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Auktionen für zeitgenössische Kunst Kunstversteigerungen: Investitionen ins mittlere Preissegment

Kunst aus Deutschland ist in London sehr begehrt. Extrem hohe Zuschläge bleiben jedoch mangels Angebot aus. Christie’s tut sich etwas schwerer und setzt auf junge Kunst. Sotheby’s vertraut mit Erfolg etablierten Namen.
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Zum Rekordpreis versteigert. Quelle: Sotheby’s VG BILD-KUNS
Albert Oehlen „Selbstporträt mit leeren Händen“

Zum Rekordpreis versteigert.

(Foto: Sotheby’s VG BILD-KUNS)

London Trotz eines zweimonatigen Kunstmarathons von der Biennale in Venedig über die Art Basel nach London lässt der Appetit auf zeitgenössische Kunst nicht nach. Das beweisen die Auktionen dieser Woche in London. Gerade aufgrund eines preislich moderaten Angebots in allen Auktionshäusern hält sich der Markt von der Malerei der Nachkriegszeit bis zur ganz aktuellen Kunst stabil. Die spektakulär kostspieligen Angebote fehlten. Aber Objekte im mittleren Preissegment kamen bei den Sammlern gut an, vor allem, wenn sie sich Kunstwerke unter den angegebenen Schätzwerten unter den Nagel reißen konnten.

Auffällig war der Unterschied im Angebot zwischen den Wettbewerbern. Sotheby’s konnte bei Weitem die bessere Ausgewogenheit und Qualität an Arbeiten vorzeigen. Sotheby’s Spezialist Martin Klosterfelde hatte mögliche Verkäufer gezielt angesprochen und vom Verkauf überzeugen können. Die Ergebnisse bestätigen diese Taktik, mit einem Gesamtergebnis von 69,1 Millionen Pfund verkaufte das Haus 91 Prozent der 43 Lose.

Nachdem Christie’s zwei Jahre lang versucht hatte, den Auktionsrhythmus zu ändern und die Versteigerungen im Juni zugunsten der Termine im Februar und Oktober wegzurationalisieren, gab es sich dieses Jahr geschlagen und reihte sich wieder in die gewohnte Reihe ein – allerdings mit einer kleinen und auf junge Kunst fokussierten Abendauktion.

Mehr junge Kunst bei Christie'S

Hier zeigte sich, dass es nicht immer einfach ist, einmal aufgebendes Terrain wiederzugewinnen. Christie’s konnte zwar historische Arbeiten aus den 1950er- und 1960er-Jahren aufweisen, profilierte sich aber vor allem mit Arbeiten, die nach 2000 entstanden waren. Christie’s hatte davon 14 im Angebot, Sotheby’s nur vier Arbeiten. Damit begibt sich Christie’s in die Nähe von Mitbewerber Phillips, der vor allem auf junge Kunst setzt. Über deren Donnerstagabendauktion wird nächste Woche zu berichten sein.

Christie’s bot nur 35 Objekte an, verkaufte allerdings bis auf zwei Lose alles und spielte insgesamt 45,2 Millionen Pfund ein, weit unter Sotheby’s, dennoch ein solides Ergebnis. Elliot McDonald, Direktor der Pace Gallery in London, sieht das Ergebnis positiv: „Christie’s ist wieder dabei, und die Woche war brillant. Sie hat dem Markt in London mit neuen Namen neue Energien gegeben.“ Das komme neben den Auktionen auch den Galerien zugute, setzt er hinzu.

Im Konkurrenzkampf der Auktionshäuser muss sich jetzt zeigen, ob Sotheby’s den aktuellen Vorsprung bei den Zeitgenossen weiter halten oder sogar ausbauen kann – insbesondere nach dem Eigentümerwechsel. Christie’s indes muss aufpassen, in dieser Kategorie nicht an die dritte Stelle hinter Phillips abzurutschen.

Wechselt für 1,8 Millionen Pfund in neue Hände. Quelle: KAWS/ CHRISTIE'S
KAWS „NYT (Companion Close Up)“

Wechselt für 1,8 Millionen Pfund in neue Hände.

(Foto: KAWS/ CHRISTIE'S)

Bei Sotheby’s bestach vor allem die Ausgewogenheit der angebotenen Lose. Die oftmals etablierten Namen belohnten die Kunden mit aktiven Geboten im Saal und an den Telefonen. Im Gegensatz zu Christie’s hingegen, das von einem Drittel asiatischer Bieter sprach, vermochte der Marktbeobachter bei Sotheby’s wenig asiatisches oder auch amerikanisches Interesse auszumachen.

