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Auktionen bei Grisebach Überzogene Schätzpreise fordern ihren Tribut

Bauhaus-Werke ließen sich im Berliner Auktionshaus Grisebach gut versteigern. Bilder von Gerhard Richter, Otto Piene und Max Pechstein fanden hingegen keine Bieter.
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Das kleine, um 1909 auf Pappe gemalte Ölbild wurde für 462.500 Euro (inkl. Aufgeld) versteigert. Quelle: Villa Griesebach/ Gabriele Münter/ VG BILD-KUNST
Gabriele Münter „Heuhocken in Murnau“

Das kleine, um 1909 auf Pappe gemalte Ölbild wurde für 462.500 Euro (inkl. Aufgeld) versteigert.

(Foto: Villa Griesebach/ Gabriele Münter/ VG BILD-KUNST)

Berlin Es war kein leichtes Spiel. Die Frühjahrs-Versteigerungen des Berliner Auktionshauses Grisebach kamen mit dem Gesamterlös von 15,5 Millionen Euro auf das Total der Schätzung. Aber es gab zum Teil ein zähflüssiges Ringen um herausragende Lose, und Rückgänge im Hochpreissektor waren zahlreicher als sonst.

Das gilt vor allem für die Abteilungen Klassische Moderne und zeitgenössische Kunst. Hier fielen hoch dotierte Werke durch, weil ihre Schätzpreise zum Teil überzogen waren; eine Entwicklung, die wie die Gesellschafterin des Hauses Michaela Kapitzky betont, von unrealistischen Preiserwartungen der Einlieferer geprägt wird.

Generell leiden die deutschen Auktionen in diesem Jahr an einem Mangel an Top-Losen. Die Auswirkungen des Kulturgutschutzgesetzes zeigen sich jetzt in aller Härte. Keiner gibt bedeutende Werke ab, obwohl es genug Käufer gäbe, wenn die Preise einladend sind. Auch die permanente Niedrigzins-Politik dämpft den Markt. Wer kein Geld braucht, trennt sich eben nicht von Spitzenwerken.

Der Berliner Auktionsreigen begann vielversprechend mit Kunst des 19. Jahrhunderts, die mit 1,7 Millionen Euro das Doppelte der erwarteten Summe realisierte. Hier gab es erstaunliche Bietgefechte, die in anderen Sektionen Mangelerscheinungen waren.

So stieg gleich zu Beginn der Auktion Carl Philipp Fohrs Blei-Federporträt des Freundes Ludwig Sigismund Ruhl von 20.000 auf 22.500 Euro zugunsten einer süddeutschen Privatsammlung. Ein Knabenbildnis des Hallischen Malers Adolf Senff hob ein russischer Käufer von 22.000 auf 81.250 Euro.

Fritz von Uhdes Licht durchströmte „Holländische Nähstube“ von 1882 wurde mit 30.000 Euro ausgerufen. Der Hammer fiel bei brutto 168.750 Euro zugunsten einer hessischen Privatsammlung. Den größten Sprung des Tages machte Adolph Menzels Bleistiftzeichnung „Inneres der Stiftskirche zu Einsiedeln“, die auf maximal 80.000 Euro taxiert war und für 275.000 Euro in Schweizer Privatbesitz wandert.

In der Fotografieauktion am selben Abend wurden die üblichen 500.000 Euro eingespielt. Der hohe Preis von 50.000 Euro für Albert Renger-Patzschs Vintage „Triebwerk einer Lokomotive“ lag mit 50.000 Euro (Handel Berlin) im Rahmen der Schätzung.

Exemplarisch gut verlief die Orangerie-Auktion zum Bauhaus-Jubiläum. Die zum Teil heftig bebotenen rund 200 Lose erlösten 2,4 Millionen Euro. Den Spitzenpreis von 225.000 Euro bot das Hamburger Kunstgewerbemuseum für das 1927 von Naum Slutzky für einen Hamburger Architekten gearbeitete Tee- und Kaffeeservice mit Tablett.

Das Hamburger Museum sicherte sich auch für 50.000 Euro Marianne Brandts Aschenschale in vernickeltem Messing von 1924. 206.250 Euro für ein Set von 20 Postkarten verschiedener Bauhaus-Künstler sind ein weiterer Preistriumph der Auktion. Graphiken, Zeichnungen und Fotos waren begehrt.

