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Auktionen in New York Mit 91,1 Millionen Dollar hat ein Hase die Nase vorn

Sotheby's und Christie's machen mit ihren Impressionismus- und Moderne-Auktionen Umsätze wie lange nicht mehr. Verantwortlich ist viel marktfrische Kunst aus alten Sammlungen.
Update: 18.05.2019 - 11:58 Uhr Kommentieren
Das Toplos der Woche: eine abendliche Lichtstudie aus der immerhin 25-teiligen „Heuhaufen”-Serie von 1890. Quelle: Sotheby's
Claude Monet

Das Toplos der Woche: eine abendliche Lichtstudie aus der immerhin 25-teiligen „Heuhaufen”-Serie von 1890.

(Foto: Sotheby's)

New YorkEin schier unersättlicher weltweiter Appetit für Kunst von Impressionismus bis zu den ganz Jungen bescherte den Auktionshäusern beim letzten Markttest einige „big nights“ und sprach Bände über die Vitalität des Marktes. Das Angebot konnte sich aber auch sehen lassen.

„Lange etablierte Sammlungen mit Werken, die seit Generationen nicht mehr auf dem Markt waren“, so fasste Helena Newman, Sotheby’s Worldwide Head of Impressionist and Modern Art, das Erfolgsrezept für den 14. Mai zusammen. Der Tag hatte mit 349,9 Millionen Dollar das beste Ergebnis seit Mai 2015 eingespielt.

Bei der Akquise bedeutender Nachlässe hatte aber Konkurrent Christie’s in dieser Saison eindeutig die Nase vorn. Vor allem die Werke aus der legendären Sammlung des 2007 verstorbenen prominenten New Yorker Verlegers Samuel Irving („Si“) Newhouse, Jr. spielten hier über zwei Abende verteilt allein 216,3 Millionen Dollar ein, weit über der Erwartung.

„Si Newhouse war einer der wichtigsten Sammler des 20. Jahrhunderts und bis weit ins 21. Jahrhundert“, so Privathändler Tobias Meyer, der nach 15 Jahren als Zeitgenossenchef und Starauktionator bei Sotheby’s nun die Newhouse-Familiensammlung betreut.

Newhouses polierter Stahl-„Rabbit“ (Auflage 3, ein Künstlerexemplar) von Jeff Koons, der 1986 das traditionelle Verständnis von Skulptur herausforderte, führte mit 91,1 Millionen Dollar am Mittwochabend gleich Christie’s Top Ten der Zeitgenossen an.

Und sie etablieren Koons wieder als teuersten lebenden Künstler, ein Status, den ihm David Hockney im letzten Herbst (bei 90.3 Millionen Dollar) kurzfristig streitig machen konnte. Vier Bieter bewarben sich Minutenlang um den Balloon-Hasen mit Möhre; dann konnte der New Yorker Händler Robert Mnuchin, Vater des aktuellen US-Finanzministers, seinem Kunden den Zuschlag sichern.

Erst relativ spät hatte Newhouse seinen Blick auch aufs 19. Jahrhundert gerichtet und 1999 für Cézannes schönes Stillleben mit Wasserkocher und Früchten (1888-90) bei Sotheby’s in London stattliche 29,5 Millionen Dollar gezahlt.

In Christie’s Impressionsten- und Moderne-Auktion fiel das Bild am 13. Mai nach längerem Gefecht bei 59,3 Millionen Dollar an Rebecca Wei, Christie’s President Asia mit Sitz in Hongkong. Es schrammte dabei nur ganz knapp an einem neuen Rekord vorbei. Die unveröffentlichte Taxe lautete „um 40 Millionen Dollar“.

Sammler aus Asien setzten sich wieder auffallend stark für Markennamen des Impressionismus und der Moderne ein. Sie hatten sich in der letzten New Yorker Runde im November rar gemacht. „Das Interesse an diesem Gebiet wächst“, beobachtete Sotheby’s Julian Dawes, Head of Evening Sale. „Neue Märkte - und dazu zähle ich auch China - fühlen sich zu Blue Chip-Namen hingezogen. Und Monet ist ja der Inbegriff des Impressionismus“.

Jeff Koons in Oxford neben seiner nun 91,1 Millionen Dollar teuren Skulptur „Rabbit“. Sie wurde bei Christie's versteigert. Quelle: Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpa
Wieder der teuerste lebende Künstler

Jeff Koons in Oxford neben seiner nun 91,1 Millionen Dollar teuren Skulptur „Rabbit“. Sie wurde bei Christie's versteigert.

