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Asiatika-Auktionen 22 Chinesen kämpfen um ein Bronzebecken

Koller erzielte mit einem chinesischen Bronzegefäß fast 5 Millionen Schweizer Franken. Die Bilanz der deutschsprachigen Asiatika-Versteigerer sieht nüchterner aus. Chinakunst bleibt aber ein unverzichtbares Geschäft.
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Diente den Vorbesitzern als Aufbewahrungsort für Tennisbälle. Quelle: Koller
Weihrauchbrenner mit Griffen in Form von Phönixen

Diente den Vorbesitzern als Aufbewahrungsort für Tennisbälle.

(Foto: Koller)

München Als Hoffnungszeichen für einen neuen Aufschwung der Auktionen mit chinesischer Kunst ist der Erlös von 4,8 Millionen Schweizer Franken (alle Erlöse inkl. Aufgeld) für einen Weihrauchbrenner Anfang Juni in Kollers Asiatika-Auktion erzielt, nicht zu bewerten. Aber dieser Einsatz für das reich dekorierte Zierstück mit fantasievollen Henkeln in Form eines Phönix ist erneut ein sensationelles Ergebnis weit über Europa hinaus.

Es zeigt, dass Chinas Sammler immer noch enorme Summen in besondere Kunstwerke investieren. Vermutlich stammt die Bronze aus der Zeit um 1700, aus einer kaiserlichen Werkstatt. Und sie erzählt andererseits davon, dass in Europa immer noch Schätze schlummern. Die Vorbesitzer schätzten das Familienerbstück gering und bewahrten darin ihre Tennisbälle auf.

Als Koller das auf 50.000 bis 80.000 Franken taxierte Bronze-Becken in Zürich aufrief, hatten sich 22 Chinesen und der Londoner Händler Giuseppe Eskenazi telefonisch zuschalten lassen. Ungeduld herrschte im Saal. Ein Bieter setzte lauthals und ohne die üblichen Steigerungen abzuwarten sein Gebot von 500.000 Euro ab. Den atemberaubenden Zuschlag erhielt letztlich ein privater Telefonbieter aus dem Reich der Mitte.

Nur 50 Prozent Umsatz

Das Schweizer Auktionshaus Koller konnte in seiner Asiatika-Auktion, in der auch Kunst aus Japan und Südostasien angeboten wurde, weniger als 50 Prozent absetzen, aber mit 180 verkauften Losen einen Gesamtumsatz von 6,5 Millionen Schweizer Franken einfahren. Doch der Abstand zwischen dem numerisch schwergewichtigen Top-Los und der nächsten Preiskategorie ist groß.

Den zweithöchsten Erlös fuhr mit 98.000 Franken eine Bronzefigur des Buddhas Shakyamuni aus dem 15. Jahrhundert ein, gefolgt von einem honiggelben Nashornbecher aus dem 17. Jahrhundert. Die schalenförmige Naturalie, in dessen weich geschnitzten, umlaufenden Pfirsichzweig eine glücksbringende Fledermaus gesetzt ist, ging für 59.000 Franken in neue Hände.

„Die Kunden aus Asien kaufen gern Kunstwerke mit europäischer Herkunft, dann können sie sicher vor Fälschungen sein. Aber sie sind auch sehr selektiv geworden“, sagte Geschäftsführer Cyril Koller dem Handelsblatt. Etwa 90 Prozent der umgesetzten chinesischen Kunst wird gen Osten verschifft. Der Markt in Europa wird austrocknen, prophezeien viele Insider. „Aber derzeit ist es immer noch eine gute, tragende und wichtige Sparte für uns, an der wir dranbleiben“, so der Schweizer Versteigerer.

Wurde bei Van Ham für 38.700 Euro von einem deutschen Sammler ersteigert. Quelle: Van Ham Kunstauktionen GmbH & Co. KG
Netsuke der Tänzerin Izumo no Okumi

Wurde bei Van Ham für 38.700 Euro von einem deutschen Sammler ersteigert.

(Foto: Van Ham Kunstauktionen GmbH & Co. KG)

Mit derselben Einstellung scheint im Juni auch das Stuttgarter Auktionshaus Nagel, das seine Versteigerungen asiatischer Kunst in Salzburg abhält, rund 1.300 Lose aufgeboten zu haben. Besonders das Porzellanangebot konnte überzeugen. Von taxierten 40.000 Euro auf 386.000 Euro stieg der Preis für eine seltene, türkisfarbene Deckelvase des 18. Jahrhunderts. Deren dichte florale Bemalung imitiert die in China verbreitete Email-Technik Cloisonnée.

