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Auktionen in Paris 2019 Wie wertvolle Gemälde und Sammlungen die Jahresbilanz der Auktionshäuser befeuern

Der Auktionsmarkt in Paris zieht mit 1,3 Milliarden Euro Umsatz eine gute Bilanz für das Jahr 2019. Insbesondere Sotheby's hat profitiert.
12.01.2020 - 13:43 Uhr Kommentieren
Das mittelalterliche Goldgrundgemälde, entstanden im späten 13. Jahrhundert, kam auf 24 Millionen Euro, das Vierfache seines oberen Schätzwertes (Detail). Quelle: Actéon
Cimabue: „Verspottung Christi“

Das mittelalterliche Goldgrundgemälde, entstanden im späten 13. Jahrhundert, kam auf 24 Millionen Euro, das Vierfache seines oberen Schätzwertes (Detail).

(Foto: Actéon)

Paris Der Pariser Kunstmarkt bilanzierte 1,3 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2019, rund 130 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Damit liegt er wieder auf dem Niveau von 2017. Eigentlich sollte sich der Kunstmarkt aufgrund des Brexits von London nach Paris verschieben. Aber das schlägt sich in der Pariser Jahresbilanz noch nicht wirklich nieder.

Das zurückliegenden Kunstmarktjahr prägten zwei Faktoren. Erstens kamen hochkarätige Altmeistergemälde auf den Markt. Zweitens wurde eine beachtliche Zahl an hochdotierten Sammlungen verkauft, die Sotheby’s zum zweiten Mal die Spitzenposition im Ranking ermöglichten.

Sotheby’s neuer Eigentümer, der französisch-israelische Milliardär Patrick Drahi, kann mit dem Jahresumsatz seiner Pariser Zweigstelle von 354,6 Millionen Euro zufrieden sein. Das ist eine Verbesserung von 41 Prozent. Ein Lichtblick bei Sotheby’s, das im weltweiten Geschäft eine Einbuße von 9,5 Prozent hinnehmen musste.

Allein die Nachlass-Sammlung des fantasievollen Designerpaars François-Xavier und Claude Lalanne fuhr in Paris 91,3 Millionen Euro ein. Überdies hält Sotheby’s derzeit 25 Prozent der Aktien an der Oldtimer-Auktionsfirma RM Sotheby’s.

Gerüchten zufolge wünscht Drahi das Aufstocken der Beteiligung an dem kanadischen Unternehmen. Auf eine Handelsblatt-Anfrage meint eine Pariser Pressesprecherin, sie sei „nicht auf dem Laufenden“. Die 32,4 Millionen Euro, die RM Sotheby’s im Februar des Vorjahres für Sammlerautos in Paris umsetzte, vermehren das Pariser Volumen auf 387 Millionen Euro.

Christie’s konnte da in der Seine-Stadt nicht mithalten: François Pinaults Auktionshaus belegt mit 256,7 Millionen Euro den zweiten Platz. Neuerdings erhöhen die internationalen Giganten ihre Jahresumsätze, indem sie Ware, die nicht in der Auktion, aber im Nachverkauf abgesetzt wurde, sowie die anonymen Privatverkäufe – besonders an Museen – hinzurechnen.

Das Objekt stammt von der Elfenbeinküste (Ausschnitt). Quelle: Sotheby´s
Baulé-Maske

Das Objekt stammt von der Elfenbeinküste (Ausschnitt).

(Foto: Sotheby´s)

Artcurial, wie oft an dritter Stelle im Pariser Ranking, rechnet – anders als die Konkurrenz – die Mehrwertsteuer mit ein und kommt so auf 203,1 Millionen Euro für Auktionen in Paris, Monaco und Marokko. Artcurial CEO Nicolas Orlowski betont, sein Luxusimperium hätte fast eine Milliarde Euro umgesetzt. Neben den Einnahmen aus dem Auktionshaus auch mit Immobilienerlösen und Rennpferd-Auktionen. Der höchste Jahreszuschlag galt bei Artcurial wieder einem Sammlerauto: Der rote Alfa Romeo Touring Berlinetta von 1939 war einem Amerikaner 16,7 Millionen Euro wert.

Der Versteigerer Tajan gibt neben einem Jahresumsatz von 40,8 Millionen Euro seine Zusammenarbeit mit der französischen Luxus-Immobilienfirma Emile Garcin bekannt. Christie’s liierte sich bereits diskret mit Daniel Féau, der „das schöne Heim in Frankreich“ in der oberen Preislage anbietet. Sotheby’s betreibt bereits eine eigene Immobiliensparte. Das Zielpublikum für Kunst, Design, Sammlerautos und Luxusimmobilien im Hochpreisniveau ist identisch.

