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Auctionata Kunst-Start-up krempelt die Branche um

Auctionata versteigert Kunst und Luxus live im Internet. Das Online-Auktionshaus steht in Konkurrenz zu etablierten Häusern wie Sotheby‘s und Christie‘s. Nun verpflichten die Berliner einen neuen Chef.
Das Online-Auktionshaus versteigert Kunst per Livestream. Quelle: Auctionata Paddle8
Auctionata

Das Online-Auktionshaus versteigert Kunst per Livestream.

BerlinDer Kunstmarkt ist mit geschätzt 60 Milliarden US-Dollar eine kleine, aber sehr lukrative Branche. Ausgerechnet ein deutsches Start-up schickt sich an, im Onlinebereich, die Branche umzukrempeln.

Die 2012 gegründete Auctionata AG hat in vier Finanzierungsrunden laut dem Datendienst Crunchbase umgerechnet mehr als 95 Millionen US-Dollar Risikokapital eingesammelt. Die Berliner sind damit das weltweit am besten ausgestattete Tech-Unternehmen im Kunstmarkt.

Auctionata versteigert Kunst und Luxus per Liveübertragung aus dem eigenen Studio ins Internet neben klassischen Onlineauktionen, die ähnlich wie bei Ebay ein Ablaufdatum haben. Das Start-up steht damit in Konkurrenz zu den Onlineaktivitäten der etablierten großen Auktionshäuser Sotheby‘s und Christie‘s einerseits und Ebay andererseits.

Für die Expansion hat Auctionata nun einen neuen Chef verpflichtet. Mitgründer Alexander Zacke (50) gibt den Vorstandsvorsitz auf und wird Chief Marketplace Officer. Neuer CEO wird Thomas Hesse (49), der auf eine lange Karriere im Internet- und Mediengeschäft zurückblickt. Das Unternehmen will die Personalie an diesem Donnerstag bekanntgeben.

Der Deutsch-Amerikaner Hesse war Vorstand bei der Bertelsmann und in vergleichbaren Positionen bei RTL in Luxemburg und Köln. Ihm zur Seite gestellt bei Auctionata wird mit Lucas Hülsmann (45) ein Finanzchef mit langjähriger Erfahrung bei Procter & Gamble.

Ein Gesamtmarkt von Hundert Milliarden Euro

Es ist überraschend, dass zwei Manager dieses Kalibers bei dem noch recht kleinen Unternehmen anheuern, spricht aber für die großen Pläne. Hesse bestätigt: „Das Unternehmen ist ja sehr erfolgreich und hat inzwischen einen Außenumsatz von 150 Millionen Dollar. Es hat eine sehr starke Präsenz in Europa und den USA, wo man viele Auktionen abgehalten hat. Jetzt muss man weitergehen und den Marktplatz durch das Thema Video weiterentwickeln.“

Toppreise im deutschsprachigen Raum
Multi-Perspektive und Zeiterfahrung
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Mit deutlichem Abstand zur deutschen Konkurrenz hat sich das Schweizer Auktionshaus Koller an die Spitze der Höchstzuschläge gesetzt. Umgerechnet 3,7 Millionen Euro (4,05 Millionen Schweizer Franken erlöste es im Juni für Giovanni Giacomettis monumentales „Panorama von Flims“ aus dem Jahre 1904. Es stammt aus dem Waldhaus Flims Mountain Resort & Spa, wo es 1986 wiederentdeckt wurde. Mit dem Ergebnis für das dreiteilige Ölgemälde konnte das Züricher Auktionshaus zugleich alle bisherigen Erlöse für den Künstler toppen.

(Foto: Koller)

Majestätische Wolkenlandschaft
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Von den deutschen Auktionshäusern führt die Villa Grisebach die Liste der Top-Zuschläge an. 1,5 Millionen Euro inkl. Aufgeld erzielte das Berliner Auktionshaus mit Emil Noldes Ölgemälde „Weiße Wolken“. Mit dem Ergebnis hatte man gerechnet. Es entspricht dem oberen Schätzwert. Das 1926 entstandene Bild stammt aus der Expressionisten-Sammlung von Adalbert und Thilda Colsman, die Grisebach fast vollständig absetzen konnte.

