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Auktionshaus Neumeister Warum der Nachlass des Firmengründers jetzt versteigert wird

Rudi Neumeister machte 1979 Furore, als er in 68 Minuten 54 gotische Skulpturen für Millionen D-Mark versteigerte. Seine Töchter verkaufen nun, was er selbst sammelte.
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Nur postkartengroß ist die Ölskizze „Der Golf von Neapel vom Posilipp aus“. Sie wird zum Schätzpreis von 15.000 bis 20.000 Euro aufgerufen. Quelle: Neumeister/Christian Mitko
Carl Blechen

Nur postkartengroß ist die Ölskizze „Der Golf von Neapel vom Posilipp aus“. Sie wird zum Schätzpreis von 15.000 bis 20.000 Euro aufgerufen.

(Foto: Neumeister/Christian Mitko)

München Der Auktionator und Kunsthändler Rudolf Neumeister war eine Institution in München. Kantig und charmant konnte er sein, bajuwarisch und weltmännisch im selben Moment. Aber vor allem war er erfolgreich. Unvergessen bleibt, wie er 1979 in nur 68 Minuten mit 54 gotischen Skulpturen der Sammlung Oertel 5,1 Millionen D-Mark mit Aufgeld umsetzte. Aufsehen erregte 1988 der 1,2 Millionen-DM-Weltrekord für Carl Spitzwegs „Friede im Lande“. Siebenstellige Erlöse waren damals eine Sensation.

Zwei Jahre nach seinem Tod versteigert am 22., 23. und 24. Oktober 2019 das Auktionshaus Neumeister die Privat-Sammlung ihres Firmengründers. Doch nicht ein einziges Gemälde von Spitzweg, für das das Haus seit den 1960er-Jahren die erste Adresse in Deutschland war, befindet sich unter den 800 Losen der Offerte. Top-Los ist mit einer Taxe 200.000 bis 300.000 Euro Max Liebermanns Gemälde „Der Nutzgarten im Wannsee nach Nordost“ von 1920, gefolgt von Balthasar Permosers weich und schwungvoll modellierter, kleiner Lindenholz-Flora von 1710/15 zur Taxe von 150.000 Euro.

Das Geschäft ging vor

Katrin Stoll, zweite von drei Neumeister-Töchtern und seit 2008 Geschäftsführerin des Unternehmens, sagte dem Handelsblatt: „Unser Vater hat den Händler vom Sammler strikt getrennt.“ Und scheinbar rangierte für den umtriebigen Kunstunternehmer, der neben dem Auktionshaus auch eine Galerie führte, das Geschäft in manchen Fällen doch vor der eigenen Begeisterung. Typisch für das jahrzehntelange Neumeister-Profil ist das Gemäldeangebot dennoch.

Für die Affinität zum 19. Jahrhundert stehen zwei Beispiele: Heinrich Bürkels feinmalerisches Genre-Gemälde „Rückkehr von der Bärenjagd“ von 1834 mit einer Taxe von 30.000 bis 40.000 Euro und Emil Jakob Schindlers üppig wuchernder, in das Licht eines kühlen Sommertags getauchter „Gemüsegarten in Goisern“. Er ist auf 40.000 bis 50.000 Euro geschätzt.

Die drei Kataloge lassen erkennen, dass Rudi Neumeister die Leidenschaft seiner Kundschaft im Wirtschaftswunder-Deutschland teilte. Er beriet Industrielle wie Rudolf-August Oetker, Friedrich Karl Flick und Georg Schäfer, aus dessen hochkarätiger Sammlung das gleichnamige Museum in Schweinfurt hervorging.

Die expressive Beweinungsgruppe des Südtiroler Bildhauers gehört zu den Highlights der Offerte. Das aus Zirbelholz geschnitzte Relief stammt aus der Predella von Klockers Barbara-Altar aus der Zeit um 1500. Es ist auf 120.000 bis 180.000 Euro geschätzt. Quelle: Neumeister/Christian Mitko
Hans Klocker: „Beweinungsgruppe“

Die expressive Beweinungsgruppe des Südtiroler Bildhauers gehört zu den Highlights der Offerte. Das aus Zirbelholz geschnitzte Relief stammt aus der Predella von Klockers Barbara-Altar aus der Zeit um 1500. Es ist auf 120.000 bis 180.000 Euro geschätzt.

(Foto: Neumeister/Christian Mitko)

Das Angebot an gotischen und barocken Skulpturen ist breit. Zu den Highlights zählt die expressive Beweinungsgruppe des Südtiroler Bildhauers Hans Klocker. Das ursprünglich zu Klockers Barbara-Altar von ca. 1500 gehörende Predellen-Relief ist auf 120.000 bis 180.000 Euro geschätzt. Von großer Gestaltungskraft ist der stilistisch schon auf die Renaissance verweisende „Johannes der Täufer“ des Meisters von Rabenden. Für das Werk des von ca. 1510 bis 1520 in München tätigen Bildhauers ist ein Mindesteinsatz von 80.000 Euro erforderlich.. Es existieren Vergleichsstücke im Bayerischen Nationalmuseum.

Den feinsinnigen Kenner spiegelt auch das Silberangebot. Als „berühmtesten Künstler in getriebener Arbeit“ wurde Johann Andreas Thelott schon in Reiseberichten des 18. Jahrhunderts hervorgehoben. Für einen Monatsbecher des frühbarocken Meisters mit umlaufenden Sinnbildern für September werden 12.000 Euro erwartet. Neben Schlangenhautbechern von 1610, Silberhumpen und Schraubflaschen werden auch zwei Untersetzer von 1701/05 mit Emailmalerei von Tobias Baur aufgerufen. Die äußerst seltenen Arbeiten des Augsburgers sind auf 18.000 Euro geschätzt.

Ein Planetenkrug begeistert

Rudolf Neumeister war kein Sammler, der auf museale Stringenz aus war. Im Flur des Hauses Neumeister hingen über den gotischen Tafeln mit Darstellungen biblischer Heiliger, die mit 3.000 Euro starten, die eigenen Trophäen des begeisterten Jägers. Hervorragende Keramiken wie ein Creussner Planetenkrug von 1668, der auf 5.000 bis 7.000 Euro geschätzt ist, begeisterten ihn. Dasselbe gilt für die satirischen Zeichnungen des vor allem in Bayern verehrten Zeichners und Erfinders des Kaspars „Larifari“ Franz Graf Pocci. Sie stellen mit Schätzwerten von 200 bis 500 Euro die unterste Preiskategorie dar.

„Das Besondere an der Auktion ist die Fülle von interessanten, qualitätvollen Stücken, die manche Lücke einer Privatsammlung oder eines Museums füllen könnten“, sagt Katrin Stoll. Schaut man sich etwa die Ölskizze von Carl Blechen an, der 1828/30 den Gold von Neapel vom Posilipp aus malte, dann besteht daran nicht der geringste Zweifel.

Mehr: Mode zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Wie das Auktionshaus Neumeister dazu kommt, Kleidung, Lederwaren und Schmuck namhafter Couturiers zu versteigern.

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