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Auktionen bei Ketterer Sammler setzen in unsicherer Zeit auf Kunst

Ketterer erzielt Erlöse in Millionenhöhe für seine Auktionen mit Klassischer Moderne und Gegenwartskunst. Trotz schwankender Börse bleibt Kunst als Wertanlage attraktiv.
23.07.2020 - 14:20 Uhr Kommentieren
Für das Fotogemälde „Christiane und Kerstin“ (1968) bot eine Hongkonger Sammlerin 2.6 Millionen Euro. Quelle: Kettererkunst
Gerhard Richter

Für das Fotogemälde „Christiane und Kerstin“ (1968) bot eine Hongkonger Sammlerin 2.6 Millionen Euro.

(Foto: Kettererkunst)

München Der Geschäftssinn der Chinesen ist weltweit bekannt. Und wenn wie vergangenes Wochenende im Auktionshaus Ketterer eine Sammlerin aus Hongkong Gerhard Richters verwischtes Foto-Gemälde „Christiane und Kerstin“ für 2,6 Millionen Euro (alle Preise inklusive Aufgeld) erwirbt, ist da mehr als die pure Liebe zur Kunst im Spiel. „Gerhard Richter ist einer der teuersten lebenden Künstler. Allen Sammlern und Museen auf der Welt sind seine Bedeutung und auch sein Wert bewusst, selbst in China“, sagte Robert Ketterer dem Handelsblatt kurz nach der Auktion.

Richters Geschwister-Bild mit der verlockend niedrigen Taxe von nur 600.000 Euro wurde das teuerste Kunstwerk der Auktion. Für Deutschland eine Spitzensumme. Die Botschaft dahinter ist deutlich. Selbst, wenn die Weltwirtschaft mit einem achtprozentigem Abschwung rechnet, verliert bedeutende Kunst als sichere, aber auch schönste Vermögensbank nichts an Attraktivität.

Spitzenkunstwerke sind wie eine Währung und Gerhard Richters wichtigste Bilder eine der härtesten. Ein kleiner Überblick: Das teuerste seiner „Abstrakten Bilder“ wurde 2016 bei Sotheby‘s für rund 28 Millionen Euro versteigert.

Die Top-Preise von Richters Foto-Gemälden aus den Sechzigern bis Achtzigern sind nicht viel günstiger. Bei Phillips kostete 2019 der „Düsenjäger“ von 1963 umgerechnet rund 16 Millionen Euro. Dagegen erscheint der 15-teilige RAF-Zyklus von 1988 wie ein Schnäppchen. Das Museum of Modern Art New York kaufte ihn 1991 für angeblich 3 Millionen Dollar. Da kann der Preis für „Christiane und Kerstin“ nichts anderes als ein Versprechen auf eine solide Anlage sein. Das sah nicht nur die chinesische Sammlerin so, der Unterbieter war ein Interessent aus Deutschland.

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    Das Auktionshaus Ketterer setzte in der Saal-Auktion mit seinem Angebot von 400 Werken der Klassischen Moderne und der Gegenwartskunst bei einer Verkaufsquote von 81 Prozent rund 24,5 Millionen Euro um und agierte nach Zahlen auf gleichem Niveau wie im Vorjahr. „Die Kunst zeigt sich in der Krise sehr stabil“, sagt Robert Ketterer.

    Das Ölgemälde erwarb ein Sammler aus Franken für 1.062.500 Euro. Quelle: Ketterer/Marc Autenrieth
    Ernst Ludwig Kirchners „Dorfstraße mit Apfelbäumen“

    Das Ölgemälde erwarb ein Sammler aus Franken für 1.062.500 Euro.

    (Foto: Ketterer/Marc Autenrieth)

    Bei den Expressionisten waren es außergewöhnliche Werke Ernst Ludwig Kirchners, die zu hohen Investitionen animierten. Frühe Arbeiten des Mitgründers der „Brücke“ sind heute sehr selten. Etwas mehr als 1 Millionen Euro hat einem Sammler aus Franken das auf 400.000 taxierte und marktfrische Gemälde „Dorf mit Apfelbäumen“ von 1907 abverlangt. Konkurrenz kam auch aus Großbritannien.

    Es ist nicht nur die expressive Kühnheit der Farben, die mitreißt. Das Bild markiert zudem eine Phase der Befreiung von allem Akademischen unter dem Einfluss der Malerei Vincent van Goghs. Derselbe Sammler setze sich noch einmal durch bei Kirchners Leinwand „Heimkehrende Heuer“ von 1918, das 562.000 Euro einspielte. Kunstwerke wie diese verdeutlichen, in welche Preisregionen der Markt bei attraktiver, begehrter Ware auch in Krisen vordringt und welche Summen in ihn hineinfließen.

    Belangloses verliert an Wert

    Viele Insider, so auch unlängst die Kunstmarktanalystin Claire McAndrew in einem Video-Talk der Art Basel, betonen, dass die Welt in einer Wirtschafts- und nicht in einer Finanzkrise stecke. Bevor Geld durch Inflation oder Rezession zerrieben wird, gelten typische Werke wie Lyonel Feiningers reduzierte Ansicht „Manhatten, Dusk“, Josef Albers‘ farbstarke, kleinformatige „Homage to the Square“ und Paul Klees abstraktes Aquarell „Der Krieg schreitet über eine Ortschaft“ als begehrenswerte Alternativen. Bei Ketterer gehörten diese Stützen des Marktes zu den insgesamt 55 sechsstelligen Ergebnissen.

