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Ausblick 2019 – Kunstmarkt Das sind die Highlights im Kunstjahr 2019

100 Jahre Bauhaus, Kunst als politisches Statement und die Würdigung wenig beachteter Künstlerinnen: Das gibt es im Ausstellungsjahr 2019 zu sehen.
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Das Bauhaus in Dessau. Die Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung.“ ist dort ab 8. September 2019 zu sehen. Quelle: picture alliance/imageBROKER; VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Architektur als Ikone

Das Bauhaus in Dessau. Die Ausstellung „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung.“ ist dort ab 8. September 2019 zu sehen.

(Foto: picture alliance/imageBROKER; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

DüsseldorfBauhaus – das sind strenge kantige Flachbauten und schnörkellose Designklassiker wie die Wagenfeld-Lampe. Und doch war es ursprünglich eine Utopie, die der Architekt Walter Gropius 1919 in Weimar hatte. Das „Staatliche Bauhaus“ als Schule, in der Künstler, Architekten und Handwerker gemeinsam an Produkten arbeiteten, die sowohl funktional als auch ästhetisch befriedigen konnten. 100 Jahre später ziehen Museen landauf, landab Bilanz der bis heute virulenten, teilweise missverstandenen Idee.

Zwar hat das Bauhaus in Summe weniger als anderthalb Jahrzehnte lang existiert, in Weimar von 1919 bis 1925, in Dessau von 1925 bis 1931 und in Berlin von 1932 bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Doch Idee und Haltung waren und sind nicht totzukriegen. Nach 1933 gingen sie mit Exilanten wie Walter Gropius oder Mies van der Rohe, Josef Albers oder László Moholy-Nagy auf eine Reise um die ganze Welt.

Die Welt neu denken

Was bleibt, sind nicht nur die materiellen Artefakte von insgesamt mehr als 1 250 Studierenden aus 29 Ländern. Auch Alltagsgegenstände wie die Wagenfeld-Leuchte, die heute auf vielen Beistelltischchen steht, hat das Bauhaus hinterlassen. Interdisziplinär, ergebnisoffen, experimentell und offen, auch für das Scheitern, so haben die Bauhäusler gearbeitet.

Diesem Gedanken folgt auch das Jubiläum 2019. Den Auftakt macht das Eröffnungsfestival vom 16. bis 24. Januar 2019 in der Berliner Akademie der Künste. Unter dem Motto „Die Welt neu denken“ lädt ein Verbund von Bauhaus-Institutionen und Museen dazu ein, die historischen Zeugnisse neu zu entdecken. Angeführt wird die Ausstellungsserie von den drei großen Jubiläumsausstellungen in Weimar, Dessau und Berlin. Dort sollen auch drei neue Bauhaus-Museen für das 21. Jahrhundert entstehen.

Termine: „Das Bauhaus kommt aus Weimar“, Klassik Stiftung Weimar, ab 6.4.2019. „original bauhaus“ Bauhaus-Archiv / Museum für Gestaltung, zu Gast in der Berlinischen Galerie, 6.9.2019 bis 27.1.2020. „Versuchsstätte Bauhaus. Die Sammlung.“ Stiftung Bauhaus Dessau, ab 8.9.2019

Der chinesische Regimekritiker Ai Weiwei. Quelle: Ai Weiwei Studio, Kunstsammlung NRW
Augenöffner

Der chinesische Regimekritiker Ai Weiwei.

(Foto: Ai Weiwei Studio, Kunstsammlung NRW)

„Alles ist Kunst, alles ist Politik“

Ai Weiwei ist so etwas wie ein Popstar der internationalen Kunstszene. Der chinesische Regimekritiker hat Fans auf der ganzen Welt – aber auch mächtige Feinde, vor allem in seinem Heimatland. 2011 war der Dissident und Menschenrechtler – offiziell wegen eines Steuervergehens – zweieinhalb Monate in Haft, bis 2015 galt für den Künstler ein Reiseverbot. Ähnlich wie Joseph Beuys besitzt Ai Weiwei geradezu missionarische Qualitäten. Er trennt nicht zwischen politischem und künstlerischem Handeln, eines seiner Mottos lautet: „Alles ist Kunst, alles ist Politik.“

Schlüsselthemen der letzten zehn Jahre reichen von Fragen freier Meinungsäußerung bis hin zur Flüchtlingsthematik als weltweitem Phänomen und Beispiel einer grundsätzlichen humanitären Krise. Weil Ai Weiwei gern in großen Maßstäben denkt, wird die Ausstellung in beiden Häusern der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen stattfinden, sowohl am Grabbeplatz (K20) als auch im Ständehaus (K21).

