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Ausstellung in New York Devotionalien statt Pinsel – Skandalkünstler Andres Serrano porträtiert Trump

Serrano nähert sich Trump auf eine besondere Art an: mi einem Arrangement aus Gegenständen, die den Namen des umstrittenen US-Präsidenten tragen.
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Der Künstler sammelte alles rund um die „Marke“ Trump und machte daraus eine Art Gesamtkunstwerk. Quelle:  a/political and ArtX, Foto: John Mireles
Andres Serrano

Der Künstler sammelte alles rund um die „Marke“ Trump und machte daraus eine Art Gesamtkunstwerk.

(Foto:  a/political and ArtX, Foto: John Mireles)

Die riesigen, kitschig-goldenen Lettern „THE GAME“ an einer Fassade im schicken Meatpacking District wirken einfach fehl am Platz. Nichts erinnert mehr daran, dass diese Gegend vor nicht allzu langer Zeit noch Schauplatz nächtlicher Exzesse war.

Heute bestimmen ein riesiger Apple Store und Googles New Yorker Headquarter das Bild. Aber ausgerechnet hier, über zwei schwarz gestrichenen Etagen eines ehemaligen Nachtklubs, installierte Skandalkünstler Andres Serrano, unterstützt von der Londoner Organisation „a/political“, seine neueste Show.

In über 1.000 Objekten erschafft er das berückende Universum neu, das Donald Trump seit den 1980er-Jahren um seine Person geschaffen hat. „Als Porträt eines Mannes, gemalt mit seinen eigenen Pinseln“, beschreibt Serrano die Idee. Ein ganz schön gewagtes Unterfangen in einer liberalen Stadt, die den amtierenden Präsidenten leidenschaftlich ablehnt.

Gegen den Strich gebürstet

Serranos Entrée in die Kunstwelt, sein in Urin getauchter Gekreuzigter „Piss Christ“, trat in den späten Achtzigern hitzige Diskussionen über staatliche Kunstfinanzierung und Meinungsfreiheit los. Dieses Foto des übrigens erzkatholischen Künstlers zählt laut „Time Magazine“ heute zu den hundert einflussreichsten Aufnahmen.

Immer noch bürstet der inzwischen international gefeierte 68-Jährige in seinen Fotoserien, die alles Menschliche von besonders Schönem bis zu ganz Schrecklichem abbilden, am liebsten gegen den Strich.

Der Künstler arrangierte aus Dutzenden von Schlipsen aus „der „Donald J. Trump Signature Collection“ ein Zeichen, in dem sich penible Ordnung mit Selbstbewusstein trifft. Quelle:  a/political and ArtX, Foto: John Mireles
Arrangement von Andres Serrano

Der Künstler arrangierte aus Dutzenden von Schlipsen aus „der „Donald J. Trump Signature Collection“ ein Zeichen, in dem sich penible Ordnung mit Selbstbewusstein trifft.

(Foto:  a/political and ArtX, Foto: John Mireles)

Aber nur ein Serrano-Foto ist in dieser Ausstellung vertreten. Und zwar Trumps riesig abgezogenes Gesicht aus der Serie „America“. Mit dieser wollte er nach den 9/11 Attacken in über 100 Porträts das amerikanische Selbstverständnis erkunden. „The Donald“ reihte sich da unter Feuerwehrleute, FBI-Agenten, Promis und Künstler. „Er repräsentierte den erfolgreichen Unternehmer und TV-Star, aber vor allem seine Marke Donald Trump.

Trump war so nett, mir eine halbe Stunde lang Modell zu sitzen. Wir haben nicht viel gesprochen, ich habe mich hauptsächlich auf Technisches konzentriert“, erinnert sich Serrano, der, obwohl nur vier Jahre jünger als Trump, im hippen schwarzen Outfit immer noch den Rock’n’Roll-Lebensstil signalisiert.

