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Auktion bei Ketterer Kunst In Bestform: Der deutsche Kunstmarkt profitiert von der Angst vor einer Inflation

Ketterer Kunst fährt mit seiner Abendauktion neun Erlöse im siebenstelligen Bereich ein und schließt mit einem Gesamtumsatz von 28 Millionen Euro.
24.06.2021 - 12:08 Uhr Kommentieren
Zahlreiche internationale Interessenten hoben den Preis für das Spätwerk „Sertigweg“ von 400.000 auf 1,5 Millionen Euro. Quelle: Ketterer Kunst
Robert Ketterer versteigert Ernst Ludwig Kirchner

Zahlreiche internationale Interessenten hoben den Preis für das Spätwerk „Sertigweg“ von 400.000 auf 1,5 Millionen Euro.

(Foto: Ketterer Kunst)

Robert Ketterer stapelt gekonnt tief, wenn er sagt: „Der deutsche Kunstmarkt ist nicht schlecht.“ Letzten Freitag hat der Münchener Auktionator und Inhaber des gleichnamigen Auktionshauses in seinem Evening Sale mit moderner und zeitgenössischer Kunst neun Erlöse von mehr als einer Million Euro (alle Preise inkl. Mehrwertsteuer) erzielt. Das hat hierzulande noch kein anderer Versteigerer geschafft.

Die 96 Lose von Lyonel Feininger bis Gerhard Richter waren überzeugend, die potenten Sammler animiert und äußerst investitionsbereit.

Das zeigte sich besonders deutlich, als Ernst Wilhelm Nays große Abstraktion „Doppelspindel-Rot“ von 1967 zur unteren Taxe von 200.000 Euro aufgerufen wurde. Erst bei einem Gebot von 1,8 Millionen Euro wurde sie gegen Telefon-Konkurrenz aus Deutschland, Russland und der Schweiz sowie gegen das Internet einem Saalbieter zugeschlagen. Inklusive Aufgeld übernimmt eine Schweizer Privatsammlung die Arbeit des bedeutenden Künstlers der Nachkriegszeit für 2,25 Millionen Euro.

Für Furore sorgten bislang Nays „Scheiben“- und „Augen“-Bilder. Dieses Spätwerk , in der er eine weniger expressive, einfachere Bildsprache wählte, erweitert die Marktposition des Malers.

„Doppelspindel-Rot“ ist zugleich das teuerste Bild aus Ketterers Offerte mit Kunst aus der Sammlung der Deutschen Bank. Wie das Handelsblatt berichtet hatte, trennt sich die Bank von einem Teil ihrer Kollektion. Die zweite Tranche aus dieser hochwertigen Sammlung bescherte 4,6 Millionen Euro.

Max Liebermanns impressionistisches Gemälde „Nutzgarten in Wannsee“ erhielt durch die gute Provenienz zusätzliches Gewicht. Es ging für 675.000 Euro in neue Hände. Beste Preise auch für weniger spektakuläre Objekte: Hans Hartungs frühe, mit sparsamen Zeichen auf blauem Grund versehene Abstraktion kletterte von taxierten 80.000 Euro auf 337.500 Euro.

Das dynamische Nagelbild „Energiefeld“ von 2008 übernahm eine New Yorker Kunsthändlerin im Auftrag eines amerikanischen Sammlers bei 1,3 Millionen Euro. Quelle: Ketterer Kunst; VG Bild-Kunst, Bonn 2021
Günther Uecker

Das dynamische Nagelbild „Energiefeld“ von 2008 übernahm eine New Yorker Kunsthändlerin im Auftrag eines amerikanischen Sammlers bei 1,3 Millionen Euro.

(Foto: Ketterer Kunst; VG Bild-Kunst, Bonn 2021)

Der deutsche Kunstmarkt zeigte sich auch bei Werken aus anderen Quellen in Höchstform. Von Günther Uecker ist in den letzten Jahren viel auf den Markt gekommen. Das dynamische Nagelbild, „Energiefeld“ von 2008, versinnbildlicht, was ZERO-Kunst bedeutet. Sie will durch Licht und Bewegung alles Malerische überwinden. Den längsten Atem hatte eine New Yorker Kunsthändlerin im Saal. Im Auftrag eines amerikanischen Sammlers konnte sie das Werk erst bei 1,3 Millionen Euro übernehmen.

Die Angst vor der Inflation und geringe Anlagemöglichkeiten treiben den Kunstmarkt an. „Für wirklich gute Objekte bekommen Einlieferer derzeit so viel Geld wie nie zuvor“, analysierte Robert Ketterer im Gespräch mit dem Handelsblatt die Top-Zuschläge.

Stichwort Rupprecht Geiger, dem es um die Wirkung der reinen Farbe ging. Welche Suggestivität ein leicht schräg sitzendes, dunkelrotes Quadrat auf blauem Grund hat, wurde von den Bietern nicht übersehen. Mit dem Erlös von 187.500 Euro für sein Documenta-Bild „OE 306/59“ vervierfachte Ketterer Kunst die Taxe und setzte einen Rekord für den Künstler.

Der Auktionsmarkt erlebt trotz Corona-Krise Höhenflüge. Ein Sammler aus Hongkong investierte den internationalen Spitzenpreis von 1,04 Millionen Euro für Keith Harings selten komplett angebotenen, vierteiligen Lithografie-Satz „Andy Mouse“ von 1986.