Spektakulär wird sicherlich das Wiedersehen mit der Installation „Sunflower-Seeds“ (2010) im K20. Sie setzt sich aus 100 Millionen handgefertigten und individuell bemalten Sonnenblumenkernen aus Porzellan zusammen.

An das Erdbeben von Sichuan erinnert die noch nie zuvor in Europa komplett gezeigte Installation „Straight“. Sie besteht aus 164 Tonnen Betonstahl, die Ai Weiwei nach der verheerenden Katastrophe 2008 aus eingestürzten Schulgebäuden bergen, wieder gerade biegen und so arrangieren ließ, dass sie von Weitem an eine Landschaft erinnern. Tausende Schulkinder verloren damals ihr Leben unter den Trümmern.

Termin: „Ai Weiwei“, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, K20 / K21, 18.5.2019 bis 1.9.2019

Die Äpfel pflückenden Bauern (Peasants Picking Apples) malte die Künstlerin 1911 im Alter von 30 Jahren. Quelle: © The State Tretyakov Gallery
Natalja Gontscharowa

Die Äpfel pflückenden Bauern (Peasants Picking Apples) malte die Künstlerin 1911 im Alter von 30 Jahren.

(Foto: © The State Tretyakov Gallery)

Die russische Wilde

Die Malerin Natalja Gontscharowa (1881–1962) zählt zu den prominentesten Künstlern der russischen Avantgarde und zu den meist gefälschten. Deshalb darf man besonders gespannt sein auf diese Retrospektive in Londons Tate Modern, die zudem mit vielen Werken aufwarten kann, die außerhalb Russlands noch nie gezeigt wurden. Sie liebte das Experiment und wagte es, sich über künstlerische und gesellschaftliche Konventionen hinwegzusetzen. Sie galt als eine der „Wilden“ Russlands. ohne irgendwelche Berührungsängste.

Gontscharowa kannte sich aus mit russischer Volkskunst und Ikonenmalerei. Durch den Sammler Sergei Schtschukin kam sie schon 1903 in Kontakt mit der Malerei von Paul Cézanne, Henri Matisse, Paul Gauguin und Vincent van Gogh. Wie produktiv sie war, spiegelt ihre erste große Einzelausstellung in einer Moskauer Galerie, wo sie 761 Werke zeigte. Darüber hinaus hinterließ sie Spuren in der Filmgeschichte, als Zeitungsillustratorin, religiöse Wandmalerin, Modeschöpferin und Stoffdesignerin.

Termin: „Natalia Goncharova“ , Tate Modern, London, 6.6.2019 bis 8.9.2019

Die Fotoarbeit „Untitled, from Roja series“ gibt zu erkennen, wie ästhetisch die Künstlerin ihre Botschaft verklausuliert. Quelle: Shirin Neshat/Courtesy the artist and Gladstone Gallery, New York
Shirin Neshat

Die Fotoarbeit „Untitled, from Roja series“ gibt zu erkennen, wie ästhetisch die Künstlerin ihre Botschaft verklausuliert.

(Foto: Shirin Neshat/Courtesy the artist and Gladstone Gallery, New York)

Rütteln an Tabus

Shirin Neshat verließ den Iran, als sie 17 Jahre alt war. Eigentlich wollte sie in den USA nur ihr Studium beenden. Doch die Revolution von 1978/79 und der bald darauf ausbrechende Iran-Irak-Krieg veranlassten sie, in den USA zu bleiben. Später wurde sie in Los Angeles ansässig.

