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Auktion bei Kornfeld In der Krise bewähren sich die Klassiker der Moderne

Die Galerie Kornfeld versteigert Werke von Alberto Giacometti, Marc Chagall und Le Corbusier für Millionenpreise. Im Ergebnis kommt fast soviel wie im Vorjahr zusammen.
24.09.2020 - 07:55 Uhr Kommentieren
Das zarte Aquarell „rot/violett x gelb/grün gestuft“ von 1922 ging für 680.000 Franken in neue Hände. Die Schätzung lag nur wenig darunter (Ausschnitt). Quelle: Galerie Kornfeld, Bern
Paul Klee

Das zarte Aquarell „rot/violett x gelb/grün gestuft“ von 1922 ging für 680.000 Franken in neue Hände. Die Schätzung lag nur wenig darunter (Ausschnitt).

(Foto: Galerie Kornfeld, Bern)

Düsseldorf Dass Alberto Giacomettis „Schreitender Mann“ auf der Rückseite des Schweizer 100-Franken-Scheines abgebildet ist, sagt viel aus über die Wertschätzung des Bildhauers. Dass am 17. und 18. September ein Schweizer Sammler für seine nur 43 cm hohe Bronze „Nu debout sur socle cubique“ 1,8 Millionen Schweizer Franken (alle Preise inkl. Aufgeld) bewilligte, macht die unveränderte Marktposition Giacomettis im Top-Level der Moderne deutlich. Anlass war die diesjährige Versteigerung von Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts im Auktionshaus Kornfeld in Bern.

Die signierte Bronze mit der Nummerierung 7/8, deren Erlös knapp über der Schätzung lag, wurde erst 1991, 25 Jahre nach dem Tod des Bildhauers gegossen. Posthume Güsse werden zwar von vielen Insidern kritisch gesehen. Im Falle Giacomettis scheint die Lage anders zu sein. Es handelt sich nicht um eine Re-Edition. Die Witwe hat die zu Lebzeiten festgelegte Auflage lediglich vervollständigt.

Obwohl US-amerikanische und britische Sammler fernblieben, zieht Kornfeld eine positive Bilanz. Mit zwei Live-Auktionen und einer Online Only-Auktion summiert sich nach Informationen des Hauses das Gesamtergebnis ohne Nachverkauf auf 34 Millionen Schweizer Franken. Das sind nur etwa fünf Prozent weniger als im Vorjahr.

Kornfeld setzte wie immer vor allem auf die Klassiker des 20. Jahrhunderts. Von den 13 im Hauptkatalog angebotenen Arbeiten Marc Chagalls steht das Gemälde „La Fête au village“ von 1970/75 mit einem Erlös von 1,8 Millionen Schweizer Franken an der Spitze.

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    Drei Mal fiel bei den 175 ausgewählten Werken der Hammer über der Millionengrenze. Nur knapp unter der Schätzung ging bei rund 1,2 Millionen Schweizer Franken Le Corbusiers Gemälde „Figure 1 ou Ozon et Georges IV“ in eine internationale Sammlung. Das 1947 in New York gemalte Porträt seiner Frau Yvonne gilt als das am detailreichsten ausgearbeitete Werk innerhalb seiner fünfteiligen Serie zu „Ozon et George“.

    Nach einem längeren Ringen wechselte das 1874 entstandene Gemälde „Lied der Heimat“ für 945.000 Franken den Besitzer (Ausschnitt). Quelle: Galerie Kornfeld, Bern
    Albert Anker

    Nach einem längeren Ringen wechselte das 1874 entstandene Gemälde „Lied der Heimat“ für 945.000 Franken den Besitzer (Ausschnitt).

    (Foto: Galerie Kornfeld, Bern)

    Kornfelds Taxen sind in der Regel stattlich. Dem Diktat der Einlieferer in puncto Preisvorstellung entgeht auch dieses Haus nicht. „Aber unsere Einlieferer wissen auch, dass die Arbeiten hier mehr Aufmerksamkeit erfahren als bei einem schwach besuchten Day-Sale in London“, sagte Kornfeld-Geschäftsführer Bernhard Bischoff zum Handelsblatt.

    Etwa 70 Prozent der ausgewählten Werke konnte meist im Rahmen der Taxe abgesetzt werden. Max Ernsts „Gestes sauvages pour le charme II“ von 1927 erforderte einen Einsatz von 715.000 Franken. Paul Klees zartes, formal konstruktives Aquarell „rot/violett x gelb/grün gestuft“ von 1922 ging für 680.000 Franken nur wenig über der Schätzung in neue Hände. Mit einem Sprung von taxierten 225.000 Franken auf 680.000 Franken bestätigte Otto Dix´ Gemälde „Martha mit Sohn Jan auf dem Arm“ den preislichen Aufwind der Neuen Sachlichkeit.

    Drehscheibe für Schweizer Kunst

    Kornfeld gilt als eine der wichtigsten Drehscheiben für Schweizer Kunst. Der knapp unter einer Million Franken gebliebene Preis für Cuno Amiets expressionistische „Obsternte“ von 1912 ging in Schweizer Hände. Ein längeres Ringen gab es ebenfalls um die familiäre Szene „Lied der Heimat“ des brillanten Genre- und Heimatmalers Albert Anker. Das Gemälde von 1874 wechselte für 945.000 Franken den Besitzer. „Gut 30 Prozent der Verkäufe bleiben in der Schweiz“, erläuterte Bischoff auf Nachfrage.

    Starke Resonanz erfuhr das Angebot von 37 Linolschnitten Pablo Picassos. Er hatte sich um 1960 intensiv mit dieser Technik beschäftigt. Teuerster Druck wurde mit beachtlichen 276.000 Schweizer Franken das „Porträt Jacqueline au Chapeau de paille“ von 1962. Es handelt sich um das erste Motiv einer Linolschnitt-Serie mit dem Antlitz von Picassos damaliger Ehefrau Jacqueline und zudem um einen Künstlerdruck, einen Abzug außerhalb der offiziellen Auflage.

    Mehr als 100.000 Franken mussten Sammler ebenso für die Linolschnitte „Le Déjeuner sur l'herbe, d'après Manet. I“, „Portrait de Jacqueline aux cheveux lisses“ und „Portrait de Jacqueline accoudée“ investieren. In der Krise gelten Klassiker mehr denn je als Wertanlage – das ist auch das Resümee dieser Auktion.

    Mehr: Galerie Kornfeld in Bern: Rare Meistergraphik zum Jubiläum

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