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Ausstellung Wie Regelbrecher Rubens zum Kunststar wurde

Peter Paul Rubens konnte mit Bildern Emotionen wecken. Nun werfen Museen in San Francisco und Toronto einen Blick auf das Frühwerk des flämischen Barockmalers.
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Rubens malte die über zwei Meter hohe Figur als Begleiter für sein Altarbild „Die Kreuzaufrichtung“. Es befindet sich in Antwerpens Kathedrale. Quelle: Flint Institute of Arts
Engel

Rubens malte die über zwei Meter hohe Figur als Begleiter für sein Altarbild „Die Kreuzaufrichtung“. Es befindet sich in Antwerpens Kathedrale.

(Foto: Flint Institute of Arts)

San FranciscoAusgerechnet Peter Paul Rubens tut sich im amerikanischen Ausstellungsbetrieb schwer. Über zehn Jahre lang wagte hier kein einziges Museum eine Einzelausstellung. Nun füllt eine Kooperation zwischen Art Gallery of Ontario und den Fine Arts Museums of San Francisco diese Lücke. Beide Institutionen besitzen einige seiner wichtigsten frühen Werke und daher ist sinnvoll, zum ersten Mal überhaupt übrigens, den „Early Rubens“ unter die Lupe zu nehmen.

Mit neuen Fragestellungen vermag die Show in San Franciscos Legion of Honor Museum auch reisefreudige Fans zu beeindrucken, die etwa die viel größeren Rubens-Ausstellungen in London (2005) oder soeben noch „Die Kraft der Verwandlung“ (2017/18) in Wien oder im Städel Museum von Frankfurt gesehen haben. Max Hollein, bis zum Frühjahr 2018 Direktor der Fine Art Museums of San Francisco (zu dem auch das Legion of Honor gehört), bevor er dem Ruf ans Metropolitan Museum folgte, gestaltete auch diese Ausstellung mit.

„Rubens ist ein extrem faszinierender Künstler. Nicht nur wegen seines kreativen Ausstoßes, sondern auch weil er eine neue Auffassung von einem Künstler repräsentierte - die eher dem heutigen Verständnis entspricht. In gewisser Weise wurde er zu einem der allerersten Kunststars seiner Zeit, jemand, der durch sein Werk kulturelle Brücken schlagen konnte“,  begeisterte sich Hollein in einem Interview gegenüber artnet News.

Die hier ins Auge gefassten Jahre 1609 bis 1621 sind Rubens“ innovativste Periode. Sie fallen mit dem zwölfjährigen Waffenstillstand im Spanisch-Niederländischen Krieg und der Regentschaft von  Erzherzog Albrecht von Österreich zusammen, der Rubens als Hofmaler anstellte. Gerade war Rubens von seiner achtjährigen intensiven Studienreise durch Italien nach Antwerpen zurückgekehrt. Er konnte das Kunstvakuum in der vom Krieg verwüsteten Stadt geschickt für sich nutzen.

„Wie schaffte es Rubens, früh zum gefeierten Künstler zu werden, der auch hunderte Jahre später noch populär ist?“ Dieser Frage gehen die jungen Kuratoren Kirk Nickel (Fine Art Museum of San Francisco) und Alexandra Suda (damals Art Gallery of Ontario, inzwischen Direktorin der National Gallery of Art, Ottawa) in der mit 51 Exponaten kompakten, fast intimen Ausstellung nach. 31 Gemälde werden ergänzt von 20 Zeichnungen und Stichen; überaus großzügige Leihgaben aus Museen und Privatsammlungen in Europa und den USA halten sich da die Waage.

Grausam, deshalb einst hinter einem Vorhang versteckt. Quelle: Moravian Gallery in Brno, K.K.Ackerbaugesellschaft
Rubens „Kopf der Medusa“

Grausam, deshalb einst hinter einem Vorhang versteckt.

(Foto: Moravian Gallery in Brno, K.K.Ackerbaugesellschaft )

Nicht nur wird zum ersten Mal das „Massaker der Unschuldigen“ (etwa 1611-12) gezeigt, das erst seit 2001 als eigenhändiges Werk gilt. Schlagzeilen machte es durch seinen Rekordpreis von 49,5 Millionen Pfund machte, bewilligt vom kanadisch-britischen Milliardär Ken Thomson bei Sotheby’s in London. Sechs Jahre (2008) später schenkte er das Bild an die Art Gallery of Ontario. Auch „Lot und seine Töchter“ (etwa 1613-14), die im Juli 2016 bei Christie’s in London fast 45 Millionen Pfund erlösten, haben in San Francisco ihren ersten öffentlichen Auftritt. Als Leihgeber offenbart sich eine anonyme gemeinnützige Stiftung.

Gleich zu Beginn der Ausstellung bezirzen drei Riesenformate in der Rotunde der Legion of Honor den Besucher. Allen voran Publikumsliebling „Daniel in der Löwengrube“ (um 1614-16), der nur selten die Wãnde der National Gallery in Washington, DC verlassen darf. Rubens behielt ihn stets  in eigenem Besitz, „für mein eigenes Vergnügen“. Diese bezaubernde Darstellung mit acht „nach dem Leben gezeichneten“ Löwen kombiniert eine Episode des Alten Testaments mit wiederbelebten Grundsätzen des antiken Stoizismus, nur ein Beispiel für Rubens“ imposante intellektuelle und künstlerische Reichweite.

Prestigeträchtige Aufträge in Italien sorgten für erste religiöse Auftragswerke in Antwerpen. Die Fähigkeit des Meisters, große Formate mit komplexen Kompositionen zu bewältigen, überzeugende menschliche Interaktionen darzustellen und durch intensive Farben starke Emotionen hervorzurufen, machten ihn zu einem gesuchten Sprachrohr der Gegenreformation.

„Aber er brach jeden Tag geltende Regeln, setzte sich einfach über herkömmliche Wege der bildlichen Erzählung hinweg“, erläutert Kirk Nickel. Von dieser Furchtlosigkeit zeugt auch der überlebensgroße, auf seine Umrisse reduzierte Engel im grünen Gewand (um 1611). Einst rahmte er als fast volkstümliches Dekorelement das berühmte dreiteilige Altarbild mit der  “Kreuzaufrichtung“, das steht heute in der Liebfrauenkathedrale.

Einer der Räume ist anrührenden Stationen aus dem Leben Christi gewidmet, die ein breites Spektrum von Gefühlen evozieren. Unter sie reiht sich auch der berühmte „Zinsgroschen“ (um1610-15) des Museums, der im Jahr 1944 angekauft wurde. Das Bild wurde eine von Rubens“ populärsten Kompositionen, allein über 50 Kopien sind bekannt. Früh bemühte sich der Maler um die Publizierung seiner Bilder in Stichen. Sie wurden nicht nur in Europa wieder in Gemälde umgesetzt.

Aber auch in privaten Aufträgen spielte Rubens meisterhaft auf der Klaviatur der Emotionen. Für den Kaminsims einer Antwerpener Residenz war die extrem gewalttätige und außerordentlich komplexe Version „Massaker der Unschuldigen“ bestimmt, während der makabre, aber anatomisch äußerst korrekte „Kopf der Medusa“ (um 1617-18) lieber hinter einem Vorhang verborgen wurde. Er lässt auch heute noch den Betrachter zwischen Attraktion und Ekel schwanken.

„Early Rubens“, läuft im San Francisco, de Young/ Legion of Honor Fine Art Museums of San Francisco bis 8. September 2019, danach in der Art Gallery of Ontario, Toronto, vom 12. Oktober 2019 bis 5. Januar 2020.

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