Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Auktionen für zeitgenössische Kunst Unbeeindruckt von Brexit-Sorgen: Sammler und Händler bieten in London

Sotheby’s macht Furore mit Banksys Affenparlament, Phillips lockt mit Zeitgenössischem und Christie’s ist mit den Großen der Nachkriegskunst erfolgreich.
Kommentieren
Dieses Gemälde wurde zum Rekordpreis von 3,4 Millionen Pfund versteigert. Sein Schätzwert belief sich auf 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund. Quelle: Phillips/VG Bild-Kunst 2019
Alex Katz: „Blue Umbrella I“ von 1972

Dieses Gemälde wurde zum Rekordpreis von 3,4 Millionen Pfund versteigert. Sein Schätzwert belief sich auf 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund.

(Foto: Phillips/VG Bild-Kunst 2019)

London Das Bild der Auktionen für zeitgenössische Kunst war in London sehr uneinheitlich. Sotheby’s sorgte mit dem Affenparlament von Banksy für ein Spektakel, Christie’s bot einen überzeugenden Auftritt und Phillips traf den jungen Geist der „Frieze“-Messewoche.

Christie’s konnte seine Stärke im Markt für zeitgenössische Kunst durch die Sicherung von Sammlungen demonstrieren. Diese helfen, Auktionen durch eine große Anzahl von Losen mit oftmals sinnverbundenen Werken aufzuwerten. Das gilt besonders für Zeiten, in denen die Akquise nicht einfach ist. Das betonen Experten allerdings nur hinter vorgehaltener Hand.

Christie’s startete mit der Einzelauktion der Sammlung von Jeremy Lancaste. Britische als auch internationale Kunst spielte hier 23 Millionen Pfund ein. Die Verkaufsrate von 91 Prozent zeigte das lebhafte Interesse. Vor allem der Handel engagierte sich für die Größen der Nachkriegskunst von Phillip Guston über Josef Albers hin zu Howard Hodgkin und Bridget Riley. Interesse an Form und Farbe bestimmte die Sammlungsstrategie des vor kurzem verstorbenen Lancaste.

Bietschlacht um Birgit Jürgenssen

Die Abendauktion einige Tage später war vor allem lang. Mit fast 80 Losen konnte sich Christie‘s glücklich schätzen, dass nur den Besuchern im Saal die Geduld ausging, nicht aber den Bietern an den Telefonen. Wichtige Lose kamen aus der Firmensammlung der UniCredit zum Aufruf, vor allem solche aus der Hypo-Vereinsbank. Gerhard Richters „Abstraktes Bild“ (1984) erzielte nahe der unteren Schätzung von 6,5 bis 9,5 Millionen Pfund 7 Millionen.

Dirk Boll, Präsident bei Christie’s, kommentiert das Ergebnis des ersten Teils des umfangreichen Verkaufs an Werken der UniCredit: „Mit großer Sorgfalt ausgewählt, zeigte die UniCredit Gruppe eine große Bandbreite sowie hohe Qualität in den Einzelwerken. Höchst erfreulich war das gute Abschneiden der Gerhard Richter-Arbeiten, begeisternd die Bieterschlacht um Birgit Jürgenssens Schuhe.“ Hierbei bezieht sich Boll auf eine Arbeit der verstorbenen Künstlerin, die in der Tagesauktion statt geschätzter 5.000 bis 10.000 Pfund 32.000 Pfund erbrachte.

Dieses Kunstwerk ist über zwei Millionen Pfund wert. Geschätzt war das raumhaltige Gemälde auf 1,4 bis 1,8 Millionen Pfund. Quelle: Sotheby's/VG Bild-Kunst 2019
Alberto Burri: „Rosso Plastica“

Dieses Kunstwerk ist über zwei Millionen Pfund wert. Geschätzt war das raumhaltige Gemälde auf 1,4 bis 1,8 Millionen Pfund.

(Foto: Sotheby's/VG Bild-Kunst 2019)

Christie’s präsentierte als einziges Haus eine interessante Bandbreite von Arbeiten deutscher Künstler. Das Haus konnte dabei historische Positionen wie die oben erwähnte Birgit Jürgenssen aber auch Thomas Bayrle in den Londoner Markt einführen. Bayrles „Tassenfrau“ von 1967 erzielte mit 237.000 Pfund einen Rekordpreis weit über der Schätzung. Insgesamt spielte die solide Abendauktion bei einer Verkaufsrate von 87 Prozent der Lose 64,5 Millionen Pfund ein. Die nachfolgende Auktion italienischer Kunst behauptete sich gut und addiert nochmals 24,6 Millionen Pfund zum Gesamtergebnis. Hier wird der Markt weiterhin von Lucio Fontana angeführt.