1990, kurz nach dem Tod Ayatollah Chomeinis, kehrte sie als Besucherin in ihre Heimat zurück und konnte sich ein Bild davon machen, wie radikal sich die Verhältnisse nach dem Sturz des Schahs verändert hatten. Damals fasste sie den Entschluss, ihre künstlerische Arbeit kulturellen Tabus zu widmen, insbesondere der Existenz der Frau im Islam. In dieser Phase entstand die bekannte Fotoserie „Women of Allah“ (1993–1997).

Charakteristisch für ihre frühen Fotografien und die ab 1997 entstehenden Filme ist eine Bildsprache, die mit wenigen Elementen auskommt. Neshat weiß die Betrachter auf einer emotionalen Ebene anzusprechen und achtet darauf, dass sie von jenem Publikum verstanden wird, um das es ihr geht. Anders als manche westlichen Künstler will sie nicht schockieren oder brüskieren. Mit ihrem monumentalen Habitus wirken viele ihrer Schwarzweiß-Arbeiten fast wie Denkmäler.

Nach dem Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 wurden auch Ängste ein Thema – aus der Perspektive der in Amerika lebenden Ausländerin. Ihr jüngstes Werk ist von den surrealistischen Filmen Man Rays und Maya Derens beeinflusst. Es kreist um das Leben von Außenseitern und Exilanten, die in der amerikanischen Gesellschaft ihren Platz suchen.

Eli und Edythe Broad zählen zu den einflussreichsten Sammlern der USA. Ihr Privatmuseum „The Broad“ eröffneten sie 2015 in Los Angeles.

Termin: „Shirin Neshat: I Will Greet the Sun Again“, The Broad, Los Angeles, Mitte Oktober 2019 bis Frühjahr 2020

Die 1888 gemalten „Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer“ fehlen auf keinem van Gogh-Kalender. Quelle: Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation) Städel
Vincent van Gogh

Die 1888 gemalten „Segelboote am Strand von Les Saintes-Maries-de-la-Mer“ fehlen auf keinem van Gogh-Kalender.

(Foto: Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation) Städel)

Deutsch-holländische Liebe

Als Vincent van Gogh 1890 in Auvers-sur-Oise starb, kannten ihn nur wenige Zeitgenossen. Posthum avancierte der Niederländer aber zu einem der populärsten Künstler der Welt. Jeder, der etwas auf sich hielt, wollte einen van Gogh haben. Das hatte vor allem etwas damit zu tun, dass der Künstler von Ausstellungsmachern und Kritikern mit Nachdruck zu einem Vorreiter der Moderne erklärt wurde und seine Erben gleichzeitig nur wenige Bilder für den Kunstmarkt freigaben.

Dem Frankfurter Städel Museum zufolge hat van Gogh seine Beliebtheit vor allem den Deutschen und ihren Künstlern, namentlich den Expressionisten, zu verdanken. Der Künstler spielte nicht nur für Ernst Ludwig Kirchner, Paula Modersohn-Becker, Gabriele Münter oder Max Beckmann eine Schlüsselrolle. Er prägte auch weniger im Rampenlicht stehende Maler wie Peter August Böckstiegel, die Impressionistin Maria Slavona oder den Expressionisten Heinrich Nauen.

Das Städel verfügt selbst über eine umfangreiche Sammlung, insbesondere deutscher Expressionisten. Und da dem Museum die Kunstentwicklung in Deutschland zu Beginn des 20. Jahrhunderts besonders am Herzen liegt, investierte es in die Erforschung der Rolle van Goghs als Schlüsselfigur für die Kunst der deutschen Avantgarde.

Mindestens ebenso spannend wird sein, was die Kuratoren über die besondere Rolle herausgefunden haben, welche die deutschen Galeristen, Sammler, Kritiker und Museen für die Erfolgsgeschichte des Vorreiters der modernen Malerei spielten. Zu sehen sind etwa 140 Gemälde und Arbeiten auf Papier, darunter über 45 zentrale Werke von van Gogh.

Termin: „Making Van Gogh. Geschichte einer deutschen Liebe“, Städel Museum, Frankfurt, 23.10.2019 bis 16.2.2020

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