Das Tee- und Kaffeeservice mit Tablett für Anna Sophie und Fritz Block erzielte 225.000 Euro (inkl. Aufgeld). Quelle: Grisebach;  fotostudio bartsch berlin
Naum Slutzky

Das Tee- und Kaffeeservice mit Tablett für Anna Sophie und Fritz Block erzielte 225.000 Euro (inkl. Aufgeld).

(Foto: Grisebach; fotostudio bartsch berlin )

Nur für die übertaxierten Objekte von Wilhelm Wagenfeld, Sitzmöbel von Ludwig Mies van der Rohe und drei farbdezenten Werken von Paul Klee mochte sich kein Bieter begeistern. Dagegen ließ sich Klees aquarellierte Lithographie eines geflügelten Genius in der Vorzugsausgabe der Zeitschrift „Die Freude“ (1920) problemlos absetzen.

Wie es mit den Orangerie-Auktionen weitergeht, bleibt abzuwarten. Der äußerst rege und kundige Experte Stefan Körner wird zu Beginn des nächsten Jahres nach sieben Jahren bei Grisebach zum Fürst Pückler Museum in Branitz wechseln, nach eigenen Worten eine „Entscheidung für und nicht gegen etwas“.

Die Versteigerung der ausgewählten Werke war von multipler Verweigerung geprägt. 19 der 50 Lose gingen zurück, darunter Werke von Jawlensky, Otto Mueller, Georg Kolbe, Karl Schmidt-Rottluff und zwei Stillleben von Max Pechstein. Von ihnen war das äußerst attraktive frühe Bild mit afrikanischem Hocker mit 500.000 bis 700.000 Euro effektiv zu hoch geschätzt.

Auch Pechsteins Fischer-Motiv „Aufgeholtes Netz“ von 1922 war mit 300.000 bis 500.000 Euro nicht gerade niedrig taxiert. Doch ein brandenburgischer Sammler erbarmte sich des spröden Werks bei 375.000 Euro.

Ein 1915 datiertes Rosen-Stillleben von Lovis Corinth wurde für 312.500 Euro an den Schweizer Handel abgegeben, und für Gabriele Münters um 1909 entstandene „Heuhocken in Murnau“ begeisterte sich ein süddeutscher Sammler mit 462.500 Euro. Es war der zweithöchste Zuschlag des Abends.

Ein im Saal sitzender niedersächsischer Sammler war dreimal glücklicher Bieter. Er ersteigerte für brutto 500.0000 Euro Paul Klees braunrotes Spätwerk „Dryaden“, für 112.500 Euro Karl Schmidt-Rottluffs Aquarell „Meeresküste mit Sonne“ (1920) und für 50.000 Euro Fritz Winters Abstraktion „Mit Rot und Gelb“ von 1965.

Bei Ernst Wilhelm Nays Gemälde „Rot in tiefem Klang“, das an vielen Telefonen begehrt war und stattliche 437.500 Euro erzielte, war er der Unterbieter. In der Tagesauktion moderner Werke erreichte Emil Orliks „Straßenszene Shanghai“ mit 97.500 Euro den Höchstpreis.

In der Versteigerung zeitgenössischer Kunst gingen hochpreisige Lose von Otto Piene, Gerhard Richter, Gotthard Graubner, Tony Cragg und Rosemarie Trockel zurück. Nur drei Werke wurden zu sechsstelligen Preisen zugeschlagen: eine Gouache Sigmar Polkes mit transparentem Akt für 100.000 Euro, ein schwarz-rotes Acrylbild von Günther Förg für 112.500 Euro und Tony Craggs 1,50 Meter hohe Bronze „Different Points of View“. Doch auch hier gab es immer wieder von Telefonen ausgehende Bietduelle im vier- bis fünfstelligen Bereich.

Ein charakteristischer Ausreißer sind die von einem asiatischen Käufer für das in 175 Exemplaren edierte Beuys-Bildnis „Die Revolution sind Wir“ von 1972 gebotenen 68.750 Euro. Sie repräsentieren mehr als das Doppelte der Maximalschätzung.

Mehr: Diandra Donecker: Eine 30-Jährige ist die neue Chefin im Auktionshaus Grisebach. Lesen Sie hier das Kurz-Porträt.

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