(Foto: Grisebach, Nolde-Stiftung Seebüll)

Beredte Weihnachtsgeschichte
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Hans Memling zählt zu den bedeutendsten flämischen Malern des späten 15. Jahrhunderts in der Nachfolge Rogier van der Weydens. Aus seiner Werkstatt stammt das bestens erhaltene Gemälde „Die Geburt Christi“, das im April im Dorotheum unter den Hammer kam und 1,2 Millionen Euro einbrachte.

(Foto: Dorotheum)

Ausgelassene Feier unter freiem Himmel
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Im Kölner Auktionshaus Lempertz setzte sich im Frühjahr 2016 „Das Hochzeitsmahl im Freien“ von Pieter Brueghel dem Jüngeren an die Spitze der Erlöse. Von der beschwingten Komposition gibt es acht eigenhändige Ausführungen, die in die späte Schaffensphase des Malers datiert werden. Mit 1,1 Millionen Euro kam die 41,5 x 58,9 cm große Tafel auf ein Ergebnis, das man erwartet hatte.

(Foto: Lempertz)

Interieur mit abstraktem Gemälde
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Ein Telefonbieter aus Singapur sicherte sich beim Münchener Auktionshaus Neumeister Roy Lichtensteins „Red Lamps“ für 762.000 Euro. Mit diesem Gebot, das etwas oberhalb der Schätzung lag, konnte er heftig konkurrierende Mitbieter, sogar im Internet, schlagen.

(Foto: Neumeister, VG Bild-Kunst, Bonn 2016)

Sehnsuchtsbild von der Kurischen Nehrung
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Bei Ketterer gab es im ersten Halbjahr 40 Erlöse, die auf oder über der 100.000-Euro-Marke lagen; darunter Max Pechsteins Ölgemälde „Stürmisches Wetter an der Ostsee (Beschienene Wellen)“ von 1919. Die 62,5 x 89 cm große Leinwand wurde bei 340.000 Euro aufgerufen und erzielte 700.000 Euro inkl. Aufgeld.

(Foto: Ketterer Kunstauktionen, VG Bild-Kunst, Bonn 2016)

Ein wieder entdeckter Maler der Jahrhundertwende
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Richard Gerstl zählt heute zu den Wegbereitern des Expressionismus in Österreich. Zu Lebzeiten wurde er aber nicht ausgestellt. Sein „Obstgarten“, den er im Sommer 1907 malte, versteigerte das Wiener Auktionshaus im Kinsky für 530.000 Euro ohne Aufgeld, zum Doppelten der Taxe. Den Zuschlag erhielt eine bedeutende deutsche Sammlung.

(Foto: im Kinsky)

Man darf sich also auf eine Art Teleshopping-Kanal im Internet einstellen oder eher mehrere. Denn gehandelt wird bei Auctionata jetzt schon mit fast allem, was gesammelt wird. Hesse plant groß: „Ich glaube, dass wir in 15 bis 20 Jahren eines der führenden Häuser, der führende Marktplatz sein werden für das Thema Kunst und Luxury Goods.“ Den Gesamtmarkt schätzt er auf mehrere Hundert Milliarden Euro.

Allerdings wird er bei Auctionata auch Baustellen vorfinden. Gründer Zacke und seiner Frau Susanne waren in einem von Auctionata selbst in Auftrag gegebenen Gutachten bei KPMG Verstöße gegen das Versteigerungsrecht vorgeworfen worden. Darunter war der Vorwurf, dass die Unternehmen auf eigenen Auktionen widerrechtlich selbst geboten haben. Gleichwohl soll Zacke beim Marktplatz weiter mitwirken, sagt Hesse: „Herr Zacke wird als Gründer sicherlich mit mir und Herrn Hülsmann gemeinsam inhaltlich die Spitze abbilden.“

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