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Ausstellung Szene-Club Berghain und die Antwort der Künstler auf den Lockdown

Ein Szene-Club ist Schauplatz der aufregendsten Ausstellung von Berlin. Werke von mehr als 100 Künstlern kommentieren eine Zeit, die aus dem Ruder läuft.
10.09.2020 - 08:44 Uhr Kommentieren
Der Schriftzug, entstanden für die Ausstellung „Studio Berlin“, charakterisiert den unsicheren Status unserer Gegenwart. Quelle: Rirkrit Tiravanija Photo: Noshe
Rirkrit Tiravanija

Der Schriftzug, entstanden für die Ausstellung „Studio Berlin“, charakterisiert den unsicheren Status unserer Gegenwart.

(Foto: Rirkrit Tiravanija Photo: Noshe)

Berlin Sie ist der Höhepunkt der Berliner Art Week. An der Ausstellung „Studio Berlin“ im Szene-Club Berghain sind 118 internationale Künstler mit Wohnsitz in Berlin beteiligt. Eine logistische und ästhetische Meisterleistung! Die von der Boros Foundation und dem Berghain seit Ende Juli gleichsam aus dem Boden gestampften Schau ist eine Antwort auf den Lockdown, in dem monatelang Galerien, Kunsthäuser und Ateliers geschlossen waren.

In allen Sälen und Räumen des Clubs werden Exponate aller zeitgenössischen Kunstrichtungen von der Zeichnung und Malerei bis zur Großinstallation ausgebreitet. Die Arbeiten entstanden zum großen Teil selbst in dieser kunstfernen Periode speziell für diese Ausstellung: Ein hochkarätiges und vielstimmiges Plädoyer für die Künstlerstadt Berlin.

Die Mischung könnte kontrastreicher nicht sein. Sie entfaltet in diesem Rundgang eine geradezu überwältigende Wirkkraft. Stark vertreten sind Werke der Körperkunst, was in diesem von Hedonismus geprägten Ambiente Sinn macht: Die schon seit langem in der „Panorama Bar“ hängenden Großfotos von Wolfgang Tillmanns gehören dazu, auch die auf der Theke ihr Hinterteil reckende weibliche Figur von Anna Udenberg.

Ein Krakenschiff des Briten Simon Fujiwara, das neben Totenkopf-Büsten das Thema Syphilis visualisiert, beherrscht einen intimen Raum. Eines der eindrucksvollsten Exponate ist ein „Trunkener Silen“ des Österreichers Oliver Laric, der das antikische Mischwesen minutiös aus 3D-Daten zusammensetzte.

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    Die Ausstellung beginnt mit einer Großinstallation von Julius von Bismarck, die permanent hinauf und hinab schwebt: Eine Hochseeboje, die die Bewegung auf wellenreichem Ozean simuliert und etwas Bedrohliches hat. Den stärksten Kontrast dazu setzt eine den Nahblick fordernde Gravur im Pieter Brueghel-Stil, die der Franzose Cyprien Gaillard in das Metall einer Toilettenkabine geritzt hat.

    Die Künstlerin in ihrem Studio. Quelle: Studio Jeewi Lee
    Lee Jeewi

    Die Künstlerin in ihrem Studio.

    (Foto: Studio Jeewi Lee)

    Ähnlich subtil ist ist ein Metallbild von Nevin Aladag, das die Trittspuren eines Stiletto-Absatzes als Ornament einsetzt. Gegenüber solch feinsinnigen Beiträgen wirkt eine ausufernde Installation von Alltagsgegenständen wie Besen und Putztüchern, die Verena Issel in einem Umgang aufgestellt hat, reichlich banal.

    Eine veritables Vanitasobjekt des Deutsch-Türken Nasan Tur ist eine tote Eule mit ausgestreckten Flügeln, auf der ein Rehkitz thront. Daneben wirkt ein Zeltbau von Leila Hekmat, der mit Zeitschriften und erotischen Kleinabbildungen übersät ist, aufdringlich komponiert. Einen der vielen Verbindungsräume nutzt Michael Sailstorfer für sein Ensemble aus überdimensionierten Zähnen, die aus dem Körpermineral Salz geformt sind. Das Raum greifendste der Körperkunstobjekte ist eine Bodenarbeit von Mariechen Danz aus Backsteinen, die als subtile Bauelemente Abdrücke menschlicher Organe zeigen.

    Katastrophenvideo als Blickfänger

    Es gibt Beiträge, die Endzeit-Stimmung oder die Skepsis an einer aus dem Ruder laufenden Zeit verbreiten. Dazu gehört der kahle Bronzebaum mit lauerndem Geier, eine Skulptur von Elmgreen & Dragset; oder auch die staubig verblasste amerikanische Flagge von AA Bronson an der Wand der Event-Halle, die als politisches Menetekel zu nehmen ist. Zentraler Blickfänger ist ein Katastrophenvideo von Julien Carrière, in dem aus einem klassischen Springbrunnen eine Feuerfontäne züngelt.

    Selbst die Rieseninstallation mit Modellen eines verlassenen Freizeitparks von Raphaela Vogel hat den Charakter vergänglicher Größe und Lust. Mit solchen Exponaten wird diese Ausstellung über ihre ästhetische Qualität hinaus auch zu einem Spiegel dessen, was Künstler in einer bleiernen Zeit zum Schaffen antreibt und was neue Wegmarken setzt. (Bis zum Jahresende mit und ohne Führungen im Zeitfenster unter www.studio.berlin)

    Mehr: Berlin Art Week: Die Hauptstadt überzeugt mit guter Kunst

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