Kaiserlich war das Reizwort für viele, die auf eine kleine bauchige Vase der Yongzheng-Periode (1723–1735) boten. Das Porzellan mit dem unterglasurblauen Dekor der „Drei Reichtümer“ und einer verlockenden Taxe von 20.000 Euro wurde erst bei 379.000 Euro weitergereicht.

Neun Erlöse im sechsstelligen Bereich kann Nagel melden. Darunter eine relativ neuzeitliche, große Jadeitfigur des Guanyin, der als Gott des Mitleids verehrt wird. Die fein geschnitzte Figur aus der sogenannten Republikzeit (Taxe 10 000 Euro) erzielte 239.000 Euro. Nur wenig darunter lag mit 218.000 Euro der erforderliche Einsatz für eine feuervergoldete Bronzefigur desselben Gottes aus dem China des 12./13. Jahrhundert.

Nagel hatte schon vorab seine Erwartungen nicht überzogen. Nur ein großes Cloisonné-Becken mit buddhistischem Löwenmotiv und eine kaiserliche Vase mit Staubglasur waren mit Schätzungen von 100.000 Euro versehen. Das Becken wurde knapp unter der Taxe zugeschlagen und kostete mit Aufgeld rund 126.000 Euro; die Vase fand keinen Käufer. Der Gesamtumsatz des Stuttgarter Versteigerers, der auf dem Höhepunkt der China-Geschäfte 2012 schon 20 Millionen Euro bilanziert hatte, beträgt dieses Mal 6,1 Millionen Euro.

Kurze Phasen der Euphorie

Die haltlosen Phasen der Euphorie chinesischer Sammler für eine bestimmte Kunstsparte sind relativ kurz, wie der unlängst noch überhitzte Markt für Buddha-Figuren oder die Thangkas genannten buddhistischen Meditationsbilder zeigt. Nur wenige Stücke animierten diesmal zu heftigen Geboten. Einen Satz von geschätzten 1.500 auf 52.000 Euro konnte ein sinotibetisches Thangka mit der Darstellung Vaishravanas, dem Gott des Reichtums, von ca. 1900 bei Lempertz Anfang Juni machen.

Den höchsten Preis von 68.000 Euro erzielte das Kölner Auktionshaus in seiner Asiatika-Auktion mit einem Paar Armlehnstühlen des 18. Jahrhunderts aus Huanghuali-Holz, ein Material, das nur der kaiserlichen Familie vorbehalten war. Fast 500 Lose umfasste das Angebot an Netsuke und Inros, dem dekorativen Gürtelschmuck aus Japan. Mit fast 15.000 Euro und 10.000 Euro gehörten die Kleinplastik zweier Pferde und die Buchsbaum-Figur des Fabelwesens Kirin zu den gefragtesten Schnitzereien dieser Art.

Das reizvollste Netsuke der Saison bot Van Ham. 38.700 Euro war einem deutschen Sammler das anmutige Elfenbeinfigürchen der Tänzerin Izumo no Okumi wert. Und 18.000 Euro legte derselbe Käufer noch einmal hin für einen in sich zusammengerollten Miniaturdrachen. Bei der Kunst aus Japan und Südostasien können auch westliche Sammler mithalten. Eine japanische Buddha-Figur aus dem 13./14. Jahrhundert bleibt für 77.000 Euro im Herzen Europas.

Doch die Topstücke aus dem Reich der Mitte sicherten sich abermals Chinesen. Das imposante Bronzefragment einer einst großen, tibetischen Buddha-Figur des 15. Jahrhunderts verdoppelte seine Taxe und wurde für 90.000 Euro weitergereicht. Ein kaiserlicher tiefroter Schnitzlackteller mit Darstellungen der acht buddhistischen Schätze, entstanden in der Qianlong-Periode (1735–1796), wechselte für rund 55.000 Euro den Besitzer. Das sind Summen, die auch andere Häuser nicht verachten würden.

Mehr: Ein göttlicher Glücksgriff: Lesen Sie hier den Nachbericht derAsiatika-Auktionen in New York

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