(Foto: Foto: Steve Parsons/PA Wire/dpa)

Auch Japan meldete sich wieder zurück. Dorthin reist etwa Monets Venedigstudie „Le Palais Dario“ von 1908, die bei 6,8 Millionen Dollar knapp die obere Taxe bestätigte. Überraschenderweise stellten die Impressionisten auch das Toplos der Woche: Claude Monets abendliche Lichtstudie aus einer immerhin 25-teiligen „Heuhaufen”-Serie von 1890.

Sechs Bieter – laut Newman „aus der ganzen Welt“ – stritten sich acht Minuten lang um den Monet. Erst bei 97 Millionen Dollar fiel es an ein westliches Paar (er am Handy) mit der Bieternummer 989 ganz hinten im Saal. Inklusive Aufgeld zahlen sie 110.7 Millionen Dollar, den bisher höchsten Auktionspreis für ein Werk des Impressionismus. Eine schöne Rendite, denn beim letzten New Yorker Auktionsauftritt im Jahr 1986 hatten diese Heuhaufen nur 2,53 Millionen Dollar gekostet.

Bei Sotheby’s fiel auch der Rekord für ein spätes Werk Picassos aus den 1960er-Jahren. Eine japanische Sammlung hatte das Großformat „Femme au Chien“ eingeliefert, an dem der Künstler einen ganzen Monat lang laboriert hatte (23.11. / 14.12.1962).

Es zeigt Jacqueline und ihren geliebten Afghanischen Windhund Kaboul. Mindestens fünf Bieter, unter ihnen der Händler David Nahmad und Patti Wong, Chairman of Sotheby’s Asia, bewarben sich ab dem Ausruf bei 19 Millionen Dollar. Aber erst bei 54,9 (25/30) Millionen Dollar fiel der Hammer: Neuer Eigentümer ist der gefallene Kasinomagnat Steve Wynn, der sich jetzt als Händler für Topkunst betätigen will.

Eine soeben zu Ende gegangene Pierre Bonnard-Ausstellung in Tate Modern vermochte offenbar das Interesse an der Künstlergruppe der Nabis um 1900 anzufachen. Nun kostete Bonnards schönes Großformat „La Terasse ou Une Terasse à Grasse“ (1912) in sonnendurchtränkten leuchtenden Farben bei Christie’s den Kunden einer Düsseldorfer Repräsentantin des Hauses den Ausreisserpreis von 19,6 Millionen Dollar (Taxe 5 bis 8 Millionen).

Christie’s Auktion für zeitgenössische Kunst hämmerte am 15. Mai 538,97 Millionen Dollar ein. Das ist eine 36-prozentige Steigerung gegenüber dem Vorjahr und das beste Ergebnis seit Mai 2015. Auch hier spielte Marktfrische die tragende Rolle. Nur sechs Lose von insgesamt angebotenen 56 hatten in den vergangenen 20 Jahren Auktionsräume von innen gesehen.

Elf gut ausgewählte Werke steuerte der Nachlass der wichtigen Chicagoer Mäzene Robert und Beatrice Mayer bei. Sie gehörten zu den frühesten und ausgiebigsten Förderern der Pop-Art. Jetzt gefiel vor allem Robert Rauschenbergs riesiges Silkscreen-Gemälde „Buffalo II“ in wunderbarer Qualität.

Es war 1964, kurz nach der Ermordung von John F. Kennedy entstanden und wurde im folgenden Jahr bei Leo Castelli von den Mayers gekauft wurde. Vier Telefone hievten es auf den neuen Künstlerrekord von 88,8 Millionen Dollar (Taxe: (50 bis 70 Millionen Dollar). Insgesamt trugen die elf Mayer-Lose 157,2 Millionen zu den Abendeinnahmen bei.

Umsätze und Quoten:

Christie’s: Impressionist and Modern Art 13. Mai 2019:
399,041 Millionen Dollar für 54 verkaufte Lose (9 unverkauft)
Zuschlag nach Wert: 96 Prozent, nach Losen: 86 Prozent

Sotheby’s: Impressionist & Modern Art, 14. Mai 2019:
349,9 Millionen Dollar für 50 verkaufte Lose (5 unverkauft)
Zuschlag nach Wert: nicht angegeben, nach Losen: 90,9 Prozent

Christie’s Post-War and Contemporary Art, 15. Mai 2019:
538,97 Millionen Dollar für 51 verkaufte Lose (5 unverkauft)
Zuschlag nach Wert: 95 Prozent, nach Losen 91 Prozent

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