Ein Sammlerpaar aus Süddeutschland bewilligte für die Skizze „Gelbe Rehe“ inklusive Aufgeld 875.000 Euro. Quelle: Ketterer Kunst
Franz Marc

Ein Sammlerpaar aus Süddeutschland bewilligte für die Skizze „Gelbe Rehe“ inklusive Aufgeld 875.000 Euro.

(Foto: Ketterer Kunst)

Den Rekordpreis für ein Gemälde Gabriele Münters korrigierte am Freitag das 1911 entstandene „Stilleben mit Madonna“. Koloristisch ausgewogen und mit dem schroffen Strich der Expressionisten reflektiert die Malerin aus dem Umkreis des Avantgarde-Künstlerkreises „Blauer Reiter“ ihre Begeisterung für Volkstümliches. Vor zehn Jahren verkaufte Ketterer das Bild für rund 270.000 Euro. Jetzt muss ein skandinavisches Museum die stolze Summe von 1,12 Millionen Euro überweisen.

Ernst Ludwig Kirchners farblich überhöhtes Gemälde „Sertigweg“ war sehr gefragt. Der Brücke-Künstler besaß auch noch 1937, ein Jahr vor seinem Tod, visuelle Kraft und setzte eine Gebirgslandschaft in moderne Formen und Bildsprache um. Zahlreiche internationale Interessenten engagierten sich und hoben den Preis von 400.000 auf 1,5 Millionen Euro.

Teuer wurde mit 1,12 Millionen Euro Alexej von Jawlenskys in grell-bunte Flächen fragmentierter „Mystischer Kopf: Galka Fatum – Fate“ von 1917 mit dem Antlitz seiner Muse Galka Scheyer. Nur Christie‘s hat vor fünf Jahren einen mystischen Kopf von vergleichbarer Qualität ebenfalls im siebenstelligen Bereich weitergereicht.

Aber wie dünn die Luft in den hochpreisigen Sphären ist, verdeutlichte Emil Noldes Gemälde „Landschaft mit Mutterpferd“ von 1925. Mit derben Pinselstrichen setzt der norddeutsche Maler dramatische Wolken über eine Landschaft mit blauem Pferd und orangefarbenem Fohlen.

Vor drei Jahren hat Ketterer Kunst für ein ähnliches, etwas weicher gemaltes Naturschauspiel am Meer rund 1,7 Millionen Euro erzielt. Diesmal wurde die untere Taxe von 600.000 Euro um nicht einen Schritt gehoben. Ein Bieter sei abgesprungen, erfuhr das Handelsblatt. Das harte Ringen um ein Kunstwerk musste dann ausbleiben. Die „Landschaft mit Mutterpferd“ kostete mit Aufgeld den moderaten Preis von 750.000 Euro.

Keine Spur von Markt-Schwäche ließ das Angebot von expressionistischen Papierarbeiten erkennen. Begehrt war Franz Marcs zartes Aquarell „Zwei gelbe Rehe“ aus einem Skizzenbuch von 1912/13. Denn die künstlerische Vision Marcs von der kosmischen Einheit der Natur und der Harmonie aller Wesen ist allein in diesem kleinen Blatt vereint.

Eine Mäzenin des Franz Marc Museum in Kochel stieg bei einem Gegengebot von 700.000 Euro aus und überließ die Skizze einem Sammlerpaar aus Süddeutschland. Ihr Preis inklusive Aufgeld: 875.000 Euro. Aus der Sicht von Cathrin Klingsöhr-Leroy, Direktorin des Marc Museums, wären die „Gelben Rehe“ eine hervorragende Ergänzung zu dem hauseigenen, großen Bestand an Skizzenblättern dieses Blaue-Reiter-Künstler gewesen. „Aber herausragende Werke erzielen herausragende Preise“, sagte sie mit leichtem Bedauern zum Handelsblatt.

Keine Preisimpulse für Joseph Beuys

Teuerste Papierarbeit wurde mit 1,12 Millionen Euro Wassily Kandinskys streng geometrisches Aquarell „Gebogene Spitze“ aus seiner Bauhauszeit. Mehr als 70 Jahre war der Verbleib der turmartigen konstruktivistischen Arbeit aus Linien, Balken und Kreisen von 1927 unbekannt. Dass sie jetzt im Nachlass eines rheinischen Sammlers entdeckt wurde, feuerte den Preis an.

Die zahlreichen Museums-Schauen zu „100 Jahre Beuys“ brachten keine Impulse für die angebotenen 33 Arbeiten des Fett- und Filzkünstlers. Mit einem Erlös von 750.000 Euro blieb die große, mit 600.000 Euro aufgerufene Stromzähler-Installation „Wo ist Element 3“, das einzige Objekt im sechsstelligen Bereich.

Das Erdobjekt „TA…KA-(TURM)“ von 1975 gleichfalls aus der Sammlung des Restaurators Heinz Althöfer wurde taxgerecht zugeschlagen und ging für 87.500 Euro in neue Hände. Ketterer resümiert nüchtern: „Einer der wichtigsten Künstler, aber schwer zu vermarkten.“ Ein Wermutstropfen in einem glänzenden Sale, der 28,2 Millionen Euro zum Halbjahresergebnis von 44 Millionen Euro beiträgt.

Mehr: Ketterer Kunst in München: Robert Ketterer: „Wir nutzen alle verfügbaren technischen Innovationen“

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