Christie's: Diskrete Privatverkäufe

Bemerkenswert ist auch die zunehmende Galerietätigkeit der Versteigerer. Artcurial hat Ausstellungsräume in seinem eleganten Bau am Rond Point der Champs-Élysées, Sotheby’s baute 2018 ein ganzes Stockwerk seiner Niederlassung gegenüber vom Élysée-Palast für die Präsentation der Auktionsware um. Christie’s integriert eine benachbarte Galerie, die der Designer Jacques Grange in zusätzliche Ausstellungsräume verwandelt; für diskrete Privatverkäufe und Highlights der Auktionen.

Da die drei großen Häuser immer mehr Ware an sich ziehen, bleibt für die – auf 60 geschrumpften – Auktionatoren, die im Gebäude Drouot zusammengeschlossen sind, ein zusehends geringerer Umsatz. 2019 waren es im Hôtel Drouot 372 Millionen Euro, um vier Millionen weniger als im Jahr zuvor. Allerdings ohne Nachverkäufe.

Das Ölgemälde „Peinture 14 mars 1960“ erzielte 9,6 Millionen Euro. Quelle: Tajan / VG - BILD KUNST
Pierre Soulages

Das Ölgemälde „Peinture 14 mars 1960“ erzielte 9,6 Millionen Euro.

(Foto: Tajan / VG - BILD KUNST )

Nach einigen schwachen Jahren auf dem Sektor Alte Meister erzielten 2019 vier Gemälde spektakuläre Zuschläge in Frankreich. Herausragend ist das bei der Actéon-Gruppe in Senlis mit dem französischen Jahreshöchstpreis von 24,2 Millionen Euro bewertete Goldgrundbild von Cimabue. „Die Verspottung Christi“ hing Jahrzehnte kaum gewürdigt im Flur der Verkäuferin. Sie hatte keine Ahnung, wie bedeutend und damit wertvoll ihr Bild ist. Man kennt nur elf Bilder des Florentiners, den der Galerist Giovanni Sarti als „den Vater der modernen Malerei“ bezeichnet.

Die kleine Tafel ist das weltweit teuerste Goldgrundgemälde und hält die achte Stelle unter den teuersten Altmeistern. Die chilenische Sammlung „Alana“ erwarb das Gemälde am 27. Oktober gegen das Metropolitan Museum New York. Das Met wie der Louvre hatten ein Budget von 15 Millionen Euro vorgesehen. Das französische Kulturministerium teilte jedoch am 23. Dezember 2019 mit, das Gemälde sei ein „Staatsschatz“ und dürfe Frankreich nicht verlassen.

Verkaufsblockade durch den Staat

Actéon-Auktionator Dominique Le Coënt erklärte dem Handelsblatt, der Staat habe 30 Monate, um die Finanzierung zu finden und dem Sammlerpaar Alvaro Saieh Bendeck und Ana Guzman Ahnfelt ein Angebot zu machen. „Ich werde die Situation genau überwachen.“ Denn momentan blockiere der Staat noch das Caravaggio zugeschriebene Gemälde, ,Judith und Holofernes‘, ohne einen Preisvorschlag.

Das vom Altmeisterexperten Eric Turquin Caravaggio zugeschriebene Gemälde war für eine Auktion vorgesehen. Im Juni 2019 wurde es aber privat an den Hedgefonds-Manager Tomilson Hill für mindestens 30 Millionen Euro verkauft. Eric Turquin leitete nicht nur die Cimabue-Recherchen, sondern auch die zu einem weiteren Goldgrundgemälde des Meisters von Vissy Brod, welches das Metropolitan Museum in Dijon für 6,2 Millionen Euro ersteigerte.

Turquin entdeckte darüber hinaus das Bild der halb entblößten „Lukrezia“ der Barockmalerin Artemisia Gentileschi. Ein britischer Privatsammler ersteigerte es bei Artcurial zum neuen Weltrekordpreis von 4,8 Millionen Euro.

Ein fast abstraktes Bild von Paul Gauguin, „Te Buraou II“ von 1897, kam ebenfalls bei Artcurial für 9,6 Millionen Euro unter den Hammer. Nicolas de Staëls Großformat „Parc des Princes“ bescherte Christie’s seinen Pariser Jahreshöchstzuschlag von 20 Millionen Euro. Kurz vor Pierre Soulages 100. Geburtstag am 24. Dezember gönnte ein Bieter bei Tajan dem Malerjubilar einen neuen Weltrekord in Höhe von 9,6 Millionen Euro für ein Gemälde von 1960.

Mehr: Sammlung Alana: Lesen Sie hier, wie eine Altmeistersammlung im Pariser Musée Jacquemart-André Besucherströme anlockt.

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