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Auktionen bei Grisebach Telefonbieter sorgen für Jagdfieber

Meistergrafik von Albrecht Dürer stiehlt Emil Nolde die Show. Die Frühjahrsauktionen von Grisebach stoßen vor allem mit ausgewählten Werken auf breite Resonanz.
16.07.2020 - 16:14 Uhr Kommentieren
Der Kupferstich „Adam und Eva” wurde im längsten Bietgefecht der Auktion zum Rekordpreis von 537.500 Euro von einem britischen Privatsammler ersteigert. Quelle: Grisebach GmbH
Albrecht Dürer

Der Kupferstich „Adam und Eva” wurde im längsten Bietgefecht der Auktion zum Rekordpreis von 537.500 Euro von einem britischen Privatsammler ersteigert.

(Foto: Grisebach GmbH)

Berlin Der Auktionssaal blieb Corona bedingt spärlich besetzt. Die Jagd-Stimmung entwickelte sich nur an den Telefonen durch nicht physisch anwesende Kunstfreunde. In der Abendauktion ausgewählter Werke der Berliner Grisebach Auktionen stahl Dürers Kupferstich „Adam und Eva” in einem lupenreinen Frühdruck den Werken der Moderne die Show.

Das Hauptblatt, das sechzig Jahre in einer deutschen Sammlung ruhte, wurde im längsten Bietgefecht der Auktion zum Rekordpreis von 537.500 Euro von einem britischen Privatsammler ersteigert. Gleiches gilt für das nicht minder marktfrische Exemplar des rätselhaften Dürer-Kupferstichs „Melencholia I”. Für 318.750 Euro tritt es ebenfalls den Weg nach England an. In langsamen 5000-Euro- Schritten steuerte diese Meistergrafik auf ihren auch nicht gerade niedrigen Hammerpreis zu.

Diese Zuschläge animierten den Berliner Kunsthändler Wolfgang Wittrock zu der Bemerkung: „Alte Kunst rettet die Moderne”. Doch auch die konnte sich an diesem Abend gut behaupten. „Die Moderne, die bei uns sowieso stark ist, hat wieder aufgeholt”, kommentierte Grisebach-Gesellschafterin Micaela Kapitzky.

Tatsächlich wurden in der Versteigerung, die mit 52 Losen fast anderthalb Stunden dauerte, brutto 8,4 Millionen Euro umgesetzt. Rekordpreise erzielten Werke von Hans Grundig, Grethe Jürgens, Wolfgang Paalen und Norbert Bisky. Obwohl es hohe Online-Gebote gab, spielten Telefone die Hauptrolle.

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    Empfindlichster Rückgang der Auktion war ein großer Jahreszeiten-Strauß des jüngeren Jan Brueghel. Er war auf mindestens 1 Million Euro angesetzt und schon 2007 bei Bernheimer für 1,7 Millionen Euro angeboten worden.

    Der höchste Zuschlag des Abends blieb deutlich unter der Schätzung von 800.000 bis 1,2 Millionen Euro. Als Emil Noldes düstere, von Grün- und Blautönen beherrschte Südsee-Landschaft von 1915 aufgerufen wurde, herrschte bei 700.000 Euro Stille im Saal. Das Gemälde hing seit den späten achtziger Jahren als Leihgabe in der Kunsthalle Mannheim. In buchstäblich letzter Minute konnte der Seniorchef des Hauses Grisebach, Bernd Schultz, 770.000 Euro im Kundenauftrag bieten. Der norddeutsche Sammler, dem der Zuschlag nach Aussage des Hauses galt, muss 949.000 Euro bezahlen.

    Die Darstellung mit den kantigen, wie aus Holz geschlagenen Köpfen erwarb ein süddeutscher Sammler für 500.000 Euro mit Aufgeld. Quelle: VG Bildkunst 2020/Grisebach GmbH
    Karl Schmidt-Rottluff „Pommersche Bauern“

    Die Darstellung mit den kantigen, wie aus Holz geschlagenen Köpfen erwarb ein süddeutscher Sammler für 500.000 Euro mit Aufgeld.

