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Ausstellung Gallery Weekend Berlin – ein Ausstellungsspektakel mit neuen Standorten

Was die Art Cologne für Köln, ist das Gallery Weekend für Berlin. Ein Überblick, was die Besucher ab diesem Freitag in der Kunst-Hauptstadt erwartet.
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Das Plakative ist typisch für das Spätwerk. Abgebildet ist das Ölgemälde „Rotfiguration“ (1968). Quelle: E. Nay-Scheibler, Köln, VG Bild Kunst, Bonn 2019
Ernst Wilhelm Nay

Das Plakative ist typisch für das Spätwerk. Abgebildet ist das Ölgemälde „Rotfiguration“ (1968).

(Foto: E. Nay-Scheibler, Köln, VG Bild Kunst, Bonn 2019)

BerlinIn Berlin herrscht rege Umzugsstimmung. Rechtzeitig zum Gallery Weekend, an dem 45 Galerien und ungezählte weitere Kunstadressen ihre Vernissagen abhalten, hat ein Dutzend Galerien neue Räume bezogen. Das favorisierte Gebiet liegt im alten Westen.

So ist Crone in die Spreestadt zurückgekehrt und hat sich in der Fasanenstraße niedergelassen. Hier werden hundert gleichgroße Unterleibs-Torsi in pastoser Ölmalerei von Clemens Krauss präsentiert. Wentrup ist in die Knesebeckstraße 95 gezogen. Eröffnet wird mit einer Doppelschau zweier Künstler, die mit multiplen figurativen bis abstrakten Bildmustern arbeiten: Florian Meisenberg und David Renggli.

Aus der Lindenstraße in ein 1928 erbautes Umspannwerk in der Neuen Grünstraße unweit vom Spittelmarkt umgezogen ist die Galerie Konrad Fischer. Hier sind die spektakulärsten Galerieräume Berlins entstanden: Auf zwei Etagen mit umlaufender Galerie lassen sich die Bodenarbeiten des britischen Land Art-Veterans Richard Long auch von oben betrachten.

Für die Eröffnungsschau hat Long ein monumentales Kreuz aus rötlichem Granit geschaffen. Wandarbeiten zeigen seine Daumenprints und auf einer Wand hat er mit Lehm ein archaisches Fließbild geschaffen (Preise von 30.000 bis 300.000 Euro). Die Werke haben nichts von ihrer naturgeprägten Aura verloren, die sie seit der Documenta 1972 auf den großen Weltausstellungen ausstrahlen.

Nach zehn Jahren im minimalistischen, aber für Galerieausstellungen nicht besonders geeigneten Brandlhuber-Bau an der Brunnenstraße hat sich die Galerie KOW in den ehemaligen Fischer-Räumen in der Lindenstraße 35  niedergelassen. Hier eröffnet sie wie in ihrem Debütjahr 2009 mit Franz Erhard Walther, dem Klassiker skulpturaler Stoff-Formationen, die zu einer Handlung auffordern. Bei KOW erscheint er im Zusammenspiel mit Werken des amerikanisch-iraelischen Künstlerduos Clagg & Guttmann.

Die neuen Räume der Galerie Konrad Fischer mit der Installation des Land Art-Veteranen gehören zu den stärksten Eindrücken auf dem Gallery Weekend. Quelle: Galerie Konrad Fischer; VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Richard Long

Die neuen Räume der Galerie Konrad Fischer mit der Installation des Land Art-Veteranen gehören zu den stärksten Eindrücken auf dem Gallery Weekend.

(Foto: Galerie Konrad Fischer; VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Mit erweitertem Ausstellungsraum kann die Galerie Barbara Thumm in der Markgrafenstraße jetzt Werke zweier Künstlerinnen parallel zeigen. Fiona Banners ist mit Helium gefüllten „Inflatables“ sowie übermalten Bildern und Graphiken vertreten, in denen dunkle, kugelförmige Seezeichen auf den englischen Kanal als Migrations- und Brexit-Grenze verweisen. Anne-Mie van Kerkhoven dagegen benutzt für ihre feministisch fundierten Bildfindungen verschiedene Techniken – mehrschichtig computergenerierte Cuts, Collagen und Kreidezeichnungen, was ihren Werken eine große Variationsbreite gibt (5.000 bis 45.500 Euro).

In dem Galerieareal Potsdamer Straße fährt Blain/Southern große Geschütze auf. Im großen Saal hat der 77-jährige Konzeptkünstler Bernard Venet an Kränen  monumental verschlungene Vierkant-Stahlskulpturen einfahren lassen. Für deren Installation wurde eine Galeriewand aufgebrochen. Sie sind, wie der Künstler selbst betont, das Ergebnis körperlich anstrengender „improvisierter, intuitiver und empirischer Arbeit“.

Der in sich ruhenden Wucht dieser Elementarschwünge kann man sich kaum entziehen. Das gilt ebenso für die einprägsame Zartheit der parallel gezeigten Zeichnungen und die im oberen Stockwerk ausgestellten Wandkurven, die dort als unterbrochene unendliche Linien erscheinen (Preise um 30.000 bis 800.000 Euro).

Effekte anderer Art zaubern die Räume in der Galerie Kewenig, die mit Arbeiten aus dem Nachlass von James Lee Byars gestaltet wurden. Der 1997 verstorbene Künstler hat sich zeitlebens als verschleierter Zauberer inszeniert, was seinen hier gezeigten Objekten eine mit Goldton angereicherte posthume Magie verleiht.