Martin Klosterfelde sprach von einer aktiven Teilnahme auch von deutschen Kunden. Nicht überraschend, brachte das Haus doch einige Schwergewichte deutscher Kunst in die Bond Street. Der Hamburger Großsammler Harald Falckenberg lieferte zwei Arbeiten ein, deren Erlöse dem Ausbau seiner Sammlung dienen sollen. Bedeutend war dabei vor allem Albert Oehlens „Selbstporträt mit leeren Händen“ von 1998, das der Sammler 1999 in der Galerie Bärbel Grässlin in Frankfurt angekauft hatte. Das symbolträchtige, expressiv gestaltete Sujet, verbunden mit der ausgezeichneten Provenienz aktivierte den Saal. Die auf 4 bis 6 Millionen Pfund geschätzte Arbeit stellt zwar mit knapp 6 Millionen Pfund den neuen Auktionsweltrekord des Künstlers auf, blieb allerdings im Rahmen der Erwartungen. Auch zwei weitere spätere Arbeiten von Oehlen verkauften sich gut.

Verzehnfachen konnte sich ein Gemälde des eher Kennern bekannten deutschen Malers Wols. „Vert Strié Noir Rouge“ von 1946/47 hätte sich gut bei den Moderne-Auktionen behaupten können, das hielt aber Zeitgenossen-Sammler nicht davon ab, sich nicht für diese kraftvolle Abstraktion zu begeistern. Das Großformat ging für 4,5 Millionen Pfund an einen Händler im Saal. Christie’s, das Haus, das sonst oft einen Schwerpunkt mit deutscher Kunst setzt, bot bei dieser Auktion kaum etwas an.

Porträts liegen wieder im Trend

Zum teuersten Los der Woche wurde bei Sotheby’s aber wieder einmal Francis Bacon. Sein Selbstporträt von 1975 ging bei nur einem Gebot für 16,5 Millionen Pfund wohl an den Garantiegeber. Die Schätzung hatte bei 15 bis 20 Millionen Pfund gelegen. Auch an weiteren Beispielen zeigte sich, dass nicht nur figurative Malerei, sondern vor allem auch Porträts wieder verstärkt im Trend liegen.

Bei Christie’s steht Jean Dubuffets „Cérémonie“ aus dem Jahr 1961 mit taxgerechten 8,7 Millionen Pfund an der Spitze der Top-Ten-Liste. Das großformatige, attraktive Bild erwarb die Händlerin Danielle Luxembourg, die sich auch einen Wandteppich von Gerhard Richter für eine Million Pfund sicherte.

Bei manchen Werken der jungen Kunst bei Christie’s konnte man fragen, was diese in einer Abendauktion zu suchen hätten. Die Gier nach Neuem, junge Künstler nach ersten Galerie- und Auktionserfolgen in den sich schnell drehenden Markt zu integrieren, birgt Risiken. Preiserfolge erzeugen Druck hin zu immer schnellerer Produktion, während Misserfolge im Auktionssaal auch Sammler im Galeriemarkt verunsichern.

Erfolgreich in den Auktionsmarkt konnte Christie’s Tschabalala Self, eine aus Harlem stammende 29 Jahre alte Künstlerin einführen, die ganz im Trend der afroamerikanischen jungen figurativen Malerei liegt und zum zweiten Mal auf einer Auktion vertreten war. Gestützt von einem Schwung von Museumsausstellungen in den USA, konnte ihre Arbeit „Out of Body“ von 2015, auf 40.000 bis 60.000 Pfund geschätzt, das Interesse von 19 Bietern auf sich ziehen. Am Ende fiel sie für 371.000 Pfund an den Sammler-Händler Jose Mugrabi, der nach längerer Abwesenheit in London wieder sehr präsent war.

Der Trend junger afroamerikanischer und auch afrikanischer Kunst hält an, allerdings sollte man die Preise noch einige Zeit beobachten, denn dieses gehypte Marktsegment fühlt sich für den Beobachter sehr spekulativ und schnelllebig an.

Dass schnelle Trends durchaus auch daneben gehen können, zeigt Christie’s Optimismus, die erst seit Kurzem international bekannte, 85-jährige Engländerin Rose Wylie in die Abendauktionen einzuführen. Ihre Arbeit blieb unverkauft und wurde erstaunlicherweise nicht von ihrem Galeristen David Zwirner durch einen Ankauf gestützt. Ist es im Endeffekt doch die Jugend, die sich verkauft? Trotz der Dominanz ganz junger amerikanischer Malerei konnte auch ein Triptychon des deutschen Malers Jonas Burgert einen Weltrekord erzielen. Die vier Meter hohe, sieben Meter lange Apokalypse „Suchtpuls“ von 2012 verkaufte sich an einen asiatischen Bieter für 419.000 Pfund.

Ob aus Spekulationssucht oder genuinem Interesse an der Kunst, Arbeiten, die die Spannungen unserer Zeit aufzeigen, liegen voll im Trend. Deutsche Malerei, sei es historisch mit Wols oder aktuell mit Jonas Burgert, kann sich hier auch bei globaler Konkurrenz behaupten.

Mehr: Auktionen für Impressionismus und Moderne in London. Lesen Sie hier, warum die Umsätze hinter den Erwartungen zurückbleiben.

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