    (Foto: VG Bildkunst 2020/Grisebach GmbH)

    Karl Schmidt-Rottluffs maskenhaftes Doppelbildnis „Pommersche Bauern” von 1924 überzeugt durch seine spätexpressionistische Palette. Ein süddeutscher Sammler setzte brutto 500.000 Euro ein. Schon 2007 hatte das Bild dank eines griechischen Bieters in der Villa Grisebach 515.000 Euro eingespielt.

    Ein Spitzenpreis sind die für Hans Grundigs Ölbild „Schüler mit roter Mütze” (1925/28) eingesetzten 462.500 Euro. Ein süddeutscher Sammler musste für das auf maximal 200.000 Euro angesetzte Paradestück der Neuen Sachlichkeit bis auf diese Bruttosumme gehen. Der Dresdner Maler, der 1934 Berufsverbot erhielt und nach dem Krieg Gallionsfigur der DDR-Kunst wurde, liefert in diesem Porträt eines Arbeiterjungen die sozialkritische Studie einer Isolation. Der Einlieferer hatte das Hochformat noch bei der Witwe Lea Grundig erworben.

    Biskys Blick auf Katastrophen

    Dass in dieser ausgewählten Melange auch zeitgenössische Kunst gefragt war, zeigt sich an den 525.000 Euro, die für ein Nagelbild von Günther Uecker ausgegeben wurden. 400.000 Euro mussten für ein 1993 entstandenes Rasterbild von Sigmar Polke bewilligt werden.

    Norbert Biskys Riesenformat „Schwarzmaler II” hing im letzten Herbst noch an prominenter Stelle in der Soloschau des Künstlers in der Berliner St. Matthäus-Kirche. Es gehört zur Gruppe der schwarzgrundigen Werke, in denen der Berliner Maler die hautnahe Erfahrung von Naturkatastrophen verarbeitet. Jetzt kam es auf den Rekordpreis von 137.500 Euro.

    Zuspruch auch in der Tagauktion

    Eines der besten Werke der Auktion war das knapp 1,50 Meter hohe Familienbildnis einer Kindergruppe von Mela Muter, das polnischer Handel von 140.000 auf 275.000 Euro trieb. Es gehört zu den Frühwerken der polnisch-französischen Malerin, in denen in expressivem Stil das Zentralthema Kind und Mutterschaft behandelt wird. Das Werk wurde 1962 wiederentdeckt und zunächst für das Warschauer Museum reserviert ehe es 1975 von der Kölner Galerie Gmurzynska vermarktet wurde.

    Auch in der Tagesauktion weniger elitärer Werke war der Zuspruch außergewöhnlich dicht. Herausragend war hier der Zuschlag für das Ölbild „Die Fäden der Geheimnisse” von Franz Radziwill. Es erlöste 231.000 Euro, obwohl es zum sonst weniger begehrten Spätwerk gehört.

    Keine „Knaller”

    Die Auktion zeitgenössischer Kunst hatte diesmal keine „Knaller” zu bieten. Während das Hauptlos, ein monumentales Tropfbild von Katharina Grosse zurückging, behauptete sich das nicht minder raumfüllende Phantombild „Pluton” von André Butzer mit stattlichen 156.500 Euro. Der Maler hat zur Zeit eine Einzelschau in der Galerie Hetzler, aber Käufer des Bildes ist ein anderer Berliner Händler.

    Der höchste Zuschlag in der Photographie-Auktion galt 24 in den achtziger Jahren von den Originalnegativen Karl Blossfeldts abgezogenen Pflanzenstudien. Sie sind dank ihrer bezwingenden Formstrenge international begehrt. Ein süddeutscher Sammler ließ mit 46.250 Euro die Schätzung von maximal 7.000 Euro weit hinter sich. Insgesamt setzten die Frühjahrsauktionen bei Grisebach 16 Millionen Euro um.

    Mehr: Auktionsvorbericht: Deutsche Kunstversteigerer trotzen der Corona

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