia Hobart (1876—1958) aus San Francisco an. Die Erbin eines Vermögens aus Edelmetallminen hatte selbst Anfang des 20. Jahrhunderts nach dem Fall der Qing-Dynastie in China eingekauft. Nicht alles entsprach heutigem Geschmack, neun Lose blieben liegen, aber ein seltenes Paar Schälchen (Yongzheng-Marke und -Periode, 1722—1735), fein mit braunen Wachteln und rosa Chrysanthemenblüten bemalt, sprang von erwarteten 300.000 Dollar auf etwas über 1 Million Dollar.

Unerwarteter Spitzenreiter der Woche wurde bei 4,6 Millionen Dollar (Taxe 800 000/1,2 Millionen) eine zehn Meter lange, erstaunlich gut erhaltene Handrolle aus dem Jahr 1516 bei Christie’s. In 14 schön kalligraphierten Gedichten an seinen Neffen beschrieb der Hofbeamte Li Dong‧yang ihr gemeinsames Hobby, das Bambuspflanzen.

Das Werk entstand im Mittelalter in der Yuan-Ming-Dynastie. Quelle: Christie’s Ltd,. 2019
„Jun Jardinière No 3“

Das Werk entstand im Mittelalter in der Yuan-Ming-Dynastie.

(Foto: Christie’s Ltd,. 2019 )

Einen Großteil der Einnahmen (allein 31,3 Millionen Dollar) verdankte Christie’s dem zu mehr als dem Doppelten der Erwartung abgesetzten Nachlass des 2016 verstorbenen Unternehmers Herbert Irving, Mitgründer des texanischen Konglomerats Sysco. Die 283 Lose waren nicht nur Reste einer über 50 Jahre breit angelegten panasiatischen Sammlung – über 1 300 Highlights wurden 2015 bereits ans Metropolitan Museum geschenkt –, sondern auch der übrige Hausrat aus dem Fifth-Avenue-Apartment, wie europäische Möbel, Lampen und Teppiche. Nur drei Lose gingen zurück.

Am teuersten wurde eine milchiggrüne Jadeschale mit zwei geschnitzten Fischen zu 2,9 Millionen Dollar, die unter Kaiser Qianlong 1786 nach einem Bronzevorbild aus der Han-Dynastie entstanden war. Nach zähem Gefecht fiel sie an einen jungen asiatischen Mann am Handy. Den zweithöchsten Preis des Abends zahlte die Londoner Handlung Eskenazi, ziemlich günstige 1,93 Millionen Dollar (Taxe 2 – 3 Millionen Dollar) für die extrem seltene, fast 50 Zentimeter hohe vergoldete Bronze eines stehenden Acuoye Guanyin aus dem Dali-Königreich (12. Jahrhundert).

Comeback der japanischen Kunst

Ein Comeback machte die im Vergleich zu Altchinesischem erschwingliche japanische Kunst. Der schwächelnde Markt bewog Christie’s vor fünf Jahren, sie nur noch online anzubieten, später wurde sie der „Classic Week“ im April angedockt.
Aber inzwischen werde japanische Kunst, und da vor allem Metallarbeiten, von neuen Käufern etwa aus Hongkong, Taiwan und China geschätzt, sagt Takaaki Murakami, Abteilungsleiter in New York.

Auch japanische Farbholzschnitte waren in dieser Saison ungewöhnlich zahlreich vertreten. Bonhams stellte sogar eine eigene Auktion zusammen, die erste seit über zehn Jahren. Kernstücke waren 98 Blätter vom 19. bis ins frühe 20. Jahrhundert aus der Sammlung des im vergangenen Jahr verstorbenen Bostoner Physikers Bertram Malenka und seiner Frau Ruth. Sie hatten früh, schon seit den 1940er-Jahren gekauft, das interessierte auch eine ganze Reihe internationaler Händler. Die Sammlung spielte allein 1,9 Millionen Dollar ein, nur ein Los wurde nicht abgesetzt.

Drüben bei Sotheby’s wird japanische und koreanische Kunst weiterhin ignoriert. Man werde nur bei außergewöhnlichen Sammlungen eine Ausnahme machen, so ein Sprecher.

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