Die „Schönheit an sich“ hat in simplen Vitrinenobjekten, in der Kugelform und in einem in die Wand gestoßenen antiken Dolch ihren Auftritt. Raumgreifend sind dagegen ein riesiger goldgefasster Tisch, der mit 16 aufgesetzten Kreisen die Mondphasen verkörpert.

Den Flur der Galerie beherrscht eine vergoldete Tonamphore, in der ein Mensch Unterschlupf finden könnte. Der Titel „The Spinning Oracle of Delphi“ verweist auf Riten, die auch die Schönheit nicht auslöschen kann. Die Preise für Byars' Objekte liegen bei 200.000 bis 5 Millionen Euro.

Der Skulptur gewordene Wirbel „Twister Grande (tall)“ besteht aus Aluminium und Stahl. Er entstand 2019 und ist fast vier Meter hoch. Quelle: Galerie Thomas Schulte, Berlin
Alice Aycock

Der Skulptur gewordene Wirbel „Twister Grande (tall)“ besteht aus Aluminium und Stahl. Er entstand 2019 und ist fast vier Meter hoch.

(Foto: Galerie Thomas Schulte, Berlin)

Seinen ersten Auftritt bei Neugerriemschneider hat der 81jährige Thomas Bayrle, dessen Arbeit seit nunmehr fast sechzig Jahren auf dem Prinzip der Wiederholung basiert. Die neuen Bilder sind eine altersmüde Verbeugung vor Monet, der als Vater der Serie gilt. Seine Lichtwirkungen zaubernden Heuhaufen werden in Bayrles Stempelbildern, die das i-phone als permanentes Grundmuster verwenden, zu Produkten einer im doppelten Sinn repetitiven Ästhetik (Preise auf Anfrage!).

Die neuen Ölbilder von Martin Eder bei eigen & art zeigen den Maler, der gerade eine Retrospektive in dem Londoner Museum von Damian Hirst hatte, als bravourösen Techniker. Er stellt seine lieblichen Models in spukhaft-visionäre Szenarien. „Dystopia“, das pessimistische Gegenteil der Utopie, ist der Titel der Schau, in der die Schönheit der Figur von Endzeitstimmung umfangen ist.

Einige Bilder stellen den Bezug zu Leidens-Figuren der  Kunstgeschichte her (Hl. Magdalena, Cleopatra, Lucretia), andere stellen die  Protagonistinnen in apokalyptisch leere Stadtlandschaften: Trugbilder, in denen sich Spirituelles und Brutales mischt (35.000 bis 110.000 Euro).

Einen tiefen Einblick in das Werk zweier Altmeister der Moderne geben die Galerien Aurel Scheibler und Wolfgang Werner. Bei Scheibler hängen Bilder von Ernst Wilhelm Nay, die von 1965-68 entstanden und Botschafter einer Vergeistigung der Form und Konzentration der Farbe sind, die nach den  zum Teil wilden Formen der Augenbilder überrascht.

In den neuen Berliner Räumen des Museums Frieder Burda hängt diese Collage von Ray Johnson, entstanden 1973. Quelle: Ray Johnson Estate, New York 2019, VG Bild-Kunst, Bonn 2019
Ray Johnson

In den neuen Berliner Räumen des Museums Frieder Burda hängt diese Collage von Ray Johnson, entstanden 1973.

(Foto: Ray Johnson Estate, New York 2019, VG Bild-Kunst, Bonn 2019)

Es ist eine museale Schau, auch angesichts der Tatsache, dass nur zwei deutsche Museen solch ein Spätbild besitzen (650.000 bis 900.000 Euro). Bei Wolfgang Werner in der Fasanenstraße hängen Zeichnungen und Gemälde von Richard Oelze, dem Urgestein des deutschen Surrealismus. Die in lasierender Öltechnik entstandenen Gemälde schaffen eine irrationale Gemeinschaft von Figuren und Landschaft, die sich trotz aller Formverdichtung ätherisch zu verwandeln oder aufzulösen scheint (8.500 bis 170.000 Euro).

Neue Kunsträume 

Auch an Ausstellungen, die sich um die Galerieauftritte ranken, herrscht wieder kein Mangel. Als neuer Kunstraum dient ein 1936-38 für die Luftwaffe entstandener Bau, in dem die US-Army von 1945-94 residierte. „Fluentum“ nennt der Software-Unternehmer und Sammler Markus Hannebauer sein Forum, das sich auf Film und Videoarbeiten konzentriert. 

In der Sammlung sind Arbeiten u.a. von William Kentridge, Douglas Gordon, Omer Fast, Hito Steyerl. Eröffnet wird die 600 Quadratmeter große Plattform mit der ersten deutschen Einzelausstellung des holländischen Videokünstlers Guido van der Werve, der in seinen physische Durchhaltekraft beschwörenden Filmen auch als Hauptfigur auftritt.

Der „Salon Berlin“, eine Dependance des Museums Frieder Burda in der Linienstraße, präsentiert drei Künstler, die für „soziale Interaktion und engagierte Teilhabe“ stehen: Ray Johnson, Adrian Piper und JR. Im Schinkel Pavillon läuft eine bewusst heterogene Ausstellung, in der 30 Künstler und Künstlerinnen mit Werken figurieren, die auf mehr oder weniger krasse bis subversive Weise feministische Tendenzen abarbeiten.

Das Spektrum reicht von Claude Cahuns queeren Selbstbildnissen aus den zwanziger Jahren bis Anna Uddenbergs malträtiertem Frauenkörper „Death Drop“, der als Relikt einer Gewalttat erscheint. (Die meisten Ausstellungen laufen bis in den Monat Juni)

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