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Auktionen London streitet um die Auktion einer pharaonischen Büste

Die Auktionen für Alte Kunst in London wurden überschattet von der Auseinandersetzung um eine angeblich geraubte ägyptische Büste bei Christie’s.
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Das Porträt des Herrschers soll vor 1970 Ägypten nicht ordnungsgemäß verlassen haben. Quelle: Christie's / VG Bild Kunst
Kopf des Pharaos Tutanchamun

Das Porträt des Herrschers soll vor 1970 Ägypten nicht ordnungsgemäß verlassen haben.

(Foto: Christie's / VG Bild Kunst)

LondonObwohl die Umsätze mit antiker Kunst über alte Möbel und Kunsthandwerk bis zu Altmeistergemälden und -zeichnungen seit Jahren schrumpfen, brachte die Classic Week in London zum Teil ausgezeichnete Ergebnisse. Die im Vergleich zur Gegenwartskunst moderaten Preise selbst für Spitzenobjekte locken Käufer aus der ganzen Welt. Sie hoffen auf die Wertbeständigkeit alter Kostbarkeiten.

Sotheby’s erzielte bei den Alten Meistern die drittbeste Auktion aller Zeiten in diesem Segment in London und setzte 56 Millionen Pfund bei einer Verkaufsrate von 83,8 Prozent um. Es gab eine ganze Reihe von Attraktionen, darunter ein wiederentdecktes Porträt von Diego Velázquez für 2,5 Millionen Pfund und einen Auktionsrekord von acht Millionen Pfund für Thomas Gainsboroughs „Going to Market, Early Morning“.

Der Gainsborough stammte neben einigen weiteren Werken aus der Sammlung des Möbelhändlers Graham Kirkham, die dem Haus allein 26 Millionen Pfund einspielte. Ein Hinweis darauf, wie wichtig Sammlerkonvolute für gute Ergebnisse sind. Das Metropolitan Museum of Art in New York erwarb ebenfalls zum Rekordpreis „The Temptation of Saint Mary Magdalene“ von Johann Liss für 5,7 Millionen Pfund.

Einen Höhepunkt im Skulpturenbereich bildete Johann Heinrich von Danneckers romantische Marmorskulptur „Mädchen mit dem toten Vogel“, die, auf 120.000 bis 180.000 Pfund geschätzt, 2,3 Millionen Pfund erbrachte. In der Antikengattung erzielte Sotheby’s ein ausgezeichnetes Ergebnis für ein Relief aus dem 1. Jahrhundert vor Christus aus der Schickler-Pourtalès-Sammlung. Bei einer Schätzung von 150.000 bis 250.000 Pfund stieg es auf 1,2 Millionen Pfund an. Ausschlaggebend waren hier sicher die Provenienz und Marktfrische des Reliefs, das sich seit dem 19. Jahrhundert in der gleichen Privatsammlung befand.

Christie’s gelang es abermals nicht, den Rückstand gegenüber Sotheby’s aufzuholen. Die Altmeisterauktion bei Christie’s spielte nur zwölf Millionen Pfund ein, lediglich zwei Drittel der angebotenen Bilder fanden Abnehmer. Die Auktion verlief ereignisarm, einzig Claude de Jonghs intime Ansicht der alten Londoner Brücke von 1650, deren größere Version in Kenwood House hängt, begeisterte vier Bieter und verdoppelte die mittlere Schätzung auf 1,1 Millionen Pfund.

Das Manko im Altmeisterbereich glich Christie’s allerdings mit einer Sonderauktion von Objekten aus der Sammlung von Gus‧tave de Rothschild und Erben wieder aus. Hier glänzte neben allerlei Kunsthandwerk und Möbeln David Teniers Gemälde einer Wirtshausszene von 1648, das 4,7 Millionen Pfund brachte. Die Sammlung spielte insgesamt 24 Millionen Pfund bei fast 100 Prozent Verkaufsrate ein.

Darüber hinaus kam Christie’s mit dem Spitzenlos der Auktion, „The Exceptional Sale“, ins Scheinwerferlicht. Ägypten hatte die Legitimität des Verkaufs einer Büste des Gottes Amun in der Gestalt des Pharaos Tut‧anchamun von circa 1330 vor Christus angefochten. Der Versuch, durch diplomatische Mittel den Verkauf des Kopfs zu stoppen, blieb ebenso wirkungslos wie die Protestdemonstration vor den Türen des Auktionshauses. Die Arbeit ging für einen Spitzenpreis von 4,7 Millionen Pfund an einen anonymen Bieter. Allerdings gibt sich das ägyptische Ministerium für Altertümer damit nicht geschlagen und hat Interpol und private Anwälte eingeschaltet.

Ägypten schaltet Interpol ein

Der Konflikt beruht auf grundsätzlichen Fragen um den Eigentumsstatus antiker Kultobjekte. Und auf Fragen, wann und wie die schöne Skulptur außer Landes exportiert wurde und ob Christie’s alles in seiner Möglichkeit Stehende unternommen habe, die Rechtmäßigkeit der Besitzverhältnisse und des Exports zu prüfen. Ägypten vermutet, dass die Arbeit in den 1970er-Jahren aus dem Karnak-Tempelkomplex in Luxor geplündert wurde.

Der am Kinn beschädigte Kopf stammt aus der deutschen Sammlung Resando, die Christie’s seit 2016 veräußert. Ungewiss ist die Provenienz der Büste, die zwar in den letzten 50 Jahren gut belegt ist. Die Besitzverhältnisse aus den 1970er-Jahren und davor sind indes nicht überzeugend nachgewiesen. Sie lassen Raum für Zweifel. Kenner der Szene wissen, warum die magische Schallgrenze im Jahr 1970 liegt.

Damals wurde das Unesco-Übereinkommen beschlossen, das Maßnahmen zum Verbot und zur Verhütung unzulässiger Einfuhr, Ausfuhr und Übereignung von Kulturgut regelt. Eine undurchsichtige Provenienzgeschichte ist nie ein gutes Zeichen. Marktbeobachter gehen davon aus, dass es hier trotz Beteuerungen von Christie’s noch ein Nachspiel gibt.

Mehr: Auch deutsche Kunst ist an den Londoner Auktionshäusern begehrt. Extrem hohe Zuschläge bleiben jedoch mangels Angebot aus.

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