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Auktion bei Irene LehrWo der Hammer für preisbewusste Sammler fällt

Gute Kunst muss nicht teuer sein. Das zeigt die jüngste Auktion bei Irene Lehr in Berlin. Hier kommen Bieter schon für 1600 Euro zum Zuge.Susanne Schreiber 09.05.2023 - 07:45 Uhr Artikel anhören

Die in coolen Grüntönen angelegte Deckfarbenarbeit von 1947 geht für 1596,98 Euro in neue Hände über.

Foto: Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Düsseldorf. Die Kunsthistorikerin Irene Lehr macht ihre Kunden glücklich. Denn im Angebot ihres Auktionshauses finden zwei höchst unterschiedliche Gruppen von Kunstfreunden das jeweils Passende: jene, die gute Kunst für wenig Geld erwerben möchten; und solche, die für ein seltenes Werk so viel aufwenden können, dass sie andere Kenner mühelos überbieten. Letzteres war der Fall bei Lehrs bedeutendstem Werk der 58. Versteigerung.

Ein Münchener Sammler der Neuen Sachlichkeit sicherte sich durch beherzten Einsatz von viel Geld das Top-Gemälde von Georg Scholz. Für das sinnliche Bild der Siesta haltenden Gattin und Schwägerin des Malers bewilligte dieser Kenner brutto 832.000 Euro, das Vierfache des Schätzpreises. Das ist der höchste Zuschlag, den das Nischenauktionshaus je realisieren konnte.

Sechsstellige Zuschläge kommen in letzter Zeit immer wieder vor bei den Dr. Irene Lehr Kunstauktionen. Doch das Gros der Zuschläge ist vier- und fünfstellig. Eine treue Sammlerschaft weiß, dass sie nur ein paar hundert oder tausend Euro aufwenden muss, um attraktive Gemälde, Skulpturen oder Drucke zu erwerben. Hier werden Kunstwerke unter 3000 Euro nicht in die Online-only-Sales abgeschoben.

Drei Beispiele für preisbewusste Einkäufe: Ein Farbsiebdruck des Pop Art Künstlers Werner Berges war auf 600 Euro geschätzt und wurde bei 2400 Euro zugeschlagen. Mit Aufgeld sind das 3072 Euro. Kleines Geld in der Welt der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Noch günstiger waren drei Holzschnitte vom Erfinder der Icons zu haben. „Oben und Unten, Fabrikbesetzung, Krise“ von Gerd Arntz aus dem Jahr 1931 kam von 600 Euro Schätzpreis auf 950 Euro Zuschlag. Mit der Kommission zahlt der neue Eigentümer 1267,20 Euro für drei Blätter eines Kölner Konstruktivisten.

Mit perspektivischen und flächigen Ansichten spielt der Freiburger Maler Rudolf Dischinger 1947 in einem gefälligen Stillleben. Die Deckfarbenarbeit in coolen Grüntönen geht für 1596,98 Euro in neue Hände über.

Für das sinnliche Bild der Siesta haltenden Gattin und Schwägerin des Malers bewilligte ein Kenner brutto 832.000 Euro, das Vierfache des Schätzpreises.

Foto: Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Neben glänzenden fünfstelligen Zuschlägen für Dodos Aquarell „Keine Chance“, Albert Eberts „Laternenfest“ und Georg Schrimpfs „Ausschauende“, fallen zwei Enttäuschungen ins Gewicht. So ging das kesse Aquarell „Fräulein Kunstmalerin“ von Jeanne Mammen mangels Nachfrage deutlich unter der Taxe von 35.000, bei 25.600 Euro inklusive Aufgeld weg.

Auch für den Steinguss von Wilhelm Lehmbrucks „Kopf der großen Sinnenden“ fiel der Hammer schon bei 36.000; mit Aufgeld macht das 46.080 Euro. Die Schätzung hatte bei 50.000 Euro gelegen. Was sehr gut ist für den Käufer, ist für den Verkäufer mittelprächtig und umgekehrt.

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Von 390 Losen blieben nur 26 unverkauft. Der Gesamtumsatz mit rund 3 Millionen Euro ist der zweitbeste des Hauses. Er beweist, dass Kunst nicht teuer sein muss. Das machen sich nicht nur Privatsammler zunutze, sondern auch Museen.

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