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Auktionen in London Das Angebot am Markt für Kunstauktionen ist mager

Mangels Topeinlieferungen bewilligen Sammler immer wieder Preise unter den Erwartungen. Christie’s enttäuscht, Sotheby’s kommt mit einem blauen Auge davon.
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Das Gemälde wurde für 18,4 Millionen Pfund versteigert. Quelle: Sotheby's
Modiglianis „Sitzender Knabe“

Das Gemälde wurde für 18,4 Millionen Pfund versteigert.

(Foto: Sotheby's)

London Auktionen sind ein Saisongeschäft. Traditionell schmückt sich London im Juni mit einer Auktionsstaffel durch die gesamte Geschichte der Kunst. Ob dieser Auktionsrhythmus weiterhin funktioniert, muss sich vor allem Christie’s nach einer extrem schwachen Auktion mit Kunst des Impressionismus und der Moderne fragen. Sotheby’s kam noch einmal mit einem blauen Auge davon.

Jeder Marktbeobachter sieht, dass es ganz klar am Angebot hapert. Es gibt im Augenblick einfach nicht genug Spitzenwerke, um neben New York auch in London mehrere hochklassige Abendauktionen pro Jahr durchzuführen. Bei dem Kunstmarathon machen weder Einlieferer noch Käufer mit, und ein „Reset“ des Auktionskalenders täte wohl allen gut. Der erfahrene Kunstberater Jörg Bertz aus Düsseldorf urteilt: „Der Markt hier ist einfach dünn.“

Die großen Sammler vor allem aus Asien geben die Konditionen vor. Große Summen fließen nur in gefällige Werke mit sogenannter „Museumsqualität“. Sotheby’s hat sich dem insofern angepasst, als das Auktionshaus mit nur 25 Losen eine extrem reduzierte Versteigerung zusammenstellte. Ganz klassisch führte ein Seerosenbild von Claude Monet von 1908, das sich seit 1932 in einer argentinischen Privatsammlung befand. Die atmosphärische Darstellung flirrender Luft in delikater Reinheit spielte 23,7 Millionen Pfund ein. Damit lag es klar unter der Schätzung von 25 bis 35 Millionen Pfund.

Ebenso unter den Erwartungen ging ein weiteres frühes Landschaftsbild von Monet aus der gleichen Sammlung für knapp vier Millionen an einen asiatischen Bieter. Überhaupt verdankte Sotheby’s sein gutes Ergebnis vor allem asiatischen Bietern, deren Geschmack weiterhin eine zentrale Rolle für den Erfolg von Losen spielt. Kann man Monet eben doch nur in den USA optimal anbieten?

Es müssen im Augenblick wirklich besondere Umstände zusammenkommen, damit sich Sammler von besonderen Werken trennen. Zwei Werkkomplexe standen mit Restitutionen aus der Nazizeit in Zusammenhang. Camille Pissarros „Le Boulevard Montmartre, fin de journée“ von 1897 stammte aus der Berliner Sammlung Alfred und Gertrud Sommerguth, die nur 22 Arbeiten in die Schweiz retten konnten, wo sie der Sturzzeneggerschen Gemäldesammlung in St. Gallen zur Sicherung übergeben wurden.

Von dort wurde die typische Pariser Straßenansicht durch die Galerie Nathan in Zürich an eine europäische Sammlung veräußert. Im Zuge einer Vergleichsvereinbarung mit den Sammlererben brachte das Gemälde, geschätzt auf 3,5 bis fünf Millionen Pfund, dann doch 7,1 Millionen Pfund.

Das Spätwerk des Jahrhundertgenies bleibt gefragt, auch weil wenig Älteres auf dem Markt ist. Quelle: Christie’s Images Limited 2019  /VG-Bildkunst, Bonn, 2019
Pablo Picasso „Le peintre“ von 1967

Das Spätwerk des Jahrhundertgenies bleibt gefragt, auch weil wenig Älteres auf dem Markt ist.

(Foto: Christie’s Images Limited 2019 /VG-Bildkunst, Bonn, 2019)

Auch ein Konvolut von originalen Papierarbeiten des Symbolisten Alfred Kubin wurde restituiert. Die 16 ausgesuchten Papierarbeiten, von denen nur eine in der Abendauktion zum Aufruf kam, stammen alle aus dem Münchener Lenbachhaus. Das Museum führt die Arbeiten aktuell auch noch im Online-Sammlungskatalog als Teil des Kubin-Archivs von Kurt Otto aus Hamburg auf, ohne auf die Nazivergangenheit hinzuweisen.

