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Ausgefallene Messen Paris mobilisiert Alternativen für den Kunsthandel

In Paris wurden fast alle Messen annulliert, bis auf die „Asia Now“ und „Paris Internationale“. Die Galerien haben daraufhin ein alternatives Programm auf die Beine gestellt.
22.10.2020 - 20:25 Uhr Kommentieren
Die Galerie Danysz (Paris, Schanghai, London) zeigt von dem indonesischen Künstler eine Serie von handgestickten Wandteppichen. Quelle: Danysz gallery
Eko Nugroho

Die Galerie Danysz (Paris, Schanghai, London) zeigt von dem indonesischen Künstler eine Serie von handgestickten Wandteppichen.

(Foto: Danysz gallery)

Paris Die mächtigsten Männer in dieser Pariser Kunstwoche sind vom Sicherheitsdienst. Bewaffnet mit einer Art Plastikpistole, die jedoch ein Fieberthermometer ist, zwingen sie die Besucher, ihnen die Stirn hinzuhalten. Selbstverständlich haben sich die Kunstbegeisterten vorher per Internet verbindlich angemeldet. Das versteht sich während der Covid-19-Pandemie von selbst.

Nach so viel Disziplin für die allgemeine Gesundheit darf man die ziemlich kleinen Messen, Galerieinitiativen und Ausstellungen besichtigen, die in dieser wichtigsten Kunstwoche des Jahres in Paris stattfinden. Leider brach mit der kurzfristigen Absage der Kunstmesse „fiac !“ das Herzstück der Pariser Herbstattraktionen weg, um das sich normalerweise die Satellitenmessen, Blockbuster-Schauen in den staatlichen und kommunalen Museen ranken. Wie gerade die großartige „Matisse“ Ausstellung im Centre Pompidou.

Fast alle Messen annullierten ihre Veranstaltung wegen der Reisebeschränkungen und des Ansteigens der Infizierten. Daher starteten die Pariser Galeristen verzweifelte Versuche, die Menschen anzulocken. Beispielsweise die „Fiac Week“ oder die Initiative „Paris Art Week“ mit Öffnung am Wochenende.

Nur eine Messe mit rund 50 Teilnehmern ist die glückliche Gewinnerin dieser Pandemie bedingten Situation: die auf zeitgenössische asiatische Kunst ausgerichtete Messe „Asia Now“, welche die ehrgeizige Alexandra Fain in einem Wohnhaus organisiert (bis 24.10.). Denn ausnahmsweise stellen einige international aktive, große Pariser Galerien auf der „Asia Now“ aus.

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    Daniel Templon, seit mehr als 50 Jahren quirliger Trendsetzer, bringt es auf den Punkt: „Am Tag nach der Absage der ‚fiac !‘ habe ich mich hier angemeldet“. Nathalie Obadia, Almin Rech, Emmanuel Perrotin, Jeanne Bucher Jaeger, die Galerie Continua gemeinsam mit der Antiquitätenhändlerin Marella Rossi, heben das Niveau der Messe ebenso wie die Preise, weil sie mit ihren bekannten indischen Künstlern Jitish Kallat, Bharti Kher und Rina Banerjee aufwarten.

    Auf dem Fuß der mit der Toilette verwachsenen Figur steht „Sexual Fantasies“. Das Werk des Künstlers PZ Opassuksatit stellt die Cherish Galerie aus Genf aus. Quelle: Paris Internationale
    Auf der "Paris Internationale"

    Auf dem Fuß der mit der Toilette verwachsenen Figur steht „Sexual Fantasies“. Das Werk des Künstlers PZ Opassuksatit stellt die Cherish Galerie aus Genf aus.

    (Foto: Paris Internationale)

    Bharti Kher sammelte populäre indische Keramikskulpturen, die sie zu hybriden Selbstporträts umfunktionierte. Perrotin hat sie im Angebot zu Preisen zwischen 66.000 und 71.000 Euro. Rina Banerjee kreiert seit Jahren phantasievolle Wandskulpturen, für die Obadia 45.000 Euro erwartet. Den witzigsten Raum gestaltet die Pariser Galerie Liusa Wang, die nur gelbe Werke von chinesischen Künstlern auswählte: Von der Hautfarbe bis zum Kostüm einer Tänzerin ist alles intensiv gelb.

    Der dank Matthias Arndt (Berlin) im Westen bekannte Indonesier Eko Nugrubo zeigt allzu bunte handgestickte Wandteppiche bei der Galerie Danysz (Paris, Schanghai, London), die im Gegensatz zu den Schwarzweiß-Kontrasten der ostasiatischen Produktionen stehen, die man seit Jahren auf der „Asia Now“ sieht.

    Auf der Grenze zur Pornographie

    Eine wagemutige Ausstellung bietet die – sonst nur Online laufende – Messe „Outsider Art Fair“ (bis 30.10.). Diese auf Art Brut und Künstler ohne akademische Ausbildung spezialisierte Messe organisiert gemeinsam mit dem Pariser Versteigerungszentrum „Drouot“ die Schau „Sexual Personae“, eine Ausstellung an der Schnittstelle zur Pornographie, kuratiert von der Amerikanerin Alison M. Gingeras.

    Gingeras wählte aus dem Gesamtangebot der „Outsider Art Fair“ Werke mit Frauendarstellungen aus, wobei die phantasievollen Interpretationen des weiblichen Genitalbereichs von Friedrich Schröder-Sonnenstern (1892-1982) noch die harmlosesten Exponate sind.

    Ohne Fiebermesser darf man die kleine Entdecker-Messe „Paris Internationale“ besuchen, die diesmal in einem ehemaligen Supermarkt je drei Werke pro teilnehmender Galerien zeigt (bis 29.10.). Das Restangebot ist ebenfalls Online zu konsultieren. Amüsant-dramatisch ist die Fotoserie eines Japaners, der mit Toilettenpapier-Rollen, dem Symbol der Covid-Angst, jongliert. Die Arbeiten von C&K (Cobra & Ken Kagami) bei der Galerie Misako & Rosen aus Tokyo kosten je 1.400 Dollar.

    Und, um beim Thema zu bleiben, sei noch auf eine mit einem WC verwachsene Männerfigur verwiesen, auf deren Fuß „Sexual Fantasies“ steht. Das Werk des Künstlers PZ Opassuksatit ist bei der Cherish Galerie aus Genf mit 7.500 Euro ausgepreist.

    Am anderen Ende der Stadt Paris ehrt der deutsche Bildhauer Stephan Balkenhol das französische Nationalbewusstsein mit einer frisch geschnitzten Serie von 13 revolutionären Bürgern, Mythengestalten und Napoleon. Die Ausstellung im Palais d’Iena haben die Galerien Ropac und Caroline Smulders gemeinsam präsentiert (je 80.000 Euro). Als Trost bläst der rührende Bildhauer auf einem Video die „Marseillaise“ auf der Posaune. Er konnte nicht nach Paris anreisen, weil am 22.10. seine Retrospektive im Lehmbruck Museum in Duisburg eröffnet wird.

    Mehr: Experiment gescheitert: Auktion anstelle Kunstmesse floppt

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