    Es ist keine neue Weisheit, dass Beliebigkeit und Belanglosigkeit auch bei Kunstwerken mit prominentem Namen Preiskiller sind, sobald der Hype vorbei ist. Worauf es im Spitzensegment ankommt, das haben bei Ketterer die Top-Erlöse vorgeführt, die vor allem unter den 86 ausgewählten Werken der Abendauktionen zu finden sind.

    Das Acrylgemälde
    William N. Copley

    Das Acrylgemälde "Bonnie + Clyde" (1973) verdreifachte seine Schätzung und kam auf 131.250 Euro.

    (Foto: VG Bild-Kunst 2020/Ketterer)

    Ein paar charakteristische Beispiele: In den größten Museen und wichtigsten Privatsammlungen ist Cy Twombly vertreten. Seine „Schiefertafel-Gemälde“ gehen für Millionen über die Bühne. Drucke gibt es viele, aber nur selten kommt seine in nur 26 Exemplaren aufgelegte Edition von Schraffur-Kompositionen auf den Markt. Der Erlös von 575.000 Euro ist Weltniveau. Der international umkämpfte, komplette Satz geht in die USA.

    Seine unangefochtene Marktposition hat auch Nagelkünstler Günter Uecker unter Beweis gestellt. Mit Erlösen von jeweils über einer halben Million Euro wurden Virtuosität und künstlerische Individualität für Werke aus den 1990er-Jahren honoriert. 

    Ein Avantgardist des Monochromen und der Kunst der reinen Farbe war Yves Klein. Seine blauen Bilder gehören zum festen Kanon des künstlerischen Aufbruchs in den 1950er Jahren. Ketterers Klein-Offerte vom Format eines Schulheftes ist mit 143.750 Euro zwar kein Rekord. Dafür sind die großen Leinwände zuständig. Aber zu diesem soliden Preis erwirbt jemand einen Klassiker der Nachkriegskunst, dessen Stellung auf dem Markt unangefochten ist.

    Spiegel der Begehrlichkeiten

    Welche Faktoren den Marktwert bestimmen, davon erzählt auch Keith Harings Lithographie „Andymouse“, die für 250.000 Euro in eine süddeutsche Sammlung geht. Der berühmteste Comic-Art-Zeichner porträtiert mit sehr viel Ironie den populärsten und geschäftstüchtigsten Pop Art-Künstler im Stil einer Disney-Ikone. Glamour, Spaß, Zeitgeist plus die zeichnerische Verve von Keith Haring – diese Kunst hat ihre Liebhaber und seinen Preis, auch wenn diese Warhol-Hommage 30 Mal gedruckt wurde. 

    Ketterers Evening Sale, der eine wertbezogene Quote von 120 Prozent durch die äußerst moderaten Taxen spielend erreichen konnte, war ein Spiegel der Begehrlichkeiten in Sachen Kunst. Er allein hat über 16 Millionen eingefahren. Manche Marktexperten sehen Spitzen-Preise als Summe von Reputation, hohem Wiedererkennungswert und gut verfügbarem Warenangebot.

    Bietkampf um Tony Cragg-Skulptur

    Auf Tony Cragg mag diese Arithmetik von der Kunst als Marke zutreffen. Seine dynamische Edelstahlskulptur „Never mind“ zur Taxe von 100.000 Euro verführte zwei Sammler zu einem lang anhaltenden Bieterkampf, der erst bei 537.500 Euro zugunsten des Schweizer Interessenten endete.

    Als eine Investition mit Potenzial sah der Berliner Handel die erforderlichen 175.000 Euro für Paula Modersohn-Beckers „Kopf der Schwester Herma“ von 1901. Das apart-spröde Gemälde, dessen Pendants in wichtigen deutschen Museen hängen, wurde zur unteren Taxe zugeschlagen. Hier ahnt ein Käufer, dass ein Werk derzeit unterschätzt ist.

    Nichts falsch gemacht mit Polke

    Das ist bei Sigmar Polke anders. Starke Arbeiten des 2010 verstorbenen Kunstrebellen haben inzwischen die Millionengrenze überschritten. Die große, amorphe Übermalung von bedruckten Stoffbahnen sollte Anfang des Jahres bei Sotheby‘s in London eine siebenstellige Summe einspielen und fiel durch. Nun stand sie bei Ketterer zum Verkauf zur Taxe von 500.000 Euro. Für brutto 750.000 Euro übernahm ein Käufer aus den USA ein großes Werk. Das kommentiert der Auktionator trocken: „Der hat bestimmt nichts falsch gemacht.“

    Ketterer hat inklusive Buchauktionen, Kunst des 19. Jahrhundert und reinen Internetauktionen nach eigenen Angaben in dieser Saison rund 30 Millionen Euro umgesetzt und ist damit in Deutschland erneut Marktführer. Nur eins war anders. Es gab keine Vernissage und keinen Umtrunk. Das Resümee des Hausherrn: „Es geht auch ohne Champagner.“

    Mehr: Auktionsvorbericht: Deutsche Kunstversteigerer trotzen Corona

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