Denn Otto hatte 1938 unter Wert und zum Stückpreis von nur 30 Reichsmark Teile der Sammlung Morgenstern erworben. In Kubins „Epidemie“ verstreut ein riesiges Skelett Krankheitssamen über einem Dorf. Das Blatt mit dem düsteren Thema und der einzigartigen Formensprache wurde zu dem am meisten umkämpften Los des Abends. Statt für die angenommenen 150.000 bis 200.000 Pfund ging die Arbeit für 963.000 Pfund an einen Onlinebieter.

Kubin ist nicht nur ein Künstler, der selten in Abendauktionen erscheint und dessen düstere Visionen nicht jedem Geschmack entsprechen. Er markiert auch den interessanten Übergang von der Kunst des 19. in die Moderne des 20. Jahrhunderts.

Die Klassische Moderne weckt zum Nachteil der Impressionisten immer stärker das Interesse der neuen Sammler aus Asien. Wahrscheinlich, um die Verfeinerung ihres Geschmacks zu demonstrieren, bieten sie auf die Avantgarden des 20. Jahrhunderts. Diese Woche sah man das an dem Porträt eines Jungen „Jeune homme assis, les mains croisées sur les genoux“ von Amadeo Modigliani von 1918, das Sotheby’s mit einer Schätzung von 16 bis 18 Millionen anbot. Bei zwei Telefonbietern, einem davon aus Asien, wurde das eher seltene Motiv eines anonymen Dorfknaben für 18,4 Millionen veräußert.

Auch Christie’s setzte mit seinem Spitzenlos auf die Moderne und konnte ein signifikantes Werk von Fernand Léger anbieten. Das fast abstrakt-kubistische „Femme dans un fauteuil“, für das sich das Auktionshaus 25 Millionen Pfund erhoffte, kam bei den Geboten nicht über 19,5 Millionen Pfund hinaus und ging unverkauft zurück. Ein herber Verlust, der zum desaströsen Gesamtergebnis von nur 36,4 Millionen Pfund bei 31 angebotenen Werken und einer Verkaufsrate von 77 Prozent beitrug.

Surrealistische Kunst bleibt erfolgreich

Sotheby’s hingegen konnte mit 99 Millionen Pfund und einer Verkaufsrate von 92 Prozent überzeugen. Zu den wenigen Erfolgen bei Christie’s trugen vor allem zwei späte Picassos aus den 1960er- Jahren bei. Die Preise liegen hier zwischen zwei und zwölf Millionen Pfund. Die Entdeckung von Picassos Spätwerk dauert nun schon eine Weile an. Aufgrund des Mangels an Spitzenwerken aus früheren Epochen kann man auch hier kein Ende des Trends absehen.

Surrealistische Kunst konnten beide Häuser erfolgreich vermarkten. Werke von René Magritte, Yves Tanguy und Joan Miró verkauften sich durchweg erfolgreich. Zufrieden war der Galerist Olivier Malingue, der bei Christie’s eine Zeichnung von Salvador Dalí erwarb. Auch er betont, dass der Markt an sich stabil ist, aber die Abendauktionen am Mangel von Spitzenwerken leiden.

Kunst aus dem deutschsprachigen Raum fehlte fast völlig. Sotheby’s erzielte einen Auktionsweltrekord für den eher unbekannten Mondrian-Freund Fritz Glarner, dessen „Relational Painting, No. 60“ 760.000 Pfund brachte. Es kam allerdings mit erstklassiger Provenienz an, stammt es doch aus der Sammlung des Museums of Modern Art in New York, das die Arbeit aus dem Bestand veräußerte.

Christie’s konnte erfolgreich Papierarbeiten anbieten, Gemälde fehlten fast völlig. Ein Mädchenakt von Egon Schiele auf Papier stieg mit 1,2 Millionen auf das Fünffache der Schätzung. Bei gleicher Taxe brachte ein kleines Pastell von August Macke von 1910 ebenfalls 1,2 Millionen Pfund – in der speziellen Auktion für Papierarbeiten.

Allerdings zeigte sich dort auch, wie man mit Papierarbeiten Geld verlieren kann. Eine Zeichnung des neusachlichen Malers Christian Schad, deren Schätzung bei 2.000 bis 3.000 Pfund gelegen hatte, war bei Lempertz 2006 für 6.000 Euro an den jetzigen Einlieferer versteigert worden. 2019 verkaufte sich die Arbeit in London nur mehr für 500 Pfund. Da soll einer sagen, bei Auktionen gäbe es keine Schnäppchen.

Mehr: Münchener Versteigerungen: Nur 20 bis 30 Künstler sind die Umsatzbringer. Lesen Sie hier den Bericht über die Auktionen bei Ketterer.

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