Auktion in New York: Privatsammlung von Microsoft-Mitgründer Paul Allen erlöst Milliardensumme
Christie's nahm für das Ölgemälde aus der Sammlung Paul Allen rekordträchtige 105,7 Millionen Dollar ein (Ausschnitt).
Foto: Christie's Images Ltd. 2022New York. Es war eine Auktion der Superlative, als Christie‘s am Mittwochabend Teil 1 der Paul Allen-Sammlung versteigerte. Ihn habe vor allem die Tiefe des Bieterinteresses überrascht, sagte Alex Rotter, Chairman 20/21 Art Departments, am Ende, „und das in diesen Zeiten“.
Erste 60 Werke aus dem Nachlass des Microsoft-Mitgründers Paul G. Allen, der 2018 an den Folgen eines Krebsleidens verstarb, schrieben Auktionsgeschichte. In knapp drei Stunden wurden 1,5 Milliarden Dollar brutto eingespielt.
Damit hat Christie’s das Ziel von über einer Milliarde Dollar für insgesamt 154 Werke der Sammlung bereits übertroffen. 94 Werke folgten am Donnerstagabend mit der Erwartung von 58 bis 87 Millionen Dollar. Der gesamte Erlös kommt wohltätigen Zwecken zugute.
Christie’s konnte alle aufgerufenen Lose zuschlagen. Es fielen 20 Rekorde, etwa für Gauguin, Cézanne und Klimt. Fünf Werke verkauften sich für über 100 Millionen Dollar, 15 weitere für je über 20 Millionen Dollar. Ein sensationelles Ergebnis. Dabei schätzen Marktbeobachter Christie’s Schätzpreise als sehr präzise und akkurat ein, als ehrliche Reflexion des Marktes.
In über 30 Jahren sammelte Paul Allen leidenschaftlich, aber diskret und mit tiefen Taschen nur das Beste. Er kaufte bei bekannten und auch weniger bekannten Galerien und zahlte auf Auktionen in London und New York nicht selten Rekordpreise. Als roter Faden zogen sich vor allem Meilensteine und wichtige Wegmarken der Kunstgeschichte durch die Sammlung. Forbes schätzte sein Vermögen im Jahr 2018 auf 20,3 Milliarden Dollar.
Christie’s hatte sich die Sammlung durch eine Garantiesumme gegen die Konkurrenz gesichert. Außerdem konnte das Haus vor der Auktion Garantiegeber für 39 Lose verpflichten, die Werke also vorverkaufen.
mit seinem Freund Bill Gates.
Foto: picture alliance / AP PhotoDer Abend bot in einem sehr breiten Spektrum vor allem Gemälde von der Renaissance bis in die 2010er-Jahre an, aber auch Zeichnungen, Skulpturen und einige Fotografien. Nach Losen wurde 50 Prozent des Angebots von Sammlern aus Nordamerika gekauft, 38 Prozent gehen in den Wirtschaftsraum Europa, Naher Osten und Afrika und 12 Prozent nach Asien. Asiatische Käufer sicherten sich nach Wert jedoch 25 Prozent.
Auch das Spitzenwerk, „Les Poseuses, Ensemble (Petite version)“, in dem Georges Seurat drei Akte in der von ihm entwickelten pointillistischen Malweise abbildet, wird nach Asien reisen. Gegen drei Mitbewerber sicherte Xin Li, Chairman Asia, ihrem Kunden das Werk zu 149,2 Millionen Dollar. Die unveröffentlichte Erwartung hatte bei 100 Millionen Dollar gelegen.
Neuer Bestpreis für Gustav Klimt
Nur wenig Konkurrenz sah kurz darauf Vincent van Goghs Landschaft „Verger aves cyprès“, die Xin Li bei 117,2 Millionen Dollar einem weiteren Interessenten vermittelte.
Ins 100-Millionen-Quintett reiht sich auch einer von Allens Favoriten ein, Gustav Klimts „Birkenwald“ mit Vorbesitz Adele und Ferdinand Bloch-Bauer. Allen hatte das Bild im November 2006 bei Christie’s zum damaligen Rekord von 40,3 Millionen Dollar brutto erworben. Nun setzte Elaine Holt, Christie’s Asia-Pacific Deputy Chairman, den neuen Klimt-Bestpreis bei 104,6 Millionen Dollar.
Der mit Tempera auf Holz gemalte Madonnen-Tondo kam auf 48,5 Millionen Dollar. Der Sammler Paul Allen hatte ein Faible für die Malerei der Renaissance.
Foto: Christie's Images Ltd. 2022Lebhaft wurde um die fünf Skulpturen gefochten. Max Ernsts mehrfigurige Bronze „Le roi jouant avec la reine“ sprang vom Aufruf bei 6,5 Millionen Dollar auf 24,4 Millionen Dollar.
Zu den jüngsten Erwerbungen Allens gehörten drei begehrte Gemälde Georgia O’Keeffes. „White Rose with Larkspur No.1“, obwohl erst 2013 aus einer Privatsammlung in Las Vegas erworben, brachte es auf 26,7 Millionen Dollar. Die Taxe hatte bei 6 bis 8 Millionen Dollar gelegen. Hier konnte die New Yorker Kunstberaterin Deborah Schmidt Robinson zugreifen, die sich bei fünf Losen durchsetzte.
Eine der Überraschungen des Abends war jedoch „Day Dream“ des populären realistischen US-Malers Andrew Wyeth. Seine schlummernde Muse konnte ihre Taxe auf den Rekordpreis von 23,3 Millionen Dollar verzehnfachen.