Sorgsam in Vitrinen arrangierter Krimskrams mit Trump-Label stehen im Mittelpunkt der Ausstellung. Über ein Jahr lang hat Serrano alles auf Auktionen zusammengetragen (und fast 200.000 Dollar ausgegeben). „Ich habe das Donald Trump-Spiel gespielt, Konkurrenten auf eBay ausgetrickst. Ich bin da sehr gut geworden und habe alles bekommen, was ich wollte“, erläuterte der Künstler auf einem Presserundgang.

Mehrere Ausgaben des Brett- und Videospiels „Donald Trump: The Game“ (1989–94) mit dem griffigen Slogan „It’s not wether you win or lose, but wether you win“ stimmen den Besucher ein. Er gab der Ausstellung auch den Namen. Die Mitte des Raums dominieren drei riesige, vertikal angeordnete rotierende rote Buchstaben: „EGO“ war das Logo einer sehr kurzlebigen Bar in Trumps Taj Mahal Casino in Atlantic City.

Immun gegen negative Schlagzeilen

Dutzende von Schlipsen der „Donald J. Trump Signature Collection“ sind zum attraktiven Wandschmuck arrangiert, es gibt die Deos seiner Duftlinien „Success“ oder „Empire“. Und auch Fotos von Frauen in Trumps Leben dürfen nicht fehlen. Über eine ganze Wand erstrecken sich dazu signierte Cover von Magazinen und Boulevardpresse der letzten 40 Jahre.

„Auch wenn er negative Schlagzeilen macht, scheint ihn das nicht zu kümmern, solange man nur über ihn spricht“, so Serrano. Auch die Gegnerin Hillary Clinton ist da. Für eine von Trump signierte fiktive Dollar-Note, die Clinton hinter Gittern zeigt, musste Serrano besonders heftig kämpfen. Sie kostete ihn 5.000 Dollar.

Die ebenso berühmten Pleiten, Verlustgeschäfte oder Betrugsvorwürfe gegen Trump schwelen dagegen nur untergründig. Übrig geblieben sind Souvenirs aus den liquidierten Kasinos und Hotels in Atlantic City, der kurzlebigen Fluggesellschaft Trump Shuttle (1989–92), ein Zertifikat der prozessgeplagten Trump University (2005–10), Verpackungen für Trump-Steaks – „The World’s Greatest Steaks“ – oder Trump-Wodka.

Nach seiner eigenen Meinung gefragt, gibt sich Serrano sehr zurückhaltend: „Trump ist vieles für viele Leute. Ich muss keine Position ergreifen. Ich schaffe Werke, die offen für Interpretationen sind und lasse jeden gut aussehen. Als ich im Jahr 2007 ‚Shit‘ fotografierte, sah selbst der gut aus.“

Aber schleicht sich nicht hin und wieder auch ein wenig Bewunderung ein? „Ich sehe ihn als den größten Showman seit P. T. Barnum, Zirkuspionier und Politiker im 19. Jahrhundert. Er signiert Dinge wie ein Künstler, in mancher Hinsicht ist er ein Künstler, vielleicht auch ein Con-Artist (Schwindler) oder Bullshit-Artist (Betrüger). Er wurde Präsident, weil er sein ganzes Leben lang Wahlkampf betrieben hat. Ich denke, er ist sehr smart und ichbezogen, hat aber keinen moralischen Kompass“, sagt Serrano.

Und trotzdem wirbt Serrano um Trumps Aufmerksamkeit. Einige 15 Sekunden-TV-Werbespots bei Trumps Lieblingssender Fox News sollen das besorgen. „Wenn er die Ausstellung mag, dann kann ich ihn vielleicht davon überzeugen, Künstler zu fördern.“ Serrano möchte die Ausstellung als Ensemble verkaufen, am liebsten an den Meistbietenden.

„The Game: All Things Trump“, 409 West 14th Street, New York, bis 9. Juni, geöffnet Mi. bis So. 12 bis 20 Uhr, Eintritt frei

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