Auch Sotheby’s konnte von Fontanas starkem Markt profitieren. Der deutsche Mitarbeiter Martin Klosterfelde verkaufte eine Bronzeskulptur ‚Concetto Spaziale, Natura‘, von 1959/60 für 2,5 Millionen Pfund. Ohne die Italiener, denen Sotheby’s keine eigene Auktion mehr widmet, hätte die Abendauktion dünn ausgesehen. Von den nur 39 aufgerufenen Losen stammten 13 von italienischen Künstlern.

Geschichtsträchtiger Zuschlag für Banksy

Hier führten am Ende zwei ehemals außerhalb des Etablierten agierende Künstler die Auktion an. Für Überraschung sorgte das 13 Minuten anhaltende Bietgefecht um Banksys Historienbild „DevolvedParliament“ von 2009, das anstelle der erhofften 1,5 bis 2 Millionen Pfund 9,9 Millionen Pfund brachte. Auf die Preise von Jean-Michel Basquiat ist immer noch Verlass. „Pyro“ kam taxgemäß ebenfalls auf 9,9 Millionen Pfund. Georg Baselitz‘ „Mein Karren“ verdreifachte mit 1,6 Millionen Pfund seine Schätzung.

Sotheby‘s spielte 54,7 Millionen Pfund ein bei einer Verkaufsrate von 87 Prozent und kommt damit auf dem Papier noch gut weg. Das schwächere Angebot spiegelt wohl die Unsicherheit der Einlieferer wieder. Nach dem Verkauf des Unternehmens an Patrick Drahi erwarten sie Veränderungen, das fördert nicht das Vertrauen.

Phillips setzte vor dem Hintergrund der Frieze-Messen als einziges Auktionshaus auf Kunst der jüngeren Generation. Klassische Werke schickte sie bewusst zu den November-Auktionen, sagte die Chairwoman Cheyenne Westphal im Gespräch mit dem Handelsblatt. Kühn legte das Haus die Auktion auf den Eröffnungstag der Messen, wurde aber durch ein volles Haus mit aktiver Beteiligung des Saals belohnt.

Das Interesse an Frauenkunst vor allem mit afrikanischen Wurzeln ist spürbar. Auch Hurvin Anderson begeistert weiterhin. „Beaver Lake“ von 1998 erzielte knapp über der Schätzung 2,2 Millionen Pfund. Erstaunlich ist auch das neuerwachte Interesse an Alex Katz auf den Messen und Auktionen. Für dessen Frühwerk, „Blue Umbrella I“, konnte Phillips mit 3,4 Millionen Pfund bei einer Taxe von 800.000 bis 1,2 Millionen einen Weltrekord erzielen. Katz steht stellvertretend für eine Reihe älterer amerikanischer Künstler, die auch verstärkt in Asien gesammelt werden, wie auch George Condo oder George Scully.

Sammlerinteresse trotz Brexit-Sorgen

Phillips sah mit 25,8 Millionen Pfund einen 28 prozentigen Anstieg im Umsatz und gibt sich zufrieden. Westphal betont vor allem die Aktivität Asiens: „Viele Asiaten waren auch im Raum. Am Telefon hatten wir Kunden aus Hong Kong, Shanghai und Tokyo.“
Das fehlende Vertrauen in den Markt, das die englische Marktanalysefirma ArtTactics vor den Auktionen durch Umfragen zu entdecken meinte, konnte man vielleicht am Gesamtvolumen, aber nicht an Einzelergebnissen festmachen. Das Sammlerinteresse ist da, trotz der Brexit-Sorgen. Und noch kann man Kunst einfach transportieren.

Dreht sich London im Oktober doch sehr um sich selbst, hilft es vielleicht, nach Osten zu schauen. In Hong Kong, einer Stadt, deren Bewohner seit Monaten für demokratische Rechte auf die Straße gehen, verzeichneten die Auktionen Rekordpreise und erstaunliche Umsatzzahlen. Allein die Auktionen für Moderne und zeitgenössische Kunst spielten bei Sotheby’s umgerechnet 105 Millionen US-Dollar ein, bei einem Gesamtergebnis von 426 Millionen Dollar oder 350 Millionen Pfund in allen Bereichen in einer einzigen Woche.

Mehr: Banksys Satire: Lesen Sie hier über die Hintergründe des Affentheaters im britischen Unterhaus

Startseite

Mehr zu: Auktionen für zeitgenössische Kunst - Unbeeindruckt von Brexit-Sorgen: Sammler und Händler bieten in London

0 Kommentare zu "Auktionen für zeitgenössische Kunst: Unbeeindruckt von Brexit-Sorgen: Sammler und Händler bieten in London"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote