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Auktionen in Paris und London Christie's hält den Kopf gut über Wasser

Christie’s erzielt mit seinen live übertragenen Auktionen für die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts respektable Ergebnisse. Nur nicht für italienische Kunst und Design.
29.10.2020 - 13:33 Uhr Kommentieren
Die Königliche Oper trennte sich notgedrungen vom Porträt ihres Intendanten. Er erlöste 12,9 Millionen Pfund. Quelle: Christie's Images Ltd.
David Hockney "Portrait of Sir David Webster"

Die Königliche Oper trennte sich notgedrungen vom Porträt ihres Intendanten. Er erlöste 12,9 Millionen Pfund.

(Foto: Christie's Images Ltd.)

London Es ist die Zeit der immer neuen Auktionsformate. Wie zuvor bereits Sotheby’s hat nun auch Christie’s die Herbstversteigerungen für die Kunst des 20. und des 21. Jahrhunderts zusammengelegt und am 22. Oktober digital live übertragen. Zuerst die Avantgarde in Paris und anschließend die Kunst nach 1945 in London.

In Paris triumphierte wieder einmal der Veteran der abstrakten Malerei, Pierre Soulages. Seine kraftvolle, großformatige Arbeit von 1961 erzielte 5,3 Millionen Euro, blieb damit jedoch unterhalb der sehr hohen Schätzung von sechs bis acht Millionen Euro.

An der Seine kamen auch drei Lose aus dem Bestand der Deutschen Bank zum Aufruf: Papierarbeiten von Làszlo Moholy-Nagy, Egon Schiele und Wassily Kandinsky. Alle Arbeiten fanden zwar Abnehmer, weckten aber kein großes Interesse. Insgesamt spielte die Auktion bei einer respektablen Verkaufsrate von 83 Prozent 18,9 Millionen Euro ein, was in der Mitte der Erwartungen lag.

Im Londoner Teil kam Christie’s trotz des nervösen Markts recht ungeschoren davon. Hier wurden von nur 27 angebotenen Losen 25 verkauft und 49,2 Millionen Pfund umgesetzt. Im Gegensatz zu den Sotheby’s- und Phillips-Auktionen vom 21. Oktober konnte Christie’s sogar zwei Lose mit Schätzungen über zehn Millionen Pfund anbieten; darunter Peter Doigs „Boiler House“ von 1993, das im mittleren Bereich der Taxe 13,9 Millionen Pfund einspielte.

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    Höhepunkt war sicher David Hockneys 1971 entstandenes Porträt von Sir David Webster, der über Jahrzehnte die königliche Oper in London leitete. Auf elf bis 18 Millionen Pfund geschätzt, erzielte es 12,9 Millionen Pfund. Für den Kulturstandort London hat der Verkauf Signifikanz. Das Royal Opera House entschloss sich, das Bild versteigern zu lassen, um in der gegenwärtigen Krise den Weiterbestand der Institution zu gewährleisten.

    Das 1993 entstandene Gemälde spielte 13,9 Millionen Pfund ein und blieb damit im mittleren Bereich der Taxe. Quelle: Christie's Images Ltd., VG Bild-Kunst, Bonn 2020
    Peter Doig "Boiler House"

    Das 1993 entstandene Gemälde spielte 13,9 Millionen Pfund ein und blieb damit im mittleren Bereich der Taxe.

    (Foto: Christie's Images Ltd., VG Bild-Kunst, Bonn 2020 )

    Damit ist es nicht die einzige Institution, die sich im krisengeschüttelten Land um das Fortbestehen sorgt und die Frage stellt, ob es lieber Kunst auf den Markt geben oder Angestellte entlassen soll. Auch die Royal Academy denkt laut einem Bericht des Magazins „The Art Newspaper“ darüber nach. Zur Debatte steht der Verkauf von Michelangelos Rundbild der Jungfrau Maria oder die Entlassung von 150 Mitarbeitern.

    Auch das Interesse an deutschen Arbeiten war stark. Christie’s Kundenberater hatten offenbar gute Arbeit geleistet. „Weiblicher Akt – liegend“ von Georg Baselitz überstieg bei mehreren Interessenten aus Deutschland und Frankreich die Schätzung von 900.000 bis 1,2 Millionen Pfund und verkaufte sich für 1,8 Millionen Pfund.

    Christie’s Expertin Herrad Schorn war auch über den guten Preis einer frühen Arbeit von Markus Lüpertz von 1973 erfreut. Sie spielte 300.000 Pfund ein. Geschätzt war das Werk auf 120.000 bis 180.000 Pfund.

    Dass sich nicht alle Sammelsparten gleich gut über digitale Kanäle verkaufen, macht sich am Misserfolg der Auktionen für italienische Kunst und Design fest. Auch sie wurden von London aus versteigert. Nur 58 Prozent ihrer Lose erhielten einen Zuschlag.

    Manche Werke wie die zum Teil sperrigen Skulpturen von Arte-povera-Künstlern wie Pino Pascali oder Mario Merz müssen im Raum gesehen werden. Aber auch Sammler brauchen offenbar ein Gegenüber, um eine Beziehung aufzubauen, die sich in Geboten niederschlägt. Hinzu kam laut der Christie’s-Expertin Giovanna Bertazzoni, dass nicht genug Interessenten aus Italien anreisen konnten, um die Objekte in London zu begutachten.

    Nicht alle Kunst verkauft sich digital

    Die Frage, ob digitale Medien die Auktionshäuser, Galerien und Messen retten können, ist also weiter ungeklärt. Nicht alle Kunst verkauft sich digital. Wenn es darum geht, Zuschauer medial zu erreichen, ist Sotheby’s derzeit am erfolgreichsten. Eine Million Zuschauer sollen weltweit die Auktionen mitverfolgt haben, meldete das Unternehmen in der letzten Woche. Christie’s kommt im Wettbewerb um Onlinezuschauer nur auf über 190.000, liefert aber solide Auktionen.

    Der erfahrene Kunstberater Guy Jennings warnt im Gespräch mit dem Handelsblatt davor, voreilige Schlüsse aus den Zahlen zu ziehen. „Es ist schwierig, einzuschätzen, inwiefern die Medien den Markt beeinflussen. Ist das ein vorübergehendes Phänomen, oder werden Onlineauktionen die Norm? Wir haben noch nicht genug Erfahrung, wirkliche Rückschlüsse ziehen zu können.“

    Mehr: Auktionen in London und Paris: Banksy toppt Picasso

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