Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Ausstellungen Lebenswerk eines Unangepassten – Museum Hannover zeigt Nachlass des Fotografen Umbo

Drei deutsche Museen teilen sich das Erbe des Fotografen Umbo. Das Sprengel Museums in Hannover rückt die Reportagefotografie in den Mittelpunkt.
Kommentieren
Umbo nahm sich viel Zeit und konzentrierte sich auf dieses gerade in der Sammelstelle angekommene Mädchen. Quelle: Phyllis Umbehr / Galerie Kicken Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn, 20
Aufnahme aus der Reportage „The lost Child“ (1951)

Umbo nahm sich viel Zeit und konzentrierte sich auf dieses gerade in der Sammelstelle angekommene Mädchen.

(Foto: Phyllis Umbehr / Galerie Kicken Berlin / VG Bild-Kunst, Bonn, 20)

HannoverDass sein Nachlass einmal für 3,4 Millionen Euro an deutsche Museen verkauft werden würde, hätte sich Umbo (1902–1980) nie vorstellen können. Mit Ende 70 saß der Fotograf (bürgerlich Otto Umbehr) noch an der Kasse in Hannovers Kestner Gesellschaft, um sich sein Altersbrot zu verdienen. Jetzt gewährt das Sprengel Museum Hannover einen ersten Einblick in das Œuvre dieses Unangepassten (bis 12.5.).

Zwar besitzt die mit 200 Werken bestückte Schau den Charakter einer Retrospektive. Doch geht es wohl vor allem darum zu zeigen, was man hat. Nach Werkgruppen sortiert, hängt Umbos Lebenswerk im dafür viel zu großen Wechselausstellungssaal. Darunter leidet die Ausstrahlung der einzelnen Arbeit, vor allem die kühn angeschnittenen Nahaufnahmen von Frauengesichtern, mit denen Umbo in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre schlagartig Furore machte.

Miterfinder der seriellen Reportagefotografie

Umbo begann erst 1926 zu fotografieren, drei Jahre, nachdem er das Bauhaus verlassen musste, weil er sich den Regeln nicht unterwerfen wollte. Im Vorkurs von Johannes Itten hatte er gelernt, seine Bilder von der Komposition her zu denken. Das prädestinierte ihn für die aufkommende Reportagefotografie. Simon Guttmann, Gründer der legendären Fotoagentur Dephot, entdeckte ihn und erfand mit ihm zusammen 1929 die serielle Fotoreportage.

Das Sprengel Museum hat für seine Schau den Schwerpunkt auf Umbos Reportagen gelegt. 604 Objekte waren insgesamt angekauft worden, inklusive Ausstellungsprints, Druckvorlagen und Kontaktkopien sowie Archivalien. Jedes Museum erhielt nach Wert den gleichen Anteil. Nach Zahl übernahm Hannover den größten Anteil inklusive des schriftlichen Nachlasses, die Bauhaus-Stiftung Dessau 39 Werke und die Berlinische Galerie 66. Dass es weitere Miteigentümer gibt, zeigt, wie schwer man sich mit dem Ankauf tat. Anteile der Ernst von Siemens- und der Behrens-Stiftung finden sich als Leihgaben wieder.

Angaben zur Entstehung der Abzüge und Herkunft der einzelnen Werke sucht man in Ausstellung und Katalog vergeblich. Die Provenienzen müssten noch erforscht werden, erklärte die Kuratorin Inka Schube auf Nachfrage. Auch eine Aufarbeitung der Verwertungsgeschichte wäre wichtig, denn Umbo besaß infolge eines Bombenangriffs von 1943 keine Negative mehr. Sein Freund Paul Citroen hatte ihm später ca. 40 Bilder zurückgeschenkt, damit er davon wenigstens Copyprints anfertigen konnte. So kam auch das 1980 von der Galerie Kicken verlegte Portfolio zustande.

Aus Beständen der Galerie Kicken, des Sammlers Thomas Walther und der Tochter Phyllis Umbehr wurde der Nachlass akquiriert. 20 Dollar kostete bei der New Yorker Galerie Levy 1932 die aus der Vogelperspektive aufgenommene „Unheimliche Straße“ (1928). Ein Vintageabzug eines ähnlichen Motivs war 2014 bei Kicken mit 150.000 Dollar veranschlagt. An seinem 78. Geburtstag ließ Rudolf Kicken laut der „Hannoverschen Allgemeinen“ Umbo Bilder signieren, die er noch in seinem Besitz hatte. Damals zahlte der Galerist mit Fünfmarkscheinen, die zu kleinen Blöcken verleimt waren. Zeugen stritten sich, wie hoch der Preis war. Bekam er drei Blöcke von ca. zwei Zentimetern, oder waren es nur zwei Blöcke?

„Umbo. Fotograf“, bis 12. Mai 2019, Sprengel Museum Hannover, 21.2. bis 25. Mai, Berlinische Galerie. Katalog: Snoeck Verlagsgesellschaft, 48 Euro im Museum, 58 Euro im Buchhandel.

Startseite

Mehr zu: Ausstellungen - Lebenswerk eines Unangepassten – Museum Hannover zeigt Nachlass des Fotografen Umbo

0 Kommentare zu "Ausstellungen: Lebenswerk eines Unangepassten – Museum Hannover zeigt Nachlass des